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Zuschauer ins Unbekannte entführen
Roland Suso Richter mag Extreme
Ob das Gefängnis in "
14 Tage lebenslänglich", das entführte Flugzeug in "
Mogadischu" oder der Regenwald in "
Dschungelkind" -
Roland Suso Richter wirft seine Protagonisten schon mal gerne in Extremsituationen und beobachtet anschließend, wie sie sich darin winden. Der Zuschauer soll vom Gezeigten schockiert werden, ist sich andererseits aber natürlich seiner sicheren Situation im bequemen Kino-Sessel bewusst. Anlässlich des Starts von "
Dschungelkind" hat sich
Filmreporter.de mit Roland Suso Richter unterhalten. Bei dieser Gelegenheit verriet uns der Regisseur der Extreme, wie er den Dschungel empfunden hat.
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Dschungelkind
Ricore: Sie haben schon mal an einer amerikanisch-englischen Produktion mitgearbeitet, aber im Gegensatz zu Thomas Kretschmann oder anderen Kollegen sind Sie nie nach Hollywood gezogen, oder?
Roland Suso Richter: Nein. Als ich in meinen Zwanzigern war, war ich von Amerika total begeistert. Das war damals noch eine ganz andere Zeit. Da schaute man nach Hollywood auf, es war das Ziel aller Filmschaffenden. Ich bin zwar auch oft dort gewesen, aber ich bin nie hingezogen. Diese Welt beruht nur auf Glanz und Ruf und das ist auf Dauer sehr anstrengend. Außerdem möchte ich Europa nicht missen.
Ricore: Lieber also im heimischen München arbeiten?
Richter: Absolut. Aber ich bin da nicht so kategorisch. Wenn ich ein gutes Angebot bekomme, würde ich es sicher machen. Ich würde aber nicht nach Hollywood gehen und dort zu überleben versuchen. Außerdem ist diese Zeit vorbei. Vor zehn, fünfzehn Jahren hat es für Leute wie
Roland Emmerich noch gut funktioniert. Heute dorthin zu ziehen und zu hoffen, dass etwas kommt, ist schwierig. Wenn man als Ausländer nach Hollywood geht, ist man zunächst kaum mehr als ein B-Kandidat und in dieser Position ist es schwer an Sachen zu gelangen, die einem gefallen.
Ricore: Wie fühlt es sich an, nach so langer Zeit wieder mal einen Kinofilm gemacht zu haben?
Richter: Es fühlt sich schön an. Mein Ziel war ja schon immer, sowohl fürs Kino als auch fürs Fernsehen zu arbeiten. An dieser Einstellung hat sich nicht viel geändert. Auch ästhetisch versuche ich immer, diese zwei Welten miteinander zu vereinen, indem ich meine Fernsehfilme so gestalte, wie ich es auch fürs Kino machen würde. Fürs Kino zu arbeiten bedeutet gleichzeitig, dass man einem anderen Druck ausgesetzt ist. Denn diese Branche ist viel härter als die Fernsehbranche. Im Fernsehen wird der Film gesendet und danach ist er abgehakt. Im Kino ist er viel länger präsent. Indem er auf Festivals gezeigt wird oder generell auf Reisen geht, hat man viel mehr davon. Gleichzeitig ist ein Kinofilm ein großes Risiko, weil man nie weiß, wie er ankommt.
Ricore: Macht es die Arbeit leichter, wenn man mit einem Produzenten wie Nico Hofmann eine Konstante hat?
Richter: Es ist sehr schön und das braucht man auch in der Branche. Ohne so eine Konstante wäre man total aufgeschmissen. Das habe ich schon mal mit
Werner Koenig erlebt. Wenn ein zuverlässiger Ast wegbricht, ist man erst mal alleine. Man braucht einfach Leute, die man kennt und die an einen glauben. Das ist sehr wichtig in diesem Metier.