© Heiko Thiele/Ricore Text
Worte lügen!
Gottfried Johns Wahrheit
Der folgende Text und das anschließende Gespräch sind gelogen. Dies wäre der Fall, wenn man
Gottfried Johns Äußerungen wörtlich nimmt. Der ehemalige Bondbösewicht meint, dass das gesprochene und geschriebene Wort nicht die Wahrheit abbilden könne. Was das für seine Arbeit bedeutet und wie man der Wahrheit dennoch nahe kommt, erläutert John
Filmreporter.de anhand der Fernsehproduktion "
Die Löwin".
© ZDF/Umberto Adaggi
Gottfried John und Silke Bodenbender spielen Vater und Tochter in "Die Löwin"
Ricore: Wieso wird Jo vom Löwenjäger zum Löwenretter?
Gottfried John: Das liegt an einem Schicksalsschlag in seiner Familie.
Ricore: Fühlt sich Jo deswegen schuldig?
John: Ich glaube, dass er sich nicht wirklich schuldig fühlt. Für ihn ist es eine grundsätzliche Frage, ob man den Konventionen im Leben folgt und unglücklich wird, oder ob man seinen Gefühlen und seiner Begabung nachgeht. Im Film sagt er an einer Stelle: "Das Einzige was man nie tun sollte, ist seine Begabung zu verleugnen." Ich denke, dass das ein zentraler Satz in "Die Löwin" ist.
Ricore: Wie sehen Sie das im Leben?
John: Im echten Leben sehe ich das genauso. Jeder Mensch ist für seine Gefühle und seine Begabung selbst verantwortlich. Man sollte versuchen diese so gut wie möglich umzusetzen und auf eigenen Beinen stehen.
Ricore: Auf eigenen Beinen standen Sie als Jugendlicher nach mehreren Heimaufenthalten schon sehr früh.
John: In gewisser Weise ja. Auf jeden Fall lernt man schon sehr früh seiner eigenen Meinung zu vertrauen und nicht zu sehr auf das zu hören, was andere sagen. Von diesen werden stets Interessen verfolgt. Sie wollen oft, dass man das Eine oder das Andere tut, denkt oder lebt.
Ricore: Sie bezeichnen sich selbst eher als schüchtern und unsicher, wirken in der Öffentlichkeit jedoch ganz anders. Lebt ein Schauspieler stets mit einer Maske?
John: Ich mag nach außen selbstsicher und stark wirken, empfinde mich aber nicht so. Der Eindruck entsteht eventuell deshalb, weil ich stets klar meine Meinung vertrete. Das liegt auch an meiner Biografie. Tatsächlich empfinde ich mich eher als sensibel und schüchtern.