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Wir sehen ein Ensemble, das sich aus mehreren Filmlegenden zusammensetzt. Jede von ihnen kreiert ihr eigenes Universum mit der Aura einer Diva. Da wird die Handlung fast zur Nebensache. Im Vorspann werden alle Namen mit einer Blume etikettiert und renommierte deutsche Darstellerinnen leihen ihnen ihre Stimme. Nachdem bei der Aufklärung eines Tötungsdeliktes fast alle Mädels verdächtig waren (inklusive Omas Geständnis, Danielle Darieux), läuft der Plot noch über einen möglicherweise inszenierten Mord (Ludivine Sagnier) bis hin zu einer dritten endgültigen Lösung. Die Mördersuche ist gewürzt mit persönlichen Gehässigkeiten und gegenseitigen Beschuldigungen. Es geht turbulent zu bis hin zu Handgreiflichkeiten im griechisch-römischen Stil. Das hässliche Entlein Augustine (Isabelle Huppert) wandelt sich zur Diva, zwei der Mädels (Deneuve, Ardant) haben den gleichen Liebhaber, wobei es vorher hetero- und homoerotisch zugegangen sein muss. Das ist alles so gut gemacht, dass nicht einmal die Gesangseinlagen der Damen stören. Im Gegenteil einige davon sind gute französische Chanson Tradition. Die Schlussszene hebt die Damenriege wie am Ende einer Theateraufführung in den Olymp. Drei ragen aus dem Ensemble nochmals etwas heraus: Mutter Gaby (Catherine Deneuve) gibt die Souveräne, die Überlegene, aber auch Tragische. Sie ist schön und reich. Ihr Gegenpart Augustine (Isabelle Huppert) hier mal anders: zickig und bissig ist arm und hässlich. Dienstmädchen Louise (Emmanuelle Béart) ist diabolisch, mysteriös, frech und sexy. Großartig, ein Hochgenuss! P.S. Wer hat Romy Schneider entdeckt?
Der übliche Mainstream-Trash aus Hollywood. Hier als Werbefilm für Armee oder CIA getarnt. Eine Handvoll Profiler-Anwärter sind auf einer einsamen Insel, wo sie sich für den Job qualifizieren sollen. Im Hintergrund zieht der große Unbekannte die Mordsfäden nach dem Muster der ’10 kleinen Negerlein‘. Da die Handlung offen ist und nur dem Gesetz des Thrills folgt, gibt es jede Minute schockierende Überraschungen. Da geht es splattermäßig zu und selbst die Mumie grüßt aus dem Gruft. Die ganze Situation wird vom gegenseitigen Misstrauen getragen, was man daran erkennt, dass alle ständig mit gezogener Waffe einander bedrohen. Zwischendurch gibt es dann noch Berichte über die eigenen Schicksale mit schwerer Kindheit. Damit man die Spannung nicht vergisst, deuten immer wieder Uhren auf ein Zeitlimit hin. Das hat dann auch der deutsche Untertitel aufgenommen. Bis zum nächsten Toten beweisen die Überlebenden, was für helle Kerlchen/Mädchen sie doch sind. Drei bleiben übrig. Der nette Lucas (Jonny Lee Miller) entpuppt sich als Bösewicht, wird aber von Sara (Kathryn Morris) beim Unterwasser-Showdown besiegt. Erschossene wie Gabe (LL Cool J.) werden dann doch nicht so schwer verletzt, dass sie wieder auftauchen können. Dass der Verleih ‘Herzstillstand‘ wegen ‘unglaublicher Spannung‘ vorhersagt, ist wohl eine glatte Übertreibung. Bestenfalls bei Sensibelchen leichtes Herzklopfen.
