Wir trafen den 58-jährigen Oscar-Preisträger
Jeremy Irons beim Filmfest in Venedig anlässlich der Premiere seines Films "
Inland Empire". In dem Mystery-Thriller von Movie-Magier
David Lynch spielt Irons einen Regisseur, dessen neuestes Werk unter höchst merkwürdigen Umständen entsteht. "Inland Empire" sorgte für Furore, auch weil Lynch eine zusammenhängende Handlung nur stellenweise erahnen lässt und statt dessen eine kunstvolle Verschachtelung aus aneinander gereihten Szenen-Fragmenten inszenierte. Wir sprachen mit
Jeremy Irons über das rätselhafte Werk, über Alpträume, Aberglaube und Anarchie.
, 1. Mai 2007
Ricore: Mr. Irons, Sie sind in David Lynchs neuem Film "Inland Empire" zu sehen. Über die fragmentarische Handlung des Werkes wurde viel gerätselt. Können Sie uns verraten, worüber der Film nun wirklich handelt?
Irons: Irons: An dieser Frage kann man sich die Zähne ausbeißen, denn David Lynch wird darauf keine Antwort geben - nicht einmal seinen Schauspielern. Auf mich wirkt dieser Film wie ein gigantisches Gemälde von Hieronymus Bosch. Man kann hineininterpretieren, was man will. Nicht die Aussage des Regisseurs steht im Vordergrund, sondern das, was der Zuschauer beim Betrachten des Films selbst empfindet. Das finde ich großartig.
Ricore: Und was nehmen Sie persönlich aus dem Film mit?
Irons: Da ich ein Mensch bin, der kein Chaos erträgt und eine gewisse Struktur braucht, habe ich mir eine übergeordnete Geschichte zusammen gestrickt, in deren Rahmen ich die einzelnen Szenen auf mich wirken lassen kann. Für mich handelt der Film über eine Schauspielerin, dargestellt von
Laura Dern, die von einem Regisseur - den ich spiele - für einen Film engagiert wird. Sie hat ihren Mann betrogen und wird deshalb von Schuldgefühlen geplagt. Der Film begleitet sie auf ihrer inneren Reise durch diese Ängste und Neurosen.
Ricore: Hatten Sie je Zweifel, sich auf ein derart ausgefallenes Filmprojekt einzulassen?
Irons: Nein. Ich versuche, vor keiner Rolle zurückzuschrecken. Im Gegenteil - je exzentrischer und abenteuerlicher ein Projekt erscheint, desto mehr fühle ich mich davon angezogen. Ich bin an einem Punkt meiner Karriere, an dem ich es mir leisten kann, riskante Rollen anzunehmen.
Ricore: Klingt in der Tat nach abenteuerlichen Dreharbeiten, wenn Sie sagen, David Lynch habe seinen Schauspielern nicht erklärt, wovon der Film handelt.
Irons: Ich habe bis heute keine Ahnung, wovon das Drehbuch handelt. Wobei Drehbuch zu viel gesagt ist. An meinem ersten Drehtag drückte Lynch mir drei Zettel in die Hand und sagte: "Du spielst den Regisseur".