Interview

Lambert Wilson in "Von Menschen und Göttern"
"Auch in mir steckt ein Mönch"

Lambert Wilson findet seine Mitte

Lambert Wilson sieht seinen Wirkungsraum in Frankreich, auch wenn er mit Rollen wie in "Matrix Reloaded" und "Matrix Revolutions" auch international wahrgenommen wird. Aufsehen erregt auch das viel beachtete Drama "Von Menschen und Göttern". Darin verkörpert der Franzose einen Mönch, der mit seinen Brüdern sein Leben für eine höhere Idee opfert. Mit Filmreporte.de sprach der 1958 in Neuilly-sur-Seine geborene Schauspieler und Sänger über die Spiritualität und darüber, wo er seine innere Ruhe findet.
Von  Willy Flemmer/Filmreporter.de, 17. Dezember 2010

Von Menschen und Göttern

Von Menschen und Göttern

Ricore: "Von Menschen und Göttern" basiert auf einem wahren Fall, der sich 1996 ereignete. Wie präsent waren diese Ereignisse in Ihrer Erinnerung?

Lambert Wilson: Überhaupt nicht. Als ich die Geschichte gelesen habe, erinnerte ich mich plötzlich, von diesen Ereignissen mal gehört zu haben. Ich weiß auch, dass ich damals daran dachte, wie viele Familien da zerstört würden. Daran muss ich immer denken, wenn ich in den Nachrichten mitkriege, wie viele Menschen in Krisenregionen wie Bagdad oder Afghanistan sterben. Es werden immer auch Familien zerstört. Mir war auch klar, dass diese Mönche ein großes Risiko auf sich genommen haben. Wieso sind sie nicht früher gegangen? Wieso sind sie geblieben und haben ihr Leben riskiert? Aber letztlich haben sie am Ende das bekommen, wonach sie ihr Leben lang gesucht haben.

Ricore: Wären Sie selbst in dieser Situation geblieben?

Wilson: Nein, ich bin ein Angsthase. Ich hätte überleben wollen. Andererseits lebe ich mein Leben nicht für andere Menschen. Zumindest nicht in dem Ausmaß, wie es die Mönche taten. Das ist das zentrale Thema dieses Films. Die Mönche stellen sich im Zuge der Ereignisse viele existentielle Fragen und am Ende entscheiden sie sich zu bleiben. Vielleicht könnte ich einer von ihnen sein. Ich könnte auch jemand sein, der fast seinen Glauben verliert, indem ich mich die Frage gestellt hätte, warum ich Gott nicht mehr höre. Vielleicht hätte ich auch von der Hauptfigur Christian überzeugt werden müssen.

Ricore: Der Film stellt die Mönche als Märtyrer dar. Dass sie am Ende sterben, ist auch ihre eigene Entscheidung.

Wilson: Ja, aber sie wollen keine Märtyrer sein. Das ist entscheidend bei ihrer Handlungsweise. Sei bleiben, weil sie ihre Mission weiterführen wollen. Ihre Mission war es, bei den armen Menschen zu bleiben und ihnen zu helfen. Ich weiß nicht, ob Christian, mein Charakter, in diesem Punkt ehrlich ist. Es gab durchaus die Versuchung vom Martyrium. Sich wie Jesus aufzuopfern, ist ein zentraler Aspekt im Leben eines jeden religiösen Menschen. Das ganze Leben eines Mönches ist nach dem Evangelium ausgerichtet. Sie leben nach dem Motto opfere dein Leben für andere. Das Märtyrertum ist also etwas, was bei einem Mönch ganz tief in seinem Inneren präsent sein muss.

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