Kultregisseur Alan Rudolph hat versucht eine Romanvorlage von Kultautor Kurt Vonnegut in Szene zu setzen. Die Exzentrizität der beiden hat sich wohl hier wie der ansteigende Verlauf einer geometrischen Kurve nach oben bewegt. Man kann den hervorragenden Darstellern zuschauen, ohne ihr Verhalten zu begreifen. Und das ist seeehr anstrengend! Das ist dann wohl die höchste Form der Groteske oder schon jenseits der Grenze von Sinnhaftigkeit. Weder lustig, noch traurig, weder ernsthaft noch schaurig. Für diese Figuren kann man nur Mitleid empfinden. Sie sind verzweifelt, einsam und durchgeknallt. Dabei wird der eine Dwayne Hoover (Schmalzlocke Bruce Willis) von den Fans angehimmelt, was aber keineswegs seine suizidalen Absichten vertreibt. Der andere, Harry Le Sabre (selten abartig Nick Nolte), schämt sich seiner transsexuellen Neigungen und der dritte im Bunde, Kilgore Trout, (als verschrobener Kauz Albert Finney), trottet als erfolgloser Schriftsteller durch eine versiffte Umwelt. Eigentlich kennt man alles, was man hier sieht, vielleicht nicht in so geballter Form und so überzeichnet durchgeknallt. Der Titel bezieht sich auf einen Martini. Das hilft ebenso wenig weiter, wie Dwaynes letzter Satz ‘Bis man tot ist, heißt es leben!‘ oder ‘Wenn man den Zug verpasst hat, isser weg!‘ Da warte ich doch lieber auf Godot. Dank der guten Darsteller ist es kein Schwachsinn, aber schwerverdauliche Kost mit sinnfreien Elementen.
Selten hat ein Regisseur das Shakespeare-Wort von der Welt als Bühne so geschickt in eine Handlung eingebunden, die z.T. auf real existierenden Charakteren beruht. Der Titel verweist auf die billigen Plätze unterm Dach des Theaters, wo das sogenannte ‘Gewöhnliche Volk‘ sitzt. Diese ‘kleinen Leute‘ stehen auch im Mittelpunkt des Films. Viele typische Figuren wie der vor Selbstbewusstsein strotzende Schauspieler (Pierre Brasseur), der Gauner und Mörder (Marcel Herrand), der ‘blinde‘ Bettler (Gaston Modot) oder der Pantomime Baptiste (Jean-Louis Barrault) tummeln sich im und um das Funambule. Sie alle umkreisen die schöne Garance (Arletty), den flatterhaften Schmetterling. Die menschlichen Dramen beinhalten Liebe, Eifersucht und Mord. Auf der Bühne wird die Realität des wahren Lebens vorweggenommen. Die Auftritte von Jean-Louis Barrault sind die Highlights des Films, seine unvergessliche Pantomime als Pierrot für die Ewigkeit. Die traurig-schöne Liebesgeschichte zwischen ihm und Garance mit dem schiwago-mässigen Ende (Baptiste ‘ertrinkt‘ in der tanzenden Volksmasse!) bekommt aber auch noch einen Nebenaspekt, in der Person von Baptistes Ehefrau Natalie (Maria Casares). Sie symbolisiert die selbstlose Liebe, Garance hingegen verkörpert den vorübergehenden Liebesrausch. Dramatischer Höhepunkt ist die parallel verlaufende Liebesnacht der beiden mit einem Mord wegen ihnen. Beides sieht man nicht. Genial, zeitlos, einfach klassisch.
