Vita
Am 12. Januar 1949 in Hongkong geboren, emigriert Wayne Wang mit 18 Jahren in die USA, wo er in Oakland am
California College of the Arts and Crafts Film studiert. Nach seinem im Kino aufgeführten Abschlussfilm "
A Man, a Woman, and a Killer" (1975) kehrt er nach Hongkong zurück. Seine Anstellung beim dortigen Fernsehsender, wo er einige Episoden einer populären Serie inszeniert, muss er aufgrund künstlerischer Differenzen aufgeben. Wang geht wieder in die USA, um in San Francisco als Sozialarbeiter zu arbeiten. Diese Wanderung zwischen den Kulturen prägt nicht nur Wangs Persönlichkeit, sondern auch seine künstlerische Handschrift. 'Manchmal fühle ich mich wie ein Alien, ein Wanderer zwischen den Welten, wurzellos', äußerte Wang im Interview mit dem
Film-Dienst. 'Wahrscheinlich verfüge ich über die Wandlungsfähigkeit eines Chamäleons, was auch Vorteile mit sich bringt. So kann ich mir die besten Seiten der Chinesen, Briten und Amerikaner herauspicken; die schlechten verstecke ich ganz diskret. Ich bin ein Produkt unserer Zeit: 'global', aber kein 'Global Player''.
Wangs erste Filme kreisen um die Erfahrung von Immigranten und ihrem Irrungen in der neuen Welt. "
Chan ist verschwunden" (1982) handelt von zwei chinesischen Taxifahrern in San Francisco, die auf der Suche nach einem Schuldner mit einer ihnen fremden Kultur konfrontiert werden. Auch die zwei Jahre später entstandene Komödie "
Dim Sum - Etwas fürs Herz" ist in San Francisco angesiedelt und handelt von einer Witwe, die ihre Tochter zur Heirat drängt. Bereits in diesem Film ist der Einfluss
Yasujiro Ozus auf Wangs filmische Ästhetik deutliche zu spüren. Wie das Werk des japanischen Filmemachers handelt auch "Dim Sum" vom Konflikt zwischen den Generationen, zwischen Tradition und Moderne, Anpassung und Bewahrung der eigenen Identität. Auch Wang bevorzugt die minimalistische, meditative Erzählweise, die sich auf die Charaktere und das Zwischenmenschliche einlässt sowie die Poesie der einfachen Dinge und des Alltages sichtbar macht.
Den Höhepunkt dieser reduzierten Ästhetik erreicht Wang mit der Adaption einer Kurzgeschichte von Paul Auster, die er mit dem Autor gemeinsam inszeniert. "
Smoke" (1995) handelt von einem Tabakladenbesitzer, dessen Geschäft zum Treffpunkt unterschiedlicher Existenzen wird, wo über die kleinen und großen Dinge des Lebens philosophiert wird. Ohne sich einer geschlossenen Erzähldramaturgie verpflichtet zu fühlen, besteht der einfühlsame Film aus einer Aneinanderreihung von Episoden und Geschichten, die um Themen wie Freundschaft, Liebe und die Schönheit des Lebens kreisen.
'Ich bin ein minimalistischer Filmemacher, ohne Drang zu politischen oder sehr dramatischen Filmen. Außerdem bin ich ein glühender Verfechter des Independent-Kinos', so Wang im
Film-Dienst. Dennoch inszeniert er im Laufe seiner Karriere immer wieder auch publikumswirksame Genrefilme wie die Romanze "
Manhattan Love Story" (2002) mit
Jennifer Lopez und
Ralph Fiennes sowie die Komödien "
Winn Dixie - Mein zotteliger Freund" (2005) und "
Noch einmal Ferien" (2006). Doch sind diese Filme weniger Herzensangelegenheit, als vielmehr das Produkt eines neugierigen Regisseurs, der stets auf der Suche nach neuen Erfahrungen ist. Was als Widerspruch anmutet, ist der Ausdruck einer Persönlichkeit, die sich nirgends Zuhause fühlt und doch jeden neuen Lebensraum in sich aufsaugen will.
Trotz frustrierender Erfahrungen in der Filmbranche Hollywoods, wo er sich 'ziemlich verloren fühlt' (
Film-Dienst), dreht Wang neben persönlichen weiterhin konventionelle Genrefilme, die nur schwer eine Handschrift erkennen lassen. So lässt er nach dem von der Kritik gefeierten "
Mr. Shi und der Gesang der Zikaden" (2007) vier Jahre später das formal zwar ambitionierte, aber allzu emotionalisierende Melodram "
Der Seidenfächer" folgen.