RETRO News

Carl Wery, Leny Marenbach
Industriekaufmann mit Schauspielleidenschaft

Carl Wery in neuem Hans H. Zerlett-Film

Ob man nun an Schicksal glaubt oder nicht - manch einem von uns scheint der Lebensweg unaufhaltsam vorgegeben zu sein. Betrachten wir einmal den Fall des Münchner Schauspielers Carl Wery. Der spielt in Hans H. Zerletts neuem Film "Venus vor Gericht" einen Oberstaatsanwalt, obwohl er nach dem Abitur den Weg in die Industrie eingeschlagen hat. Jahrelang arbeitete er als Industriekaufmann in einer Holzfirma, schaffte es sogar zum Direktor, bis er schließlich doch noch auf sein Herz hörte und Schauspieler wurde.
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de, 22. Oktober 2012

Carl Wery

Carl Wery

Neue Kunst in altem Gewand
Die Leser der Filmwelt erhalten in der Ausgabe vom 4. April 1941 einen Einblick in das neue Werk Zerletts, in welchem Wery einen Juristen verkörpert. Der Film dreht sich um den Bildhauer Peter (Hannes Stelzer), für welchen die griechische Antike Richtmaß aller Dinge ist. Der frühere Anhänger des Nationalsozialismus hält die moderne Kunst für entartet, weshalb er als Zeichen eine Statue nach griechischem Vorbild fertigt. Er vergräbt sie im Wald, wo sie später gefunden und für 2.000 Jahre alt befunden wird.

Als der Künstler vor Gericht aussagt, die Statue selbst erschaffen zu haben, wird seinen Beteuerungen kein Gehör geschenkt. Des Meineids bezichtigt, verwehrt sich der Künstler dennoch die letzte Chance, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Einzige Zeugin für das Anfertigen der Statue ist die junge Frau, die dem Künstler Modell stand.

Die ist aber mittlerweile mit einem Bürgermeister verheiratet, durch die Aussage könnte sie in Verruf geraten. Wird sie dem Gericht dennoch Rede und Antwort stehen? Carl Wery als Oberstaatsanwalt ist mit dem verzwickten Fall betraut und trägt letztendlich maßgeblich zu dessen Lösung bei. Ohne Rücksicht auf das Staatsinteresse bekennt er sich zur gerechten Sache.

"Entartete Kunst" in braunen Taschen?
"Venus vor Gericht" gilt als nationalsozialistischer Propagandafilm, der heute nur im Rahmen wissenschaftlicher Veranstaltungen gezeigt werden darf. In einigen Szenen in einer jüdischen Kunsthandlung sind Originalwerke zu sehen, welche die Nationalsozialisten 1937 in verschiedenen deutschen Museen beschlagnahmten und als "entartete Kunst" brandmarkten.

Darunter befinden sich Gemälde des russischen Malers und Kunsttheoretikers Wassily Kandinsky und dem Expressionisten Wilhelm Morgner. Aber auch Plastiken von Ernst Ludwig Kirchner, Margarethe Moll sowie Erich Heckel kamen auf diese Weise zu zweifelhaftem Ruhm. Kunsthistoriker beklagen bis heute den Verlust der verschollenen Kunstwerke. Wahrscheinlich sind sie wie so viele andere während des Zweiten Weltkriegs von den Nationalsozialisten vernichtet oder versteckt worden.
Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de - 22. Oktober 2012
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