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Feature

Harry Potter und der Halbblutprinz
Ist der Film zu retten?

Kampf den Piraten!

Die Zuschauer in der Schlange der Kinokasse freuen sich auf "Harry Potter und der Halbblutprinz". Harry, Hermine und Ron stürzen dank Pubertät und Liebestrank ins Gefühlschaos. Ein idealer Film für ein erstes Rendezvous, denken sich die Teenager Mark und Christine. Sie suchen ein Platz in der letzten Reihe, weil sie sich hier ungestört wähnen. Sind sie wirklich ungestört? In diesem Punkt irren sich unsere fiktiven Kinobesucher vielleicht, denn sie könnten während der Vorführung mit Nachtsichtgeräten beobachtet werden. Dabei geht's nicht darum, die Teenager beim Knutschen zu erwischen, beobachtet werden sie, um das Mitschneiden des Films zu verhindern.


Jeder Zuschauer gilt als potentieller Pirat

Jeder Zuschauer gilt als potentieller Pirat

USA: Der gläserne Kinobesucher

Während diese Methode in Deutschland nicht nur bei Datenschützern für Aufregung sorgte, ist man in den USA schon einen Schritt weiter. Jeder Zuschauer gilt hier als potentieller Pirat. Er könnte ja einen Camcorder ins Kino schleusen, den Film mitschneiden und anschließend ins Internet stellen. Kinobesucher müssen sich bei der Platzreservierung an der Kasse mit ihren persönlichen Daten registrieren lassen. Die Motion Picture Association of America (MPAA) plant zudem die Einführung eines digitalen Wasserzeichens in der Audiospur. Damit kann sogar nachvollzogen werden, von welchem Sitzplatz aus der Pirat seine Beute gemacht hat. Vielleicht wird dem Zuschauer im Saal ein spannenderes Spektakel geboten, als auf der Leinwand. Das kann für ihn außerdem noch lukrativ werden. Wer einen Filmpiraten erwischt und den Vorfall sofort meldet, bekommt von den Kinobetreibern 500 Dollar Belohnung. Der Erwischte wird noch im Saal verhaftet.


Totale Überwachung des Kinopublikums

Totale Überwachung des Kinopublikums

Immer mehr Überwachung?

Werden sich in Deutschlands Kinos bald ähnliche Szenarien abspielen? Muss der Zuschauer sich auch bei uns permanent beobachtet fühlen? Gehört der romantische Kinoabend zu zweit mit ungestörtem Händchenhalten in der letzten Reihe endgültig zur Vergangenheit? Die Meinungen über Überwachungspraktiken sind bei Kinobetreibern und den Verleihern gespalten. Cinemaxx-Sprecher Arne Schmidt hält im Gespräch mit Filmreporter.de wenig von der Videoüberwachung seines Publikums, da es seiner Ansicht nach zu teuer ist. Seiner Meinung nach ist es ausreichend, den Saal von Mitarbeitern während eines Films beobachten zu lassen - ohne technische Hilfsmittel. Verständnis für Warners Methode äußert Friedrich Radmann von der Constantin AG gegenüber Filmreporter.de. Die ersten Spielwochen eines Films seien eben entscheidend für seinen wirtschaftlichen Erfolg. Deswegen sei es notwendig, gerade beim Start weitreichende Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, um ein illegales Mitschneiden und Verbreiten im Internet zu verhindern. Jedoch sollten die Zuschauer vor dem Kauf einer Eintrittskarte "eindeutig auf die Überwachungsmaßnahmen hingewiesen werden". Ähnlich hat auch das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt im Oktober 2009 in einem Fall entschieden. Der Zuschauer soll sich frei entscheiden können, ob er die Beobachtung in der Dunkelheit in Kauf nehmen will.


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