| Originaltitel | Kir Royal | |
| Genre | Komödie | |
| Land & Jahr | Deutschland 1986 | |
| FSK & Länge | 60 min. | |
| Regie | Helmut Dietl | |
| Darsteller | Franz-Xaver Kroetz, Senta Berger, Dieter Hildebrandt, Ruth-Maria Kubitschek, Billie Zöckler, Erni Singerl | |
| Links | IMDB | |
|
Bewertung (Skala: 1-10)
User:7.5
Anzahl User:2
Noch keine Userkommentare Redaktion:7.0
| ||
Sektflöten rochieren im Walzertakt vor knallig rotem Hintergrund. Hier und da stoßen sie miteinander an. Mit diesen Bildern beginnt der Vorspann zu "Kir Royal" und resümiert so in wenigen Bildern die Quintessenz der sechsteiligen Kultserie aus den 1980er Jahren. Denn die Gläser sind mit Kir Royal gefüllt, jenem perlenden Lieblingsaperitif von Klatschreporter Baby Schimmerlos (Franz-Xaver Kroetz). Was Baby gefällt wird alsbald zum Gebot für die Münchner Gesellschaft. Als berühmt-berüchtigter Klatschkolumnist gleitet Baby elegant über das Parkett der oberen Zehntausend.
Stets auf der Suche nach neuen Schlagzeilen, begegnen und suchen ihn schillernde Lokalprominente und umschwärmen ihn nach Anerkennung lechzend. Geschniegelte Industrielle, selbstverliebte Schauspieler und skrupellose Politiker: sie alle lieben und belügen Baby ganz nach Belieben. Baby flirtet mir dem Geldadel und genießt den Glamour und die Privilegien, behält jedoch immer ein Quentchen Gefühl für die Selbstachtung. Doch der im Kern seines Wesens ehrliche Mensch reibt sich immer mehr an Gier und Bigotterie des Münchner Provinz-Jet-Sets.
"Kir Royal" wurde von der ARD erstmals im September 1986 ausgestrahlt. Die Produktion erntete auf Anhieb Kritikerlob und hat längst Kultstatus erreicht. Der Erfolg beruht sowohl auf die hervorragenden Darsteller, als auch auf die Qualität der Drehbücher. Franz-Xaver Kroetz als eigensinniger Reporter, Senta Berger als Freundin Mona und Dieter Hildebrandt als zynischer Fotograf Herbie hauchen ihren Figuren Leben ein und sie machen sie zu , wenn auch satirisch überzeichnete glaubwürdigen Charaktere.
Neben den Hauptrollen sind jedoch auch die Randfiguren bestens besetzt. Mario Adorf, Marianne Hoppe und Udo Kier sind hierfür nur einige namhafte Beispiele. Das Phänomen "Kir Royale" besteht nicht zuletzt aus dem Kuriosum, dass die verspottete Schickeria sich ganz bereitwillig selber verulkte und bereitwilligst mitspielte.
Handlung und Dialoge aus den Federn von Regisseur Helmut Dietl und Bestsellerautor Patrick Süskind geben treffsicher Lokalkolorit und die Stimmung der Bussi-Bussi-Gesellschaft wieder, die in Dekadenz und Heuchelei zu versinken droht. Eigentlich selbst ein Mitglied der Schickeria, gelingt Dietl eine der prägnantesten Gesellschaftssatiren, die auf deutschem Zelluloid gebannt wurde. In Zeiten weichgespülter Programmhomogenie ist "Kir Royal" ein interessantes Zeugnis bissiger TV-Unterhaltung mit Profil und deshalb besonders sehenswert.