| Originaltitel | Jagdszenen aus Niederbayern |
| Genre | Drama |
| Land & Jahr | Bundesrepublik Deutschland (BRD) 1969 |
| Verkaufsstart | 15.02.2012 (Bavaria Media) |
| FSK & Länge | ab 16 Jahren• 86 min. |
| Regie | Peter Fleischmann |
| Darsteller | Martin Sperr, Angela Winkler, Else Quecke, Maria Stadler, Michael Strixner, Hanna Schygulla |
| Links | IMDB |
Jäger und Gejagte - Gespräch mit Peter Fleischmann • Interview mit Produzent und Regisseur: Rob Houwer und Peter Fleischmann im Dialog • Interview mit den Bewohnern von Unholzing • Impressionen von der Kinopremiere 1969 • Bildergalerie • Neuer Trailer und Booklet mit Essay zum Film
In Unholzing kennt jeder jeden. So wissen alle Dorfbewohner, dass der 20-Jährige Mechaniker Abram (Martin Sperr) schwul ist - zumal der offen damit umgeht. Da letzteres in den 1960er Jahren noch eher ungewöhnlich ist und Homosexualität nicht gerne gesehen wird, feinden ihn Mitbürger an.
Ob beim Bäcker oder auf dem Dorffest - stets wird Abram beschimpft. Nur Marianne (Angela Winkler) hält zu ihm, die als angebliche Hure im Dorf ebenfalls angegiftet wird. Eines Tages wird die junge Frau von Abram schwanger. Auch das spricht sich schnell im Dorf herum und steigert die Wut der Bürger noch. Schließlich eskalieren die Gefühle und Abram schlägt mit aller Gewalt zurück.
"Jagdszenen aus Niederbayern" ist die gelungene Adaption des gleichnamigen Theaterstücks von Martin Sperr. Dessen Geschichte transferiert Regisseur Peter Fleischmann sehr realistisch und atmosphärisch auf die Kinoleinwand. Durch die stimmige Kombination von Kamera, Schnitt und Schwarz/Weiß-Bildern, wird die beklemmende Situation der Protagonisten für den Zuschauer fühlbar.
Zur Glaubwürdigkeit der Geschichte um Rassismus im Bayern der 1960er Jahre tragen zudem die guten Schauspielleistungen bei. Vor allem Martin Sperr und Angela Winkler überzeugen in den Rollen der Außenseiter mit facettenreichen Darbietungen. Die Geschichte selbst überzeugt aufgrund ihres gelungenen Aufbaus. Fleischmann bricht in seinem Spielfilmdebüt nichts übers Knie, behutsam zeichnet die Entwicklung der täglichen Ausgrenzung nach.
"Jagdszenen aus Niederbayern" wird 1969 kontrovers diskutiert. Nachdem das Drama mit zwei Bundesfilmpreisen geehrt wird, bekommt der damalige Bundesinnenminister Ernst Benda mehrere Hundert Briefe zugeschickt. In diesen wird er dazu aufgefordert die Entscheidung rückgängig zu machen. So betont der Vertreter der deutschen Botschaft bei der Uraufführung von "Jagdszenen aus Niederbayern" in Israel, dass das Drama keineswegs die Realität der Bundesrepublik Deutschland widerspiegle.

"Jagdszenen aus Niederbayern" ist ein dichtes Drama über den Rassismus im Bayern der 1960er Jahre. Peter Fleischmanns Spielfilmdebüt ist realistisch inszeniert und... mehr