© Universum Film
"Vorzulesen ist nicht die Kunst"
Herausforderungen für Ulrich Noethen
In "
Sams im Glück" verkörpert
Ulrich Noethen bereits zum dritten Mal die Romanfigur Herr Taschenbier. Dieses Mal verwandelt er sich selbst in ein Sams und darf so richtig die Sau rauslassen. Im Gespräch mit
Filmreporter.de gibt sich Noethen betont zurückhaltend. Mit sanfter Stimme erläutert der Schauspieler, weshalb er einen weiteren "
Sams"-Film für unwahrscheinlich hält und was er an Hörbüchern sowie Schriftsteller
Hans Fallada schrecklich findet. Außerdem erfahren wir, welche Gefahr eine Schauspielschule mit sich bringt.
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Sams im Glück
Ricore: Ihre Darstellung von Herrn Taschenbier erinnert an Louis De Funès und die Marx Brothers. Dachten Sie bei der Konzeption Ihrer Figur an diese Komiker?
Ulrich Noethen: Diese Vorbilder habe ich nicht im Kopf gehabt. Wenn überhaupt, dann unbewusst, da ich deren Filme früher gesehen habe. Ich habe stattdessen darüber nachgedacht, was Samsigkeit bedeutet. Als wir alle zusammen das Drehbuch gelesen haben, wollte Regisseur
Peter Gersina, dass jeder für sich eine Liste erstellt, in der er samsige Elemente seines Charakters aufschreibt. Darüber hat man dann kurz gesprochen und anschließend die Figur den Besprechungen entsprechend umgesetzt.
Ricore: Wie lange dauerte es, bis man Sie davon überzeugt hatte, erneut Herrn Taschenbier zu verkörpern?
Noethen: Man musste mich nicht prügeln. Ich habe das gerne gemacht. Schließlich macht es den meisten Schauspielern Spaß, am Set mal so richtig die Sau rauslassen zu können. So etwas ist leider selten gefragt. Ganz im Gegenteil. Meist wird man dazu angehalten diesen ganzen Unsinn zu lassen, selbst wenn es die Figur hergeben würde. Meine verrückte Darstellung des Herrn Taschenbier funktioniert natürlich auch nur, weil es dazu parallel noch den normalen Herrn Taschenbier im "
Dr. Jekyll und Mr. Hyde"-Stil gibt. Ansonsten wäre meine Figur unerträglich.
Ricore: Wie findet Ihre Tochter, dass Sie am Set mal so richtig die Sau rausgelassen haben?
Noethen: Ich habe ihr ein bisschen von meiner Rolle erzählt, woraufhin sie fragte, wann der Film im Kino erscheint. Daraufhin sagte ich: '29. März 2012'. Das fand sie ziemlich doof und meinte, ob ich nicht noch einen Monat hätte warten können, weil sie derzeit Abitur schreibe und mit den ganzen Peinlichkeiten jetzt nicht konfrontiert werden möchte [lacht].
Ricore: Wird Ihre Tochter in der Schule oft auf Ihren berühmten Vater angesprochen?
Noethen: Nein. Sie hat schon seit der Grundschule einen sehr klugen Umgang damit gefunden.