In Produktion

Kellan Lutz, Spencer Locke und Reinhard Klooss beim Photocall von

© Stefan Huhn/Ricore Text

Motion-Capture-Produktion in München

Tarzan wird animiert


05. Jun 2012:  In den Bavaria Filmstudios in München wird derzeit eine neue Verfilmung von Edgar Rice Burroughs' "Tarzan" realisiert. Beim Pressetermin am heutigen 5. Juni 2012 stellten Regisseur Reinhard Klooss und Constantin-Vorstand Martin Moszkowicz den Computeranimierten Film vor.

Aufwändige Kulissen sucht man im Studio 20 in der Bavaria Filmstadt vergeblich. Ein Stuntman im engen schwarzen Anzug voller Motion-Capture-Marker turnt zwischen rudimentären Gerüsten herum. Fast 60 Kameras nehmen das Geschehen auf. Eine weitere filmt die Mimik der Schauspieler. Die Affendarsteller trainierten wochenlang mit einem Choreographen, sich wie richtige Gorillas zu bewegen. Diese Aufnahmen dienen anschließend 110 Animatoren als Grundlage für die Computeranimierten Figuren im Film.

Für die Schauspieler, die den animierten Charakteren Mimik und Gestik verleihen, hat das Verfahren ein paar angenehme Nebeneffekte. Tarzan-Darsteller Kellan Lutz fühle sich bei den Dreharbeiten in seine Kindheit zurückversetzt, wie er während der Pressekonferenz erzählt. Vorstellungskraft spiele eine große Rolle, um das karge Set zum Leben zu erwecken. Bei den Dreharbeiten fühle er sich wie auf einem Abenteuerspielplatz. Auch das Wegfallen von Garderobe und Make-Up empfinde er als sehr angenehm. Die Größe der Produktion sei ihm trotz des spartanischen Sets bewusst.

'Wir haben hier das bisher drittgrößte Motion-Capture-Volumen weltweit und das größte in Europa', sagt Regisseur und Drehbuchautor Reinhard Klooss. Ziel sei es, den Animationsfilm möglichst realistisch erscheinen zu lassen. Noch ist von diesem Anspruch wenig zu sehen. Die ersten Szenen zeigen eine Parcours-Kletterpassage, die eher an Computerspiele wie "Assassin's Creed" oder "Mirror's Edge" erinnert.

'Wir sind noch längst nicht im finalen Stadium', erläutert Klooss. Erst in etwa 14 Monaten soll der Film fertig sein. Das Endprodukt wird aus vielen verschiedenen Layers beziehungsweise Schichten zusammengesetzt. Derzeit fehlen zum Beispiel noch Layers für Dunst und Regen. Auch die Gesichtsanimationen sind in den gezeigten Szenen noch nicht zu sehen.

Die Animationsrechte an dem Stoff konnte sich Constantin sichern, nachdem Disney den Vertrag mit der Stifung der Edgar Rice Burroughs-Erben nicht verlängerte. Die Rechte für eine Realverfilmung liegen bei Warner, wo derzeit ebenfalls an einem neuen Tarzan-Film gearbeitet wird.

Um das Projekt von den über 100 bisherigen Tarzan-Filmen abzusetzen, verlegte Klooss die Handlung in die heutige Zeit. Aus dem britischen Lord Greystroke machte er einen amerikanischen Unternehmer. Die Dschungel-Optik basiert auf Recherchen und Aufnahmen in Uganda, Ruanda und dem Kongo. Die Welt solle aber magisch überhöht sein, sagt Klooss. 'Bei uns sind die Bäume 100 Meter hoch und die Wasserfälle 1.000 Meter tief.'

Ins Kino soll der Film in der zweiten Jahreshälfte 2013 kommen. International sind fast überall Verleiher gefunden. Für die USA laufen die Verhandlungen noch. 'Viel von dem Film ist noch nicht zu sehen, daher haben wir es nicht besonders eilig', erklärt Moszkowicz. Michael Domke/Filmreporter.de
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