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Back to the roots
Sönke Wortmanns Hochzeitsvideo
Mit "
Das Wunder von Bern" und "
Die Päpstin" hat sich
Sönke Wortmann als versierter Handwerker des deutschen Kinos erwiesen, der auch vor prestigeträchtigen Großprojekten nicht zurückschreckt. Nun ist er mit "
Das Hochzeitsvideo" zu seinen komödiantischen Wurzeln zurückgekehrt. Die Komödie will sich formal innovativ geben, bleibt jedoch in den Ansätzen stecken, da Wortmann der Mut auf halber Strecke verlassen hat.
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Das Hochzeitsvideo
Gegensätze ziehen sich an
Pia (
Lisa Bitter) und Sebastian (
Marian Kindermann) sind erst wenige Monate zusammen. Trotzdem wissen sie, dass sie für einander bestimmt sind, nicht erst seit ihrem gemeinsamen Urlaub in Portugal, von dem sie fast alles auf ihrem Smartphone festgehalten haben. Dabei könnten die spontane und abenteuerlustige junge Frau aus einfachen Verhältnissen und der ruhige, sortierte Pilot aus reichem Elternhause unterschiedlicher nicht sein.
Ihre Beziehung ist nicht so harmonisch, wie es scheint. Dass Pia mit einem Pornodarsteller zusammen war, hat sie ihrem Verlobten verschwiegen. Nun taucht Carlos, die Keule (
Simon Eckert) ausgerechnet auf ihrer Hochzeit auf. Um Eifersüchteleien vorzubeugen, erzählt Pia Sebastian, dass es sich um einen guten Freund handele. Sebastian glaubt die Lüge und lässt sich mit Carlos während des Junggesellen-Abschieds auf eine heiße Party ein. Das wiederum provoziert den Ärger Pias, als sie am nächsten Morgen eine Striptease-Tänzerin in Sebastians Schlafzimmer vorfindet.
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Martin Aselmann in "Das Hochzeitsvideo"
Hauptdarsteller Kamera?
Es ist sinnvoll, sich Sönke Wortmanns "Das Hochzeitsvideo" weniger über den Inhalt als über seine Machart zu nähern. Inhaltlich hat die Komödie über ein junges Paar, das bis zur Hochzeit so manche Krise ausstehen muss, wenig Originelles zu bieten. Formal wagt Wortmann dagegen mehr. Heimlicher Hauptdarsteller des Films ist nicht das Hochzeitpaar, sondern die Kameras, mit der das Fest von den vorausgehenden Ritualen bis zur Vermählung festgehalten werden. Bemerkenswert ist dabei Wortmanns Entscheidung, 'seinen' Film überwiegend aus Sicht der Hochzeitsfilmer zu zeigen. Anders als die found-footage-Filme im Horrorgenre, an die er sich mit diesem Konzept anlehnt, gibt Wortmann jedoch nicht vor, das Material vorgefunden zu haben, um es dem Zuschauer quasi unbearbeitet zu präsentieren. Seine Komödie geht einen weniger radikalen Weg als "
Blair Witch Project", "
[•REC]" und "
Cloverfield".
Das bewahrt Wortmann nicht davor, in die Genre-typischen Fallen zu treten. So kommt auch hier dem gewollten Spontanen, Unmittelbaren und Authentischen die Notwendigkeit der Dramaturgie zwangsläufig in die Quere. Auch Wortmanns Komödie ist eine geraffte Erzählung, die eingeleitet und ausgeführt werden muss, deren Charaktere charakterisiert und Konflikte geschürt werden müssen. Wenn dies im Rahmen des Rohen und Ungeschliffenen wie im Footage-Konzept stattfindet, prallen zwei ästhetische Anschauungen zusammen, die nicht zusammenpassen.
Auch muss "Das Hochzeitsvideo" gegen eine andere Schwäche des Genres ankämpfen: die Unglaubwürdigkeit nämlich, die mit der Prämisse einhergeht, dass der Kameramann sein Werkzeug selbst bei den unmöglichsten Situationen nicht aus den Händen legt. Nichts soll dem Blick der Kamera entgehen - das ist nicht die Motivation des Amateurfilmers, sondern die des Regisseurs Wortmann, oder besser: seines fiktiven Erzählers, der es nicht sein lassen kann, ein klassischer Erzähler zu sein.