Interview

Marc Rothemund
Selbstzweifel und unbedingte Leidenschaft

Marc Rothemund ist kritisch

Marc Rothemund hat einige Erfolge vorzuweisen. Der Durchbruch gelingt dem Autodidakten mit der Komödie "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit". Mit "Sophie Scholl - Die letzten Tage" erreicht er früh einen ersten Höhepunkt seiner Karriere, das politische Drama wird mit dem Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film nominiert. Er dreht nicht des Erfolgs oder der Preise wegen, behauptet er. Seine Antriebsfeder sei vielmehr der Selbstzweifel und die unbedingte Leidenschaft zum Film. Wir befragen Rothemund anlässlich des Kinostarts seiner Teeniekomödie "Groupies bleiben nicht zum Frühstück".
Von  Willy Flemmer/Filmreporter.de, 28. September 2010

Groupies bleiben nicht zum Frühstück

Groupies bleiben nicht zum Frühstück

Ricore: Herr Rothemund, Sie wurden einmal gefragt, was einen guten Film ausmacht. Sie antworteten, das Wichtigste sei die Überraschung.

Marc Rothemund: ...und der Zuschauer darf sich nicht langweilen.

Ricore: Sie zitierten in diesem Zusammenhang Billy Wilder...

Rothemund: Das Wichtigste ist das Drehbuch, das Drehbuch, das Drehbuch.

Ricore: Wo ist das Überraschungsmoment in "Groupies bleiben nicht zum Frühstück"?

Rothemund: Wenn sich das Publikum an die Erzählperspektiven hält und sich mit den Hauptdarstellern identifiziert, findet er so einige Überraschungsmomente. So verliebt sich Lila in einen jungen Mann und weiß nicht, dass er ein bekannter Musiker ist. Das ist der erste überraschende Wendepunkt für die Hauptfigur. Die zweite Überraschung: Lila und Chriz verbringen einen schönen Tag. Er darf im Zimmer von Lilas Schwester übernachten. Als er von dieser am nächsten Morgen in ihrem Bett entdeckt wird, gibt es erst mal ein Riesengeschrei. Dann merkt Lila, um wen es sich handelt. Eine größere Überraschung gibt es für eine Hauptfigur nicht. Sie erkennt, dass der Mann, in den sie sich verliebt hat, der größte Rockstar Europas ist.

Ricore: Der Ausgang der Films ist dagegen nicht überraschend...

Rothemund: Das ist eine romantische Komödie. Wenn einer stirbt oder das Paar nicht zusammenkommt, ist es auch keine romantische Komödie. In den größten Filmen des Genres finden die Liebenden immer zusammen. Mein Auftrag war, eine romantische Komödie zu machen. Deswegen finden die Protagonisten am Ende auch zusammen, nachdem sie viele Hürden überwunden haben. Was zählte war, dass die Hauptfiguren die Zuschauer überraschen und der Film dadurch spannend wird. Grundsätzlich denke ich auch, dass ein Zuschauer bei einer romantischen Komödie unterhalten werden will. Er will mit-fiebern, -lachen und -weinen. Gäbe es am Ende kein Happy End, würde mir das der Zuschauer niemals verzeihen.

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