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Franz-Otto Krüger in "Deutschland im Jahre Null"
Deutschland im Jahre Null

Roberto Rossellinis Deutschlandbild

In der dritten Ausgabe des Jahres 1948 nimmt die Zeitschrift Neue Film Welt Roberto Rossellinis neuestes Werk ins Visier. Den Großteil von "Deutschland im Jahre Null" hat der Mitbegründer des italienischen Neorealismus in den Trümmern Berlins realisiert. Die Innenaufnahmen wurden in den Studios Farnesina fertiggestellt, das zu den modernsten römischen Produktionsstätten gehört. Für diese Aufnahmen wurden zahlreiche deutsche Schauspieler in die ewige Stadt geladen.
Von  Willy Flemmer/Filmreporter.de, 18. März 2010

Heidi Blänkner in "Deutschland im Jahre Null"

Heidi Blänkner in "Deutschland im Jahre Null"

Kolonie deutscher Schauspieler
Was den Aufenthalt der deutschen Filmschaffenden in Rom betrifft, so ist es nur ein Gerücht, dass diese unter ständiger Polizeiaufsicht stünden. Ebenso entspricht es nicht der Wahrheit, dass der Regisseur in Farnesina ganze Komplexe des zerstörten Berlin wiederaufbauen ließ. Im Scheinwerferlicht der Kamera agiert der elfjährige Edmund Moeschke, den Rossellini bei einem Besuch des Zirkus Barley in Berlin entdeckte. Auch die anderen deutschen Schauspieler hat der Regisseur in Berlin gefunden, darunter Franz-Otto Krüger, Karl Krüger, Barbara Hintz und Heidi Blänkner. Daneben engagierte Rossellini auch Akteure, die noch nie in ihrem Leben vor der Kamera oder auf der Bühne standen.

Gemäß dem künstlerischen Prinzip des Neorealismus sollen die Laiendarsteller durch die Wahrhaftigkeit ihres Wesens der Authentizität des Films förderlich sein. Sie alle sind bei einem Film dabei, der ein charakteristisches Zeitbild um das Berlin der ersten Nachkriegsmonate sein will. Rossellini möchte am Schicksal einer Berliner Familie das Elend des Zusammenbruchs mit rücksichtslosem Realismus filmisch deutlich machen.

Babsi Reckewell, Deutschland im Jahre Null

Babsi Reckewell, Deutschland im Jahre Null

Situation des deutschen Nachkriegsfilms
Roberto Rossellinis Ausflug in das zerbombte Berlin wird als Meilenstein des italienischen Neorealismus angesehen und gleichzeitig als sein wichtigster Film. Dennoch lässt sich das Meisterwerk auch locker in die deutsche Filmgeschichte integrieren. Nicht nur die Beteiligung deutscher Schauspieler, sondern auch das Motiv der vom Krieg zerstörten Städte und Existenzen rückt den Film in die Nähe der so genannten Trümmerfilme. Diese beschäftigten sich mit dem zerstörten Nachkriegsdeutschland und rückten die Vergangenheitsbewältigung des Individuums in den Fokus der Aufmerksamkeit.

In ihrer realistischen Inszenierungsweise knüpften die Trümmerfilme an den italienischen Neorealismus an. Der erste offizielle Trümmerfilm war Wolfgang Staudtes "Die Mörder sind unter uns" aus dem Jahr 1946. Darin beschreibt der Regisseur die Erfahrungen eines ehemaligen Militär-Chirurgen, der als Kriegsheimkehrer sein Haus und seine Heimatstadt in Trümmern vorfindet. Er leidet unter seinen Kriegserinnerungen und verfällt dem Alkohol. Ein weiteres Beispiel der Zeit ist "Liebe '47" (1949) unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner.
Willy Flemmer/Filmreporter.de - 18. März 2010
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