RETRO News

Camilla Horn
Filmemacher dreht Spieß um

Einmal auf dem Chef-Sessel

Jeder Angestellte wünscht sich, irgendwann einmal auf dem Chefsessel zu sitzen. Denn schließlich weiß man immer besser als der Chef, was dem Unternehmen nützt. Der Film "Wenn ich König wär" handelt von einem Monteur, dessen Traum Realität wird. Einen Tag lang darf er Chef spielen und als Direktor einer Automobilfabrik nach seinen Vorstellungen agieren. Dabei hat er die Chance, seine schon vorhandene, jedoch erfolglos angebotene Erfindung zu verwirklichen: ein geräuschloses Automobil.
Von  Barbara Mayr/Filmreporter.de, 26. September 2012

Viktor de Kowa

Viktor de Kowa

Heitere Geschichte mit witzigen Dialogen
"Wenn ich König wär" hat mit der gleichnamigen Oper nichts gemeinsam - bis auf den Titel. Der Film unter der Leitung von Johannes Alexander Hübler-Kahla enthält ebenso viel Wirklichkeitssinn wie Heiterkeit. Viktor de Kowa ist als einfacher Mann aus dem Volk zu sehen. Mit seiner Natürlichkeit, seinem Humor und einer gewissen Überlegenheit spielt er den Angestellten. Seine Partnerin ist Camilla Horn, die freier und gelockerter als in ihren letzten Filmen ist.

Vorzugsweise spielen Humoristen in dem figurenreichen Werk: Paul Westermeier, Eugen Rex, Josef Reithofer, Else Reval, Paul Rehkopf. In einer Nebenrolle ist Hans Mierendorff zu sehen, Charakterdarsteller Handrian M. Netto und Evi Eva sind auch mit an Bord. Ein flottes Zusammenspiel, witzige Dialoge und nette Einfälle machen den frischen, munteren Film erfolgreich. "Das Publikum ist vor Vergnügen aus dem Häuschen", schreibt die Filmwelt in ihrem Artikel am 21. Jänner 1934.

Spielfilm-Debut mit Schmuggler-Krimi
"Wenn ich König wär" ist eines der wenig bekannten Werke des österreichischen Regisseurs, Drehbuchautors und Produzenten Johannes Alexander Hübler-Kahla. Thematisch erinnert der Film an "Seesterne" (1952). Zu den erfolgreichsten Werken Hübler-Kahlas gehört die Verfilmung des Berliner Volksstücks "Das Veilchen vom Potsdamer Platz" (1936). Generell zeigt sich der gebürtige Wiener sehr vielseitig in seinen Produktionen. Sein Spielfilmdebut 1933 ist beispielsweise ein Schmuggler-Krimi, nachdem er bei mehreren Dokumentationen Regie führte. Nach seiner Verhaftung aufgrund eines gefälschten Arier-Nachweises wird er zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Danach gründet er in Wien seine eigene Filmproduktionsfirma, mit der er drei Filme produziert.

Bei "Die Welt dreht sich verkehrt" arbeitet er mit Hans Moser zusammen. Und als Produzent ist er bei G. W. Pabsts Drama "Der Prozeß" beteiligt. Dafür wird er mit zwei Preisen auf der Biennale in Venedig ausgezeichnet. Beim ersten Karl May-Tonfilm "Durch die Wüste" übernahm er ebenfalls die Regie.
Barbara Mayr/Filmreporter.de - 26. September 2012
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