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Verstört. So verlässt der Zuschauer nach Michael Hanekes psychologischem Thriller "Caché" das Kino. Wie kein zweiter Regisseur vermag der Österreicher die dunklen Seiten im Menschen zu enthüllen. Waren es in "Die Klavierspielerin" die seelischen Abgründe einer verbitterten Frau, so ist es hier die stillgeschwiegene Schuld eines Pariser Fernsehmoderators, die langsam aber sicher ans Tageslicht tritt. Hanekes Neuling wurde mit der Goldenen Palme für die beste Regie und mit dem Europäischen Filmpreis geehrt.
© Prokino Filmverleih
Besteht darauf, Moralist zu sein: Michael Haneke
Ricore: Lesen Sie Michel Houellebecq?
Haneke: Ja, natürlich.
Ricore: Ist Ihnen aufgefallen, dass Sie in seinem Werk Erwähnung finden?
Haneke: Ja, im letzten Roman. Das weiß ich schon. Houellebecq und ich haben den gleichen Agenten. Der hat mich angerufen und gefragt: Hast du schon Michels letzten Roman gelesen? (lacht)
Ricore: Im Text werden Sie als Moralist dargestellt. Wie sehen Sie sich in dieser Rolle?
Haneke: Das ist mir relativ wurscht. Wenn jemand mich so nennen will, soll er's halt tun. Ich empfinde das nicht als Ehrenbeleidigung. Inzwischen ist es ja fast ein Schimpfwort geworden. Wenn man zu jemandem sagt: Er hat Moral. Es so, als ob man sagen würde, er ist ein Dummkopf oder jemand von vorgestern. Ich hab mit so Etiketten überhaupt Schwierigkeiten. Aber ob ich jetzt als Moralist bezeichnet werde, oder nicht, beeinflusst mich in meiner Arbeit nicht wahnsinnig. Ich glaube, dass Kunst immer auch etwas mit Moral zu tun hat. Nicht im Sinne von Verordnung von irgendwelchen Verhaltensregeln, sondern im künstlerischen Sinne.
Ricore: Seit einigen Jahren haben Sie Frankreich als Drehort gewählt.
Haneke: Ich würde eher sagen: Frankreich hat mich gewählt.
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