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RETRO News

"Der Spiegel" vom 18.11.1953
Zur Kasse gebeten

Franziska Gaal verklagt Luxushotel

Die Schauspielerin Franziska Gaal hat das Waldorf-Astoria Hotel in New York zweckvoll verklagt. Wie der Spiegel am 11. November 1953 berichtet, setzte der ungarische Star des Zwischenkriegsfilms vor dem Obersten Gerichtshof der USA einen Anspruch auf 17.375 Dollar durch. Das feudale Hotel hatte einige Jahre zuvor ihr gesamtes Hab und Gut für einen guten Zweck versteigert.


Schlechtes Geschäft für das Hotel

Als Franziska Gaal 1939 zu ihrer kranken Mutter nach Ungarn reisen wollte, deponierte sie fünfzehn Reisekoffer mit persönlichem Zubehör im aristokratischen Hotel. Da sie wegen des Krieges in Europa festgehalten wurde, konnte sie erst Jahre später nach Amerika zurückkehren. Nachdem sie 1947 ihr Besitztum zurückforderte, erlebte die 46-Jährige eine böse Überraschung. Die Direktion des Waldorf-Astorias teilte der schockierten Dame unter Bedauern mit, dass man ihr Gepäck als herrenloses Gut für 193,50 Dollar versteigert habe. Die ehemalige Leinwandgröße fand das gar nicht lustig und leitete rechtliche Schritte ein.

Erst dieser Tage konnte der Oberste Gerichtshof der beraubten Dame Recht zu sprechen und ihr eine Entschädigung im oben genannten Rahmen anbieten. Ob die gebürtige Ungarin noch einmal einen Fuß in das amerikanische Luxushotel setzen wird, steht in den Sternen.


Ein harter Weg

Franziska Gaal war das dreizehnte Kind einer jüdischen Familie und machte nach dem Ersten Weltkrieg als Schauspielerin und Sängerin Karriere. Sie spielte und sang an deutschen Theatern, bis sie Ende der 1920er Jahre ihren ersten Auftritt am Broadway in New York hatte. Von da an ging es aufwärts. 1932 holte sie ihr Freund, der UFA-Produzent Joe Pasternak nach Berlin zum Film. Dort drehte sie die erfolgreichen Verwechslungskomödien "Paprika" (1932) und "Gruß und Kuß Veronika" (1933) an der Seite von Paul Hörbiger.

Nach der Machtübernahme Hitlers wirkte sie lediglich in österreichischen und ungarischen Produktionen mit. Noch vor Ausbruch des Krieges emigrierte die Jüdin in die USA, wo sie einige Rollen übernahm. 1939 kehrte sie nach Ungarn zurück, um ihre kranke Mutter zu besuchen. Dort versteckte sie sich lange Zeit vor dem Holocaust, bevor sie Jahre später wieder nach New York zurückkehrte.

Belinda Grimm/Filmreporter.de - 9. Februar 2012

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