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Jud Süß - Film ohne Gewissen

OriginaltitelJud Süß - Film ohne Gewissen
AlternativJud Süss - Film ohne Gewissen
GenreDrama
Land & Jahr Deutschland/Österreich 2010
Kinostart23.09.2010 (Concorde Filmverleih)
FSK & Länge ab 12 Jahren• 114 min.
RegieOskar Roehler
Darsteller Tobias Moretti, Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck, Justus von Dohnányi, August Zirner, Heribert Sasse
Homepage http://www.jud-suess-film.de
Links IMDB
Bewertung (Skala: 1-10)
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Redaktion:5.0

Film: Inhalt

Der österreichische Schauspieler Ferdinand Marian (Tobias Moretti) feierte seit einiger Zeit nur noch kleinere Erfolge. Dies soll sich nun ändern, denn Propagandaminister Joseph Goebbels (Moritz Bleibtreu) hat ihn als Hauptdarsteller seines neuesten Prestigeprojekts auserkoren. Marian soll den berüchtigten Juden im aufwendig produzierten Propagandafilm darstellen. Doch er ziert sich zunächst - aus Angst, nach dieser Rolle ausschließlich auf jüdische Figuren festgelegt zu werden. Auch seine Frau Anna (Martina Gedeck) ist alles andere als begeistert, schließlich hat sie selbst jüdische Wurzeln und weiß ob der Gefährlichkeit der Nationalsozialisten. Goebbels übt immer stärkeren Druck auf den Schauspieler aus, bis Marian einwilligt. Derweil versucht Marian sich selbst und sein Umfeld zu überzeugen, dem Juden einen sympathischen Touch zu geben, damit dieser nicht vollkommen zum Film-Bösewicht mutiert. Die Dreharbeiten setzen ihm dann aber doch zu. Er verändert sich, distanziert sich sogar von seiner Frau. Als der Film schließlich in die Kinos kommt und sogar auf dem Filmfest von Venedig als großen Erfolg gefeiert wird, nimmt Marians persönliche Tragödie ihren Lauf. Goebbels, der von den Affären und Alkoholeskapaden des Schauspielers die Nase voll hat, lässt seine Frau deportieren und seinen Freund, den jüdischen Schauspieler Adolf Wilhelm Deutscher (Heribert Sasse) ins KZ einliefern. Auch das Kriegsende bringt für den ehemaligen, gefeierten NS-Darsteller nicht die erhoffte Erlösung. Wer mit dem Teufel paktiert, kommt selten ungeschoren heraus.

Film: Kritik

Oskar Roehler wagt sich mit "Jud Süß - Film ohne Gewissen" an ein heikles, vor allem aber übermächtiges Thema heran. Nicht nur, weil Veit Harlans Propagandafilm "Jud Süß" ein rassistischer Propagandafilm war. Natürlich reagiert auch das Publikum empfindlich auf dieses unsägliche Stück deutscher Filmgeschichte. Roehler bekam dies bereits bei der ersten Vorführung auf der Berlinale 2010 zu spüren. Schon während des Films tat das Publikum durch laute, abwertende Ausrufe ihren Unmut kund. Kaum lief der Abspann, folgten Buhrufe. Dabei hätte der Film weniger Unmut hervorgerufen, hätte sich der Regisseur mutiger an das Thema herangewagt. Schließlich geht es um das Schicksal eines Schauspielers, der mehr oder weniger willig eine Rolle angenommen hat und an dieser Entscheidung zugrunde geht. Er ist einerseits geschmeichelt von der Werbung Joseph Goebbels, weiß andererseits aber sehr wohl um die Gefährlichkeit des Propagandaministers. Der Österreicher Tobias Moretti meistert diese Gratwanderung hervorragend. Von einem Schauspieler, der konfliktreichen Charakteren stets seinen eigenen Stempel aufdrückt, war das zu erwarten.

Wirklich Neues hat Roehler seinen Zuschauern nicht geboten. Viele Fakten rund um den antisemitischen Propagandafilm waren schon bekannt. Dabei hätten vor allem die Beziehung zwischen Goebbels und seinem willigen Regisseur Harlan, oder jene zwischen Harlan und Marian einiges an Konfliktpotential bereit gehalten. Doch damit hat sich Roehler nicht lange aufgehalten. Selbst die nachgestellten Szenen aus "Jud Süss" sind schwach inszeniert. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Darstellung von Propagandaminister Josef Goebbels durch Moritz Bleibtreu. Der lässt die Person wie eine Witzfigur erscheinen, so dass die Zuschauer im Verlaufe des Films die moralische Verkommenheit von Hitlers Propagandaministers aus den Augen verlieren. Am Ende kann man sich dem Eindruck nicht erwehren, der Regisseur sei zu viele Kompromisse eingegangen, um das Publikum nicht zu sehr zu verstören. Das ist definitiv der falsche Ansatz.

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