Dieser Film eignet sich als Ausgangspunkt für eine Diskussionsrunde zum Thema Missbrauch. Er lässt Lücken, vermeidet so Vollständigkeit, aber stellt viele Aspekte der Betroffenen vor. Zeitgemäß ist das Internet der Anknüpfungspunkt für solche Beziehungen. Insofern ist der Film nicht einer in der endlos langen Reihe von Missbrauchsfällen. Und er unterscheidet sich von denen. So empfindet sich Tochter Annie (Liana Liberato) nicht als Opfer und bringt damit Wasser auf die Mühlen derer, die immer wieder behaupten ‘ Was regt ihr euch denn auf. Es hat ihr doch gefallen. Sie war etwas unbedarft, neugierig und bereit.‘ Manche zitieren das alte Sprichwort ‘Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.‘ Annie redet sogar von einer Seelenverwandtschaft mit dem Täter. Ihre spätere Sinneswandlung ist nachvollziehbar, der Streit der Eltern, die eigentlich beide gut geerdet und sympathisch aufgeklärt rüberkommen, bietet Diskussionsbedarf. Ebenso wie der Ausraster des Vaters beim Volleyballturnier von Annie. Die Tat in kurzen Rückblenden vor seinem geistigen Auge soll Emotionen aufheizen und seine Obsession verdeutlichen. Dass geht bis zum Lynchmord in Gedanken. Alles verständlich, auch Annies Suizidversuch. Und da es keine Lösung gibt, der Täter auch nicht gefunden wird, kann Vater (Clive Owen) am Ende nur tränenreich feststellen ‘Annie hat das Urvertrauen verloren.‘ Das stimmt, ist aber Teil des Prozesses des Erwachsenwerdens. Gut, dass wir mal drüber geredet haben…
Beim Titel wird so getan, als ob es ein Werbefilm für die Tabakindustrie sei. Ganz im Gegenteil. Doch das Geniale ist, dass es auch kein moralinsaurer, stocktrockener Anti-Raucherfilm ist. Hier steht ein Lobbyist Nick Naylor (Aaron Eckhart) im Mittelpunkt. Das Drehbuch lässt ihn äußerst eloquent erscheinen und Aaron Eckhart kommt sehr sympathisch rüber. Er ist ein echter Charmer, dem man nicht widerstehen kann. So wie z-B. die Journalistin Heather Holloway ( schon etwas reifer, aber nicht schlecht Kathie Holmes). Es werden alle erdenklichen Argumente für und gegen das Rauchen intelligent witzig ausgetauscht. Und durch die Figur des Joey Naylor, dem Sohn des Lobbyisten, bekommt das Ganze auch noch einen sehr persönlichen Touch. Und dadurch kommt man dann zum Punkt. Alle kennen die Argumente gegen das Rauchen. Das hält die Leute aber nicht davon ab, zum Glimmstängel zu greifen. So läuft es auf ein Plädoyer für den freien Willen eines freien Menschen hinaus. Und das ist auch gut so. Natürlich kommt ein pfiffiger Typ wie Naylor überall unter. Er könnte auch den Eskimos Eis verkaufen. Mit dem geistreichen Darüberstehen verfehlt der Film seine Wirkung nicht. Und man wird außerdem noch gut unterhalten. Klasse!
Die Geschichte einer Liebe in Kirgisien, die nicht sein darf. Amira (Albina Imacheva) ist bereits verheiratet und Timür (Elim Kalmouratov) ist ein aus der Fremde heimgekehrter Fischer, der seinen Platz innerhalb der Dorfgemeinschaft nicht finden kann. Mit viel Gesang und Tanz, Folklore und Wodka sehen wir ländliche Rituale und bekommen Einblicke in Bezug auf die Stellung der Frau. Gewalt in der Ehe ist nichts Ungewöhnliches. Es bleibt den Liebenden nur die Flucht, verfolgt vom Ehemann. Wer von der Gemeinschaft und dem Verwandtschaftsclan abgelehnt wird, kann nur in der Ferne vielleicht in einer Großstadt anonym überleben. Es geht durch eine Landschaft, die durch ihre raue Fremdartigkeit beeindruckt. Amira wird immer dominanter, hilft als Pferdeflüsterin aus der Klemme und ist dabei feurig wie die Steppe in der Sommerhitze. Wohin es letzten Endes geht bleibt offen. Sie versinken im Blau des Himmels. Die globale Welt erwartet die beiden, denn auch in Kirgisien hat man schon vom Internet gehört.
Wenn man den Originaltitel vervollständigen will, muss man ergänzen ‘…und damit kam Streit und Zweitracht in die Welt‘. Und das verdeutlicht der Film. Hier steht die Bardot zwischen drei Männern: sie heiratet den naiven Michel (Trintignant), liebt aber dessen Bruder Antoine (Christian Marquand) und wird vom reichen, ‘schläfengrauen‘ Curd Jürgens erwartungsvoll begehrt. Die Gesellschaft wirft ihr vor ‘faul, frech und unmoralisch‘ zu sein. BB mimt eine junge Frau, ‘die tut, was sie will und wann sie es will‘. In dieser Konsequenz stimmt das so aber nicht. Als Antoine sie am einsamen Strand vernaschen will, sagt sie erst ‘Nein‘ und tut es dann doch. (Wir sehen es aber nicht!) Überhaupt gibt sich BB hier ziemlich zugeknöpft. In den prüden 50er Jahren reichte bereits ihr hüftenschwingender, aufreizender Gang, ein laszives Räkeln in der Brandung oder ein wilder Veitstanz. Und sie zieht sich auch vor dem Ehemann aus, ohne etwas zu zeigen. Die Bardot soll eine Frau sein, die nur Unglück bringt und dabei ständig unglücklich ist. Den Schluss hat Ehemann und Regisseur Vadim wohl für sich selbst geschrieben: ein paar Ohrfeigen bringen sie wieder zur Vernunft und sie trabt brav mit Michel nach Hause. Als Lösung für den Kopf etwas zweifelhaft, für den Bauch dagegen wohltuend. Es ist nicht BBs bester Film!
