Feature

Die unbarmherzigen Schwestern
Um Himmels Willen

Peiniger im Namen Gottes

Magdalenen-Heime - der Name klingt nach Fürsorge und Barmherzigkeit. Doch das Gegenteil ist der Fall. Bis 1961 führten Nonnen des Magdalenenordens in Irland katholische Stifte, in denen insgesamt etwa 30.000 "gefallene Mädchen" im Namen Gottes ausgebeutet, gedemütigt und unter härtesten Bedingungen als Sklavinnen zu unentgeltlicher Arbeit gezwungen wurden. Als 'gefallen' galt eine junge Frau dann, wenn sie vergewaltigt wurde, ein uneheliches Kind erwartete oder einfach zu hübsch, hässlich, dumm oder intelligent für die erzkonservative irische Gesellschaft war.
Von  Susanne Wess/Filmreporter.de,  2. Januar 2003

Szene aus: Die unbarmherzigen Schwestern

Szene aus: Die unbarmherzigen Schwestern

Schauspieler und Regisseur Peter Mullan war erschüttert, als er auf Channel 4 die Doku "Sex in a Cold Climate" über die mittelalterlichen Zustände der katholischen Mädchenerziehungsanstalten sah. Er wollte das Thema mit einem Film an die Öffentlichkeit bringen, der auf wahren Begebenheiten basierte. Die Kirche reagierte ablehnend auf Mullans Anfragen - er prallte gegen eine Mauer des Schweigens.

Der Einfluss des Klerus wirkte sich auch auf andere Bereiche aus. So druckten irische Zeitungen Annoncen nicht ab, in denen Mullan nach Zeitzeugen suchte. Auch finanziell gab es vor Drehbeginn einige Hürden zu bewältigen. Zwei Jahre war Mullans Produzentin unterwegs, um die Gelder aufzutreiben. Als die Finanzen geregelt und Zeitzeugen gefunden waren, setzte sich Mullan an den Schreibtisch und verfasste das Drehbuch.

Szene aus: Die unbarmherzigen Schwestern

Szene aus: Die unbarmherzigen Schwestern

Die Leidenswege vierer Mädchen dienten als Grundlage seines Plots. Er griff die Geschichte von Rose, Bernadette, Margaret und der geistig zurückgebliebenen Crispina auf. Sie alle haben sich in den Augen der Kirche versündigt, sollten ihre Seelen und nicht zuletzt die Kleidung von Nonnen und Priestern reinwaschen. Die Arbeitszeit betrug 364 Tage im Jahr - Lohn Fehlanzeige!

Während Rose wegen eines unehelichen Babys in das Stift kam, war Margaret durch eine Vergewaltigung zum Schandfleck ihrer Familie geworden. Bernadette war einfach nur hübsch - ihre Unbeflecktheit schien Eltern und Kirche dadurch gefährdet. Dass es der Gemeindepriester mit der Keuschheit selbst nicht so genau nahm und Crispina gerne zur oralen Befriedigung missbrauchte, wurde unter die weiten, heiligen Gewänder gekehrt. Als das Vergehen des Geistlichen ans Tageslicht zu kommen drohte, brachte man Crispina in eine Irrenanstalt, wo sie sich zu Tode hungerte und im Alter von 24 Jahren starb.

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