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Gérard Depardieu wie er leibt und lebt
Vom Schwarzmarkt zur Premiere

Weinkenner mit großer Nase

Er gehört zu den erfolgreichsten französischen Schauspielern, hat ein eigenes Schloss und arbeitet in seiner Freizeit als Weinbauer. Dabei beginnt Gérard Depardieus Leben eher ruppig. Hätte er sich nicht rechtzeitig aus seinem kriminellen Umfeld distanziert, würde er heute vielleicht im Gefängnis sitzen. Doch er schaffte den Absprung und spielt seit seiner Jugend in unzähligen Filmen. Er gehört definitiv nicht zu den Adonissen seiner Zunft, überzeugt vielmehr durch schauspielerische Höchstleistungen.
Von  Indra Fehse/Filmreporter.de, 27. Januar 2008

Gérard Depardieu und Ludivine Sagnier posieren für die Photographen

Gérard Depardieu und Ludivine Sagnier posieren für die Photographen

Er zählt zur Riege der französischen Topstars, schon vor Jahrzehnten hat er sich auch international durchgesetzt. Geboren wird Gérard Depardieu am 27. Dezember 1948 in ärmlichen Verhältnissen als drittes von sechs Kindern in Châteauroux. Der Vater ist Metallarbeiter, die Mutter Hausfrau. Mit 13 beginnt er eine Ausbildung zum Drucker, schließt diese jedoch nicht ab. In seinen Jugendjahren gilt seine Leidenschaft dem Boxen. In und um Châteauroux sind etwa 25.000 GIs stationiert und so lernt Depardieu den American way of life schon früh kennen. Er entdeckt seine Liebe zur amerikanischen Musik, trägt Bluejeans und T-Shirts. Abends treibt er sich in den Kneipen der Amerikaner herum und fällt selbst als Zwölfjähriger dank seiner Körpergröße nicht auf. Später eröffnet er einen Schwarzhandel, seine Kunden sind die amerikanischen Soldaten. Doch die Polizei wird auf den Nachwuchsgauner aufmerksam und nimmt Depardieu fest. Er hat Glück, denn er ist zu jung, um ins Gefängnis gesteckt zu werden und wird wieder auf freien Fuß gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt ist ihm klar, dass er Châteauroux verlassen muss.

Mitte der 1960er Jahre überredet ihn sein Freund Michel Pilorgé, nach Paris zu kommen, wo er als Schauspieler Karriere machen soll. Anfangs benötigt Depardieu noch viel Unterstützung von seinem Freund. Doch es dauerte nicht lange, bis er größere Erfolge feiern kann als Pilorgé. Depardieu erhält kostenlosen Schauspieler-Unterricht am Pariser Théâtre National Populaire. Seine Ausbildung beendet er am École d'art dramatique. Zunächst reicht es nur für kleinere Rollen, doch bald kann sich Depardieu am Theater etablieren. Dort wird er schließlich für den Film entdeckt.

Gérard Depardieu in München 2008

Gérard Depardieu in München 2008

Seine erste Rolle bekommt Depardieu in der französischen TV-Serie "Rendez-vous à Badenberg" angeboten, wirkt jedoch weiter bei Theaterinszenierungen mit. 1974 spielt er in "Die Ausgebufften" an der Seite von Miou-Miou und Patrick Dewaere seine erste größere Filmrolle. Er verkörpert Jean-Claude mit so viel Hingabe und Passion, dass weitere Rollenangebote nicht lange auf sich warten lassen. Einen der Höhepunkte seiner schauspielerischen Karriere erlebt Depardieu 1981. Für seine Darstellung des Bernard Granger in dem romantischen Drama "Die letzte Metro" bekommt er den César, den wichtigsten Filmpreis Frankreichs. Seine Filmpartnerin Catherine Deneuve wird ebenfalls ausgezeichnet. In einem Interview mit der Zeit gibt Depardieu 2007 zu, die hübsche Schauspielerin seit ihrer ersten Begegnung als Vorbild betrachtet zu haben.

Für den aufstrebenden Depardieu sind die 1980er Jahre ein langer Traum. Das biografische Drama "Danton" wird mit einer Reihe von Preisen bedacht und ebnet ihm seinen Weg als Charakterdarsteller. Für Cyrano von Bergerac im gleichnamigen Film wird Depardieu für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert. Zwar kann er die Auszeichnung nicht mit nach Hause nehmen, das fünffach nominierte Drama bekommt aber eine Statuette für die besten Kostüme. Spätestens seit den 1990er Jahren gehört er mit seinem Kollegen und Landsmann Jean Reno zu den in den USA gefragtesten französischen Schauspielern. Seither steht Depardieu mit US-Stars wie Andie MacDowell, Jeremy Irons, Sigourney Weaver und Whoopi Goldberg vor der Kamera.

Zu seinen liebsten Rollen gehört kurioserweise jedoch die des übergewichtigen Galliers Obélix, den er in "Asterix bei den Olympischen Spielen" bereits zum dritten Mal verkörpert. "Ich ziehe Obélix allen anderen Rollen vor", sagt er 2008 in einem Gespräch mit dem Magazin Focus. Wie seine Lieblingsfigur ist Depardieu ein Feinschmecker. Seine besten Rezepte fasst er sogar in einem eigenen Kochbuch zusammen. Folgerichtig wird er - wie viele seiner Kollegen - Restaurantbesitzer. Auch weiß er einen guten Tropfen zu schätzen. Als Besitzer eines eigenen Weinguts verkauft der Hobby-Winzer im französischen Anjou seinen eigenen Rebensaft. Im Grunde verkörpert er den "amerikanischen Traum", denn er schaffte es aus ärmlichen Verhältnissen zum arrivierten und begüterten Star.
Indra Fehse/Filmreporter.de - 27. Januar 2008

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