Ein Vater-Tochter Drama vor politischem Hintergrund. Ein Vater bietet einem Diktator (Tomas Milian), den seltsamerweise alle ‘Chief‘ nennen, seine Tochter Uranita (Stephanie Leonidas) an, um zu überleben. In Rückblenden wird das Drama erzählt, das 30 Jahre zurückliegt. Das Zusammentreffen der beiden nach so langer Zeit zeigt welche Spuren das Ereignis hinterlassen hat. Die Tochter (Isabelle Rossellini) ist immer noch traumatisiert und unverheiratet geblieben, ihr Vater (Paul Freeman) kann nicht sprechen und sitzt gelähmt im Rollstuhl. Der grausame Umgang mit Dissidenten wird ebenso gezeigt, wie die Möglichkeit eines schnellen Aufstiegs für besonders erfüllungsbereite Schergen. Dem ‘Chief‘ geht es außer um junge Mädchen noch um Ordnung und Frieden. ‘Und bezahlt wird mit Blut! ‘, sagt er. Die Untat selber wird zwar ausführlich, aber eher abstoßend ins Bild gesetzt. Man spürt die Angst von Uranita, sowie den Ekel vor dem geilen alten ‘Bock‘. Heute kann sich der Vater nicht mehr entschuldigen und Urania kann ihm nicht verzeihen. Man kann den Übeltäter nur umbringen. Auch die Ausreden und Entschuldigungen der Verwandten werden vorgebracht. Hier werden die Emotionen angesprochen nicht so sehr die Spannung. Die menschliche Tragik eines unverzeihlichen Verbrechens egal aus welchen Motiven heraus es begangen wurde.
Dieser Thriller der Extraklasse vom Altmeister Sam Peckinpah ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Sein klassischer Aufbau ist für die Spannung wie Öl für ein Feuer. Nach der Vorstellung aller 4 Beteiligten in ihrem sozialen Umfeld kommt es zum jährlichen Treffen der Freunde (siehe Titel!) und ihrer Frauen. Menschliche Schwächen werden sichtbar, versteckte Drohungen ausgesprochen, es kommt zu ersten Handgreiflichkeiten. Was als lockere Gartenparty begann, geht jetzt spannungsmäßig besser ab als Schmitts besagte Katze. Der zweite bemerkenswerte Grund sind die völlig unerwarteten überraschenden Wendungen, die von total verschiedenen Bereichen herrühren. Zunächst meint man ein berühmt berüchtigter Fernsehmoderator (Rutger Hauer) will Max Danforth (Burt Lancaster) dem CIA Boss in die Suppe spucken, indem er ihm Machtmissbrauch und Vorteilsnahme nachweist. Dann geht die Entwicklung in Richtung Auseinandersetzung KGB und CIA, also ein typisches Thema des Kalten Krieges mit Spionageabwehr und der Maxime ‘Die Wahrheit ist eine nicht aufgedeckte Lüge‘ und schließlich entlarvt der CIA Mitarbeiter Fassett (John Hurt) Danforth vor laufenden Kameras aus persönlicher Rache als Mörder an seiner Frau. Er zahlt dafür einen hohen Preis. Und was wäre ein echter Peckinpah ohne wilde Verfolgungsjagden und spektakuläre Crashs. Ein Pool brennt! Der anfangs gezeigte Mord wird erst am Ende aufgeklärt. Kein bisschen angestaubt, nur etwas dunkel, vom leisen Knistern über turmhohe Flammen zum entwaffnend dualistischen Inferno.