Interview

Maria Schrader in: Rosenstraße
Widerstand im Dritten Reich

Dramatik voller moralischer Kraft

In "Aimée und Jaguar" spielt Maria Schrader eine Jüdin, die sich auf eine Liebesbeziehung zu einer deutschen Soldatengattin einlässt. Für ihre beeindruckende Leistung erhält sie auf der Berlinale 1999 gemeinsam mit Juliane Köhler den Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin. In Margarethe von Trottas "Rosenstraße" übernimmt Maria Schrader nun die Rolle der Jüdin Hannah, die im heutigen New York lebt. Berührungspunkte zum Dritten Reich gibt es jedoch auch in diesem Film, der mit Katja Riemann eine weitere prominente Hauptdarstellerin aufweist.
Von  Frank Geissler/Filmreporter.de, 17. September 2003

Maria Schrader in: Rosenstraße

Maria Schrader in: Rosenstraße

Hannah stößt bei den Nachforschungen über das Leben ihrer Mutter auf ein bisher kaum beachtetes Kapitel deutscher Geschichte. 1943 versammeln sich arische Frauen in der Berliner Rosenstraße, um gegen die Deportation ihrer inhaftierten jüdischen Ehemänner zu protestieren. Im Interview erzählt Maria Schrader von den Dreharbeiten zu diesem frauendominierten Drama und erklärt, warum sie immer wieder jüdische Frauen spielt.

Ricore: "Rosenstraße" handelt, wie schon "Aimée und Jaguar", von der Liebe in der Zeit des Nationalsozialismus. Wie sehr bewegt Sie dieses Thema?

Maria Schrader: Ich bin immer wieder überrascht, wie viel ich glaube, über diese Zeit zu wissen, und wie wenig ich dann doch weiß. So kannte ich die Geschichte der Rosenstraße nicht. Es ist doch erstaunlich, dass einer der seltenen, wenn nicht sogar der einzig erfolgreiche Widerstand im Dritten Reich so wenig bekannt ist. Das macht mich auch immer wieder neugierig auf diese Zeit. Obwohl ich viel darüber weiß und mich schon von Berufs wegen immer mal wieder mit dieser Zeit auseinandergesetzt habe, kommt es einem doch immer wieder so unglaublich vor. Man hält die Ereignisse fast für unmöglich - und dabei ist es ja nicht so lange her: 60 Jahre hört sich nach einer langen Zeit an - aber als ich geboren wurde, war es noch keine 30 Jahre her. Wenn man, ähnlich wie die Hannah in dem Film, durch das Berlin von heute geht, ertappt man sich immer mal wieder für Momente beim Gedanken, was dort alles stattgefunden hat. Ich glaube, dass so eine Situation, wie wir sie im Zweiten Weltkrieg hatten, wie sie aber gleichzeitig auch heute an vielen Orten der Welt immer noch Realität ist - Krieg, Verfolgung und Diktatur - die Menschen vor wahnsinnige Aufgaben stellt. Dabei entstehen dramatische Geschichten voller Größe und moralischer Kraft, die in solch bequemen und scheinbar völlig unbedrohten Zeiten wie heute in Mitteleuropa gar nicht stattfinden. Deshalb ist der Stoff der Rosenstraße wie gemacht fürs Kino.

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