RETRO News

Henny Porten in "Das Fräulein von Scuderi"
Hoffmann-Verfilmung "Das Fräulein von Scuderi"

Ostdeutscher Film ist im Kommen

Der filmische Austausch zwischen Ost- und Westdeutschland gedeiht. Nachdem sich das ostdeutsche Publikum über die Filme des Nachbarn freuen konnte, beehrt uns nun eine Defa-Produktion. Es handelt sich um die Verfilmung von E.T.A. Hoffmanns Erzählung "Das Fräulein von Scuderi", wie die Filmrevue im Juli 1955 berichtet. Zu sehen sind Henny Porten und - nach langer Pause - Dorothea Wick.
Von  Lize Alpaslan/Filmreporter.de,  8. Februar 2010

"Das Fräulein von Scuderi"

"Das Fräulein von Scuderi"

Adelige leben gefährlich
Regisseur Eugen York führt uns in das Paris des 17. Jahrhunderts: Ludwig XIV regiert ("Der Staat bin ich!") und für alle, die nicht dem Adel angehören, steht Ausbeutung an der Tagesordnung. Der berühmte Goldschmied Cardillac (Willy A. Kleinau) ist zu dieser Zeit ein gefragter Mann. Viele junge Männer schleichen sich spät nachts heimlich in seine Werkstatt, um für ihre Mätressen kostbaren Schmuck anfertigen zu lassen. Doch dann geschieht es: Plötzlich werden einige der Adeligen Opfer eines mysteriösen Mörders. Ratlos wendet sich der König an das Fräulein von Scuderi (Henny Porten), der Dichterin seines Hofes, die eine überraschende Antwort parat hat: "Ein Liebhaber, der Diebe fürchtet, ist der Liebe nicht würdig." Daraufhin werden alle Ermittlungen eingestellt. Gut für den Mörder. Denn später stellt sich heraus, dass der Goldschmied hinter den Morden steht. Sein Motiv: Haß am Adel. Doch dann wird durch ein Missverständnis sein Geselle Olivier (Roland Alexandre) der Morde verdächtigt. Erst durch die Einmischung des Fräuleins von Scuderi wird der wahre Täter ermittelt.

Dorothea Wick in "Das Fräulein von Scuderi"

Dorothea Wick in "Das Fräulein von Scuderi"

DEFA: eine Erfolgsgeschichte
Offiziell gegründet wurde die Deutsche Film AG (DEFA) am 17. Mai 1946 in Potsdam-Babelsberg. Sie wurde von den Sowjets kontrolliert und entwickelte sich nach Gründung der DDR im Oktober 1949 schrittweise zurück in deutsche Hände. In diversen Studios wurden Spielfilme, Wochenschau- und Dokumentarfilme sowie Animationen gedreht. Im Gegensatz zu westlichen, pluralistischen Filmindustriestrukturen, gab es in Ostdeutschland lediglich die DEFA als Produktionsgesellschaft. Sie verfolgte die Devise, keine Autoren und Regisseure einzustellen, deren Ruf durch NS-Propagandafilme beschädigt war. Henny Porten, die das poetische Fräulein von Scuderi spielte, erhielt 1960 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. "Das Fräulein von Scuderi" sollte Portens vorletzter Film sein. Sie verstarb 1960 in Berlin.
Lize Alpaslan/Filmreporter.de - 8. Februar 2010
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