RSS SUCHE
KINOPROGRAMM LOGIN

Interview

Jean-Jacques Annaud auf dem 39. Deutschen Filmball 2012
Mit dem Fremden vertraut

Lernbegieriger Jean-Jacques Annaud

Jean-Jacques Annaud steht für episches Kino wie "Am Anfang war das Feuer" und "Sieben Jahre in Tibet". Er macht aber auch spannende Tierfilme wie "Der Bär" und "Zwei Brüder". Hier setzt der Franzose die Würde der Tiere gegen die menschliche Ignoranz. Mit "Black Gold", einem Drama über den muslimischen Glauben unter dem Zeichen des Fortschritts, kehrt Annaud zu seinen epischen Wurzeln zurück. Im Interview mit Filmreporter.de sprach der 68-Jährige über seine filmischen Vorbilder sowie seine Eindrücke von der arabischen Kultur. Außerdem verriet er uns, wie er während der Dreharbeiten in Tunesien den Ausbruch der arabischen Revolution erlebte.


Black Gold

Black Gold

Ricore Text: M. Annaud, man fühlt sich bei "Black Gold" an "Lawrence von Arabien" erinnert.

Jean-Jacques Annaud: Gut, das ist schön zu hören. Obwohl ich den Film seit 20 Jahren nicht mehr gesehen habe. Auch im Rahmen der Arbeit an "Black Gold" habe ich ihn mir nicht angeschaut, weil ich nicht davon beeinflusst werden wollte - ob in negativer oder positiver Hinsicht. Eines war mir von Anfang an klar: Ich wollte "Black Gold" nicht in Wadi Rum drehen, wo David Lean seinen "Lawrence von Arabien" realisierte. Der Ort bietet zwar beeindruckende Landschaften, trotzdem hatte ich Angst, die Kameras genau dort zu positionieren, wo auch Lean sie für seinen Film aufstellte.

Ricore: Sind Sie von David Lean beeinflusst?

Annaud: Ja, ich war schon immer vom epischen Film fasziniert. Als Student liebte ich die Filme von Sergej Eisenstein, Akira Kurosawa und John Ford. Ich assoziiere Filmerfahrung automatisch mit monumentalem, epischem Kino und ich habe immer davon geträumt, Filme solchen Formats herzustellen. Vielleicht lag das daran, dass ich in überschaubaren Verhältnissen in einem kleinen Haushalt mit begrenzten Zukunftsaussichten aufgewachsen bin. Der epische Film war für mich wie Atmen. Das war also ein weiterer Grund, wieso ich "Black Gold" unbedingt machen wollte. Ich vermisse den epischen Film.

Ricore: Der deutsche Kameramann Michael Ballhaus sagte einmal, dass Wüstenaufnahmen die größte Herausforderung beim Filmemachen seien. Ist das auch Ihre Erfahrung?

Annaud: Nein, diese Erfahrung habe ich nicht gemacht. Eine große Hilfe war für uns die Tatsache, dass wir heutzutage das richtige Werkzeug haben, um den Stand der Sonne im Moment der Filmaufnahme vorherzusagen. Auf der Grundlage dieser Vorhersagen erfolgten die zentralen Einstellungen von "Black Gold". So konnte die Arbeit schnell vorangehen. Ich brauchte der Filmcrew nur zu sagen, wo und wann gedreht wird. Das große Problem bei Wüstenaufnahmen ist jedoch die Weite der Landschaft. Man kann nicht so einfach den Drehort wechseln. Wenn wir unsere Aufnahmen an den Stand der Sonne ausrichten wollten, dann dauerte es einen halben Tag, die Filmausrüstung von einem Ort zum nächsten zu bewegen. Die Weite der Wüste ist der größte Feind des Filmemachens.


Seite: 1 Seite vor >>

Zum Thema

Porträt zu Jean-Jacques Annaud

Jean-Jacques Annaud

Regisseur, Drehbuch, Produzent

Porträt >>

Filmplakat zu Black Gold

Black Gold

In der arabischen Wüste der 1930er Jahre einigen sich die verfeindeten Stammesfürsten Nesib (Antonio Banderas) und Amar (Mark Strong) auf einen Waffenstillstand. Der Frieden hält mehrere Jahre... mehr

Weitere Interviews

Diane Kruger

Royale Diane Kruger

Diane Krugers Tage als Königin sind gezählt. Sie muss als französische Regentin Marie Antoinette in "Leb wohl, meine Königin!" hilflos mit ansehen, wie die Revolution... weiter


Léa Seydoux in "Leb wohl, meine Königin!"

Léa Seydoux im Schatten

Nachdem sie sich im Action-Blockbuster "Mission: Impossible - Phantom Protokoll" mit Tom Cruise angelegt hat, schlägt Léa Seydoux leisere Töne an. Im Historien-Drama "Leb... weiter


Josh Brolin bei Screen Actors Guild Awards 2012

Josh Brolin mag's kompliziert

Auf der Flucht vor dem wahnsinnigen Killer in "No Country for Old Men" hat Josh Brolin die Kritiker begeistert. In "Men in Black 3" macht er sich selbst auf die Jagd nach einem... weiter

Amazon

© 2012 Filmreporter.de
{*debug*