RSS SUCHE
KINOPROGRAMM LOGIN
Feature
Scarlett Johansson, Jonathan Rhys-Meyers in: Match Point
Moderne Parabel einer Gradwanderung

Woody Allens Märchenstunde

Dies ist ein düsteres Märchen über einen armen Prinzen, der in die britische gehobene Gesellschaft aufsteigt, einen großen Preis dafür bezahlt und erkennen muss: "Es ist besser Glück zu haben, als begabt zu sein". Nur einem Regisseur wie Woody Allen gelingt es ein derart komplexes Gesellschafts- und Liebeskomödiendrama wie "Match Point" in einen Thriller zu verwandeln, der alles andere als vorhersehbar ist!


Scarlett Johansson und Jonathan Rhys-Meyers üben den richtigen Schlag...

Scarlett Johansson und Jonathan Rhys-Meyers üben den richtigen Schlag...

Dabei fängt alles so leicht und harmlos an. Der junge Ire und Ex-Profitennisspieler Chris Wilton - meisterhaft gespielt von Jonathan Rhys-Meyers - verdient sich sein Geld als Tennislehrer. Außerdem liest er Dostojewski, interessiert sich für die Oper. Der junge Mann arbeitet nicht in irgendeinem Verein, sondern in einem Club, in dem die High Society von London verkehrt. Schnell freundet er sich mit dem Aristokratensohn Tom Hewett (Matthew Goode) an und lernt so auch dessen Schwester Chloe (Emily Mortimer) sowie Toms Verlobte Nola Rice (Scarlett Johansson) kennen. Obwohl er sich gleich bei der ersten Begegnung eng mit Nola verbunden fühlt, beide sind Fremde in England und kommen aus normalen Verhältnissen, baut er die Beziehung zu Chloe immer weiter aus. Dabei verliert er Nola jedoch nie ganz aus den Augen.

Der junge Aufsteiger Chris sieht sich in Allens neustem Werk jedoch nicht nur mit Glück und günstigen Zufällen konfrontiert. Er muss sich auch mit moralischen Fragen und dem Schicksal auseinander setzten. Tom hat in seinem Leben nur ein Ziel: Er will den sozialen Aufstieg. Doch das will er mit seiner Arbeit erreichen und nicht als jemand, der sich einschleicht. Er geht er einen klaren Weg. Er weiß genau was er will und beschützt seine Interessen mit aller Konsequenz. Geld, Luxus und gesellschaftliche Anerkennung stehen hier einer freien, ungezwungenen Leidenschaft gegenüber.


Woody Allen mit Scarlett Johansson am Set von Match Point

Woody Allen mit Scarlett Johansson am Set von Match Point

Obwohl die Geschichte immer düsterer wird, ist es für Woody Allen ein Film über das Glück und "die Widersprüche von Ehrgeiz und Leidenschaft. Auch über die Straflosigkeit. Ich bin persönlich kein Zyniker, aber es ist klar, dass es einen gewissen Zynismus in der Gesellschaft gibt und dass jedermann sich eines Tages Gedanken über die Ungerechtigkeit, über unbestrafte - sogar belohnte- Verbrechen machen sollte." In Allens 39. Spielfilm gibt es Altbekanntes, aber auch viel Neues. Zum ersten Mal drehte er einen ganzen Film außerhalb von New York und die englische Luft hat ihm wohl so gut getan, dass er auch erwägt den nächsten Film dort zu drehen. Alle seine Darsteller sind mit Ausnahme der Amerikanerin Scarlett Johansson und dem Iren Jonathan Rhys-Meyers Briten. Wer aber wieder leichten Jazz zur Untermalung erwartet, wird von italienischer Opernmusik mit knisternder LP-Akustik überrascht. Doch wie bei seinen früheren Werken bleibt Allen den Originalschauplätzen treu und man kann London, diese wunderschöne Stadt an der Themse, mindestens genauso lebhaft und innovativ wie Allens geliebtes New York, in fast jeder Einstellung bewundern.

Mit "Match Point" beweist Allen erneut, dass er ein genauer Beobachter menschlicher Existenzen ist. Es schafft es anschaulich und mit erschreckender Komik, ein authentisches, wie auch erfinderisches Bild, voller Sarkasmus, der britischen Upper Class der Gegenwart zu zeichnen. Dabei bricht er nicht nur Genreregeln, er inszeniert auch gegen die Erwartungen des Mainstreampublikums ein tiefgründiges Gesellschafts-Spiel, das nahezu alle Facetten eines menschlicher Charaktere widerspiegelt. Nur so gelingt es ihm, seine Zuschauer am Ende derart zu überraschen. Er verliert weder den Ball auf dem Tennisnetz aus der Eingangsszene aus den Augen, welcher sich symbolisch und konsequent durch den ganzen Film zeiht noch seine Geschichte, ein rundum gelungener Woody Allen!

Heike Maleschka/Filmreporter.de - 18. Dezember 2005

Zum Thema

Filmplakat zu Match Point

Match Point

Wenn ein Tennisball zu einer Metapher für den Zufall im Leben wird, überrascht es nicht, dass Woody Allen hinter dem Projekt steckt. Und der Stadtneurotiker ist dem Big Apple untreu geworden. Die... mehr


Porträt zu Woody Allen

Woody Allen

Darsteller, Regisseur, Drehbuch, Produzent, Musik

Porträt >>

Porträt zu Jonathan Rhys Meyers

Jonathan Rhys Meyers

Darsteller

Porträt >>

Porträt zu Scarlett Johansson

Scarlett Johansson

Darstellerin, Regisseur

Porträt >>

Weitere Kritiken

Vincent Cassel als Jaques Mesrine

Medienliebling Jacques Mesrine

Wie verfilmt man die Geschichte eines Mannes, der zu Lebzeiten einen zweifelhaften, aber legendären Ruf erlangt? Der sich selbst zu insgesamt 39 Verbrechen bekennt. Darunter... weiter


Isal Fisher in "Shopaholic - Die Schnäppchenjägerin"

Prada, Gucci und Versace

Wissen Sie, welche Kleidermarke Sie heute tragen oder wie viele Schuhe in Ihrem Schrank stehen? Nein? Sie sollten sich wirklich besser informieren. So wie die angehende... weiter


Steve Martin und Emily Mortimer in "Der rosarote Panther 2"

Trotteliger Panther

Komiker Steve Martin gibt in "Der rosarote Panther 2" erneut den trotteligen Inspektor Jacques Clouseau. Der soll wieder einen Diamanten namens "Der rosarote Panther"... weiter

Amazon

Bücher, DVDs oder das neue Heimkino für Ihren Filmgenuss
Werben auf Filmreporter.de
FILMREPORTER WEB-TV
© 2010 Filmreporter.de