Vita
Christian Petzold gehört zu den renommiertesten Regisseuren Deutschlands und den prominentesten Vertretern der
Berliner Schule. Die Bewegung besteht aus einer kleinen Gruppe Filmemacher, die sich keinem ästhetischen Programm verpflichtet fühlen, jedoch thematische und formale Gemeinsamkeiten aufweisen. Die
Berliner Schule interessiert sich seit Mitte der 1990er Jahre vornehmlich für die kleinen, unscheinbaren Dinge des Alltags. In kontemplativer Form erzählen ihre Filmemacher meist von Figuren, die sich heimat- und identitätslos in urbanen Landschaften bewegen.
So verdichtet Petzold in "
Die innere Sicherheit" (2000) die Geschichte über ein deutsches Terroristen-Paar, das mit seiner Tochter im vereinigten Deutschland Unterschlupf findet, zu einer Studie über Einsamkeit und Identitätsverlust. "
Toter Mann" markiert den Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit des Regisseurs mit
Nina Hoss. Das leise, betont ruhig erzählte Drama handelt von einer Frau und einem Mann, die sich begegnen und gleich darauf wieder aus den Augen verlieren. Eine Reflexion über Schuld und Sühne, Vergebung und Neuanfang markiert Petzolds "
Wolfsburg". Darin spielt
Benno Fürmann einen Mann, der mit seinem Auto einen Unfall verursacht, einen Jungen tödlich verletzt und Fahrerflucht begeht. In "
Yella" und "
Jerichow" wendet sich Petzold dem Thema Geld und Habgier zu.
Nach dem Fernseh-Dreiteiler "
Dreileben - Etwas Besseres als den Tod", bei dem er,
Christoph Hochhäusler und
Dominik Graf jeweils einen Spielfilm zu einem übergeordneten Thema drehen, inszeniert Petzold "
Barbara". Das DDR-Drama wird auf den
Internationalen Filmfestspielen von Berlin uraufgeführt und mit dem
Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet.
Die Deutsche Demokratische Republik ist auch Teil von Petzolds eigener Familiengeschichte. So stammen seine Eltern aus der DDR, bevor sie Ende der 1950er Jahre in den Westen fliehen. Der 1960 geborene Regisseur wächst in Haan auf und macht dort das Abitur. Anschließend leistet er Zivildienst im Filmclub des
Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM). 1981 zieht er nach Berlin und studiert Theaterwissenschaften und Germanistik an der Freien Universität. Von 1988 bis 1994 absolviert er ein Studium an der
Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Auch Petzolds Ehefrau
Aysun Bademsoy ist im Filmbereich tätig und arbeitet unter anderem als Dokumentarfilmerin.