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Nicht Hannah - Hanna!
Wer ist Saoirse Ronan?
Saoirse Ronan in Haft? Als eine Frau die graue, kreisförmige Zelle betritt, bricht das blonde Mädchen in Tränen aus und klammert sich an diese. So erwartet man das von einer zerbrechlichen 16-Jährigen. Im nächsten Augenblick packt sie den Kopf der Besucherin und bricht ihr mit einem gezielten Ruck das Genick. Das erwartet man von einer jungen Frau wiederum nicht... Ronan macht das in "
Wer ist Hanna?", wo sie eine ausgebildete Killerin spielt. Im wahren Leben bricht die Darstellerin keine Hälse. Sie bricht aber sehr wohl klischeehafte Rollenerwartungen.
© Sony Pictures
Saoirse Ronan geht in "Wer ist Hanna?" auf die Jagd
Ein Mädchen namens Freiheit
Einblicke in die Filmwelt erhält Saoirse Una Ronan schon als kleines Kind. So nimmt sie ihr Vater, Schauspieler
Paul Ronan, bereits als Dreijährige an den Set des mit
Harrison Ford und
Brad Pitt besetzten Thrillers "
Vertrauter Feind". Zu dieser Zeit zieht das am 12. April 1994 in New York City geborene Mädchen, dessen ungewöhnlicher Vorname Saoirse 'Freiheit' bedeutet, mit ihren Eltern in die irische Heimat. Dort ergattert sie im Alter von neun mit der Rolle in der Fernsehserie "
The Clinic" ihr erstes Engagement. Als
Michelle Pfeiffers Leinwandtochter in der romantischen Komödie "
Hauptsache verliebt" gibt sie ein paar Jahre später ihr US-Debüt.
Was folgt, ist der Versuch von Hollywood-Agenten, sie mit einem Image zu versehen und als irisches Pendant zu
Dakota Fanning zu etablieren. Ronan verweigert sich dem Vorhaben und sagt stattdessen für die britische Produktion "
Abbitte" zu. In
Joe Wrights Drama mimt sie ein 13-jähriges Mädchen, das eine lebenslange Schuld auf sich lädt. Für ihr nuanciertes Spiel wird sie hochgelobt und als siebtjüngste Schauspielerin aller Zeiten für den
Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert.
© Pietro Pesce/Ricore Text
Saoirse Ronan
Morden und ermordet werden
Ronans gefeierte Rolle in "
Abbitte" ist der erste Höhepunkt ihrer jungen Karriere. Und sie bleibt Geschichten mit schwierigen Themen und ambivalenten Charakteren treu. So spielt sie in
Peter Jacksons Fantasy-Drama "
In meinem Himmel" ein Mädchen, das brutal ermordet wird, kämpft in
Peter Weirs "
The Way Back - Der lange Weg" unter extremen Bedingungen ums Überleben und wird in Joe Wrights "Wer ist Hanna?" zur eiskalten Killerin. Mit ihrer bemerkenswerten Rollenauswahl hebt sie sich wohltuend vom klischeehaften Bild heranwachsender Mädchen ab, das von Hollywoods Film- und Fernsehschmieden allzu gerne gezeigt wird.
Besonders
Disney verdient sich dank geschickter Vermarktungsstrategie mit Jungschauspielerinnen wie
Ashley Tisdale ("
High School Musical"),
Hilary Duff ("
Popstar auf Umwegen") und
Miley Cyrus ("
Hannah Montana") eine goldene Nase. Während die Mädchen in den Film- und Serienproduktionen des Mickey Maus-Konzerns eine ebenso heile wie oberflächliche Welt traditioneller Werte repräsentieren, wird parallel an deren Popmusikkarrieren gefeilt. Anhand von sexuell aufgeladenen Video-Clips und Live-Auftritten wird so der Lolita-Effekt gewinnbringend ausgeweidet. Besonders gut funktioniert das bei Cyrus. So spielt diese als Titelheldin der Serie "Hannah Montana" eine Sängerin, die schillernde Popkarriere und trautes Heim in Einklang bringen muss und somit von vornherein beide Welten gleichermaßen bedient. Saoirse Ronan hat solche Rollen bislang gemieden, besonders ihre titelgebende Killerin in "Wer ist Hanna?" bildet einen erfreulichen Kontrast zu den Hannah Montanas der Unterhaltungsbranche.