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© Arsenal Filmverleih

Rückkehr ans Meer

OriginaltitelLe refuge
GenreDrama
Land & JahrFrankreich 2009
Kinostart09.09.2010 (Arsenal Filmverleih)
FSK & Länge ab 12 Jahren• 90 min.
RegieFrançois Ozon
DarstellerIsabelle Carré, Louis-Ronan Choisy, Pierre Louis-Calixte, Melvil Poupaud, Claire Vernet, Jean-Pierre Andréani
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Inhalt/Kritik
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Inhalt

Tabus zu brechen und dabei eine ungetrübte Sicht auf die Welt zu werfen, ist François Ozon Spezialität. Er begleitet seine Helden auf eine schwierige Reise über das Leiden ins erlösende Licht der Erkenntnis, hat der Franzose einmal sinngemäß geäußert. Als beispielhaft für diese Reise kann "Die Zeit die bleibt" angesehen werden. Darin beobachtet Ozon einen homosexuellen Mann, der mitten im Leben steht als er mit der Nachricht konfrontiert wird, dass er tödlich erkrankt ist. Sein Tod ist unumgänglich, doch am Ende gelingt ihm eine erlösende Befreiung aus seinem Martyrium der Todesangst.

Eine Konfrontation mit dem Tod und dem damit verbundenen Martyrium sowie die Errettung aus dem Leid durch neues Leben ist auch Thema von "Rückkehr ans Meer". Im Mittelpunkt der Handlung steht die junge Mousse (Isabelle Carré). Nach einer wilden Drogenacht stirbt ihr Freund Louis (Melvil Poupaud) an einer Überdosis, während sie selbst um Haaresbreite überlebt. Im Krankenhaus erfährt sie vom Tod Louis' und dass sie schwanger ist. Erschüttert zieht sich Mousse in ein abgelegenes Landhaus zurück. Die Hütte ist ein Zufluchtsort, an dem Mousse sich nicht nur mit dem Verlust ihres Freundes, sondern auch mit der Situation der bevorstehenden Geburt auseinanderzusetzen kann. Gesellschaft bekommt sie bald von Louis' schwulem Bruder Paul (Louis-Ronan Choisy). Wie Mousse ist auch er ein Außenseiter ohne Halt im Leben, für den das Refugium zu einem Ort der Selbstfindung wird.

Kritik

Es gehört zu den Stärken von François Ozon, das nuancierte Verhältnis zwischen den beiden Protagonisten einfühlsam aufzubauen. Die Beziehung zwischen Mousse und Paul ist zunächst distanziert. Vor allem von Seiten der von Isabelle Carré gespielten Schwangeren herrscht Skepsis gegenüber Paul (Louis-Ronan Choisy), zumal seine Familie sie vor ihrem Rückzug aufs Land zum Schwangerschaftsabbruch nötigt. Im Laufe der Handlung kommen sich die Charaktere näher, bis sie im Bett landen. Ozon ist weit davon entfernt, diese "Liebesszene" als image choc zu inszenieren, auch wenn sie sicherlich neben vielen anderen Momenten dieses eindrücklichen Films im Gedächtnis haften bleiben wird. Es sei nicht die Begegnung zweier Liebenden, erst Recht kein rein sexueller Akt, der Mousse und Paul verbindet, äußerte Ozon im Interview. Vielmehr bestehe etwas Zärtliches zwischen diesen Figuren, die jenseits von Liebe und Erotik angesiedelt ist.

Von einer Zärtlichkeit ist auch die Darstellung werdenden Lebens gekennzeichnet. Ozon sei laut eigenen Angaben von der Schwangerschaft fasziniert und wollte dieses Mysterium schon immer zum Mittelpunkt eines Films machen. Erst als er von der Schwangerschaft Isabelle Carrés erfuhr, konnte er dieses Vorhaben umsetzen. Der Bauch der Darstellerin spielt denn auch eine wichtige Rolle. Ozon versäumt keinen Augenblick, um ihn ins Licht zu rücken. Dabei wahrt er durchaus Anstand, rückt ihm nicht zu nahe und belässt ihm die Poesie und das Mysterium, als den Ozon ihn wahrnimmt. Zudem weicht er vom üblichen Schwangerschaftsbild sichtlich ab. Für Mousse bedeutet das Ungeborene in erster Linie die Bewahrung der Erinnerung an ihren verstorbenen Freund und ist Teil der Trauerbewältigung. Sie instrumentalisiert es für ihre Selbstfindung. In dieses Interpretationsschema lässt sich auch Paul stecken. Auch er ist keineswegs ein gemachter Mensch und benutzt Mousse, ihr Baby sowie die ländliche Abgeschiedenheit, um seinen Bruder, zu dem er ein gespanntes Verhältnis hatte, endlich loszulassen.

Das alles wird von Ozon in langen, ruhigen Einstellungen in Szene gesetzt. Zu Hilfe kommt ihm dabei die HD-Kamera, durch die die Aufnahmen eine große Natürlichkeit und Wärme ausstrahlen. Es gibt kaum filmische Tricks, die sich zwischen den Zuschauer und den Charakteren drängt. Dieses ästhetische Konzept spiegelt sich auch im dramaturgischen Ideal des Regisseurs wieder, der beim Schreiben "sofort zum Essentiellen" vordringt, "ohne Filter" und die "üblichen Drehbuch-Zwischenstufen" (Ozon). Das alles erinnert auffällig an die Ästhetik der "Dogma"-Regisseure. Und doch setzt sich "Rückkehr ans Meer" in seiner natürlichen und klassischen Bildsprache von der Wildheit etwa von Thomas Vinterbergs "Das Fest" oder von Lars von Triers "Idioten" ab.

Willy Flemmer/Filmreporter.de

Rückkehr ans Meer

Bewertung

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