© Alamode Filmverleih
"Die Liebesfälscher" ist ein kleines Wunderwerk des zeitgenössischen Kinos. Wunderwerk deshalb, weil es Abbas Kiarostami meisterhaft gelingt, Einfachheit und Komplexität in der Balance zu halten und dabei feinfühlig, wie man es von ihm gewohnt ist, von den einfachen und komplizierten Dingen zu erzählen. Der Film handelt von der Sinnlichkeit und der Poesie des Lebens und ist dabei selber sinnlich und poetisch, um in einem weiteren Schritt wieder unbestimmt und undurchschaubar zu werden und den Zuschauer bis zuletzt zu irritieren.
© Rufus F. Folkks/Ricore Text
Abbas Kiarostami wurde in Venedig ausgezeichnet
Indem Kiarostami zwei Intellektuelle auf eine Reise im mehrfachen Sinne schickt, um sie über das Leben, die Liebe und die Kunst debattieren zu lassen, dominiert naturgemäß das Wort. So etwas wie eine Handlung lässt sich in "Die Liebesfälscher" kaum ausmachen, sie beschränkt sich allenfalls auf die Bewegung der Protagonisten von einem Ort zum nächsten. Dabei versteht Kiarostami seine Schauplätze nicht als touristische Sehenswürdigkeiten, im Rahmen der Geschichte dienen sie als Folie für den Diskurs der Protagonisten und werden dramaturgisch immer wieder mit den Themen des Films verknüpft.
Trotz der fehlenden Handlungsstränge lässt der Film keine Langeweile aufkommen. Sicher mag das an den zeitlosen Themen des Films liegen. Neben komplexen Fragen, die ans Kunsttheoretische und Existenzphilosophische reichen, handelt der "Die Liebesfälscher" auch von dem tausendfach erzählten Stoff der Liebe und dem ewigen Kampf der Geschlechter. So auch, wenn es darum geht, den schwierigen Weg des Miteinanders auszubalancieren. Dabei verharrt Kiarostami nicht im Individuellen. Er geht ins Typische, macht Bilder transparent, die ans Zeitlose rühren - indem er männliche und weibliche Standpunkte zu den angesprochenen Themen deutlich werden lässt.
© Alamode Filmverleih
William Shimell und Juliette Binoche in "Die Liebesfälscher"
Dass "Die Liebesfälscher" bis zuletzt nichts von seiner Spannung verliert, liegt auch und vor allem an der unprätentiösen und einfachen Art, mit der sich Kiarostami dem Stoff nähert. "Boy meets girl" - zum Kino braucht es nicht mehr als einen Mann, eine Frau und eine Kamera, die ihr ständiges Mit- und Gegeneinander beobachtet. Das ist eine Botschaft, die von "Die Liebesfälscher" ausgeht. Es ist auch eine Liebeserklärung an das reine Kino und zugleich Absage an das der Gigantomanie und Technik erlegene Mainstream-Kino der Gegenwart.
Wie in Michelangelo Antonionis "Die Nacht" oder Roberto Rossellinis "Reise in Italien", an die Kiarostami motivisch und formal anknüpft, ist die Kamera hier ständiger Begleiter der Figuren. So sehr man sich mit dem Gesprächsstoff der Frau und des Mannes identifizieren kann, so poetisch und sinnlich ist die Aktion der Kamera. Das Natürliche und Unprätentiöse von "Die Liebesfälscher" verdankt sich zum großen Teil der Wahrhaftigkeit seiner Bilder.
In Abbas Kiarostamis "Die Liebesfälscher" treffen ein Intellektueller und eine Kunstkennerin zusammen, die nichts anderes tun, als über das Leben, die Kunst und die Liebe zu debattieren.... mehr
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