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Schweizer Nationalheld auf Leinwand
Hans Marr ist Wilhelm Tell
Wer kennt nicht die sagenhafte Legende des Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell? Er stellt sich gegen die Schikane des Vogts Gessler und behält im richtigen Moment die Nerven - ein Ausbund an Zivilcourage. Der Stoff fasziniert seit Jahrhunderten und wurde bisher zwei Mal verfilmt. Das letzte Mal 1923, als sich die Regisseure
Rudolf Dworsky und
Rudolf Walther-Fein an den historischen Stoff wagten. Schon damals verkörperte
Hans Marr Wilhelm Tell und
Conrad Veidt dessen Widersacher Gessler. Die
Filmwelt nimmt "
Wilhelm Tell - Das Freiheitsdrama eines Volkes" in ihrer Januar-Ausgabe 1934 unter die Lupe.
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Maly Delschaft als Barbara
Des Films eigene Gesetze
Seit Jahrhunderten beschäftigen sich unzählige Texte mit der Gestalt des Wilhelm Tell. Endgültig geadelt wurde der Schweizer durch den deutschen Schriftsteller
Friedrich Schiller, der dem mutigen Mann sein berühmtes Drama widmete. Dieser Gedankenflug Schillers beeinflusste
Heinz Pauls filmische Adaption am meisten. Der Film konnte dem Meister aber nicht in Allem folgen, zu unterschiedlich sind die Gesetzmäßigkeiten des Mediums.
So fielen einige Personen wie Attinghausen, Rudenz und Bertha der Schere zum Opfer, um die Parteien von Bauern und Rittern, Einheimischen und Fremdlingen klarer voneinander zu trennen - eine Reduktion an Komplexität also. Zudem ist der Film recht wortkarg geraten. Aber wie könnte man auch mit der kunstvollen dialektischen Komposition Schillers mithalten?
Ein weiterer Unterschied liegt in der Gewichtung der Vater-Sohn-Beziehung. Dieser wird im Film eine verhältnismäßig große Rolle eingeräumt. Um Walter ein gutes Vaterland zu schaffen, beseitigt Tell den garstigen Vogt, nicht vorrangig, um sein Volk zu befreien.
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Hans Marr und Emmy Sonnemann
Vorbild wird Feindbild
Heinz Pauls "
Wilhelm Tell - Das Freiheitsdrama eines Volkes" aus dem Jahr 1934 hatte nichts mit dem Freiheitskampf gemein, wie ihn
Friedrich Schiller schildert. Produziert wurde der Film in den Studios der Terra Film AG, die das Freiheitsstück in einen NS-Propagandafilm umwandelte. So ist auch Emmy Sonnemann, die später
Hermann Göring heiratete, in einer Rolle zu sehen.
Im Laufe seiner Karriere drehte Paul weitere Filme, die im Nationalsozialismus als "staatspolitisch wertvoll" eingestuft wurden.
Adolf Hitler hatte in jungen Jahren eine große Affinität für
Friedrich Schillers "Wilhelm Tell". Im achten Kapitel von "Mein Kampf" zitiert er ihn sogar. Erst als er 1938 nur knapp einem Attentat entgeht, für das ein junger Schweizer verantwortlich gemacht wurde, ändert er seine Meinung. Auf einmal will er das subversive Potential des Schweizer Freiheitsidols erkennen. Fortan war Schillers Drama aus den deutschen Lehrplänen gestrichen. Hitler werden folgende Worte zugeschrieben: "Warum musste Schiller diesen Schweizer Heckenschützen bloß verewigen!"