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2 oder 3 Dinge, die ich von ihr weiß...

Originaltitel
Deux ou trois choses, que je sais d'elle
Alternativ
2 ou 3 choses que je sais d'elle (Schreibweise Originaltitel); Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß (Schreibweise dt. Titel)
Genre
Drama
Land /Jahr
Frankreich 1967
 
90 min
Medium
Kinofilm
Kinostart
01.11.1968 ( D )
Regie
Jean-Luc Godard
Darsteller
Claude Miller, Anna Manga, Jean-Patrick Lebel, Jean-Pierre Laverne, Benjamin Jules-Rosette, Blandine Jeanson
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IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
5,0 (Filmreporter)
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Jean-Luc Godard zeigt ein Stück Zeitgeschichte
Paris 1966. Juliette (Marina Vlady) lebt mit ihrem Mann Robert (Roger Montsoret) und Sohn Christophe (Christophe Bourseiller) in einem Wohnkomplex in einem Außenbezirk von Paris. Morgens gibt sie Christopher bei einem älteren Nachbarn ab und fährt in die Stadt. Dort arbeitet sie in einem Stundenhotel als Gelegenheitsprostituierte. Nebenbei flaniert sie durch Boutiquen, sitzt in Cafés oder lässt sich beim Friseur verschönern. Gegen Abend kehrt sie zu ihrem Mann in die heimische Wohnung zurück. Ihr bleibt gerade noch Zeit den Sohn ins Bett zu bringen und den Tag ausklingen zu lassen. In ihr brennt das Verlangen, sich möglichst viel von dem leisten zu können, was die moderne Konsumgesellschaft anpreist. Emotionslos versucht sie am Boom des neuen Paris zu partizipieren. Die französische Hauptstadt ist in den 1960er Jahren das Mekka der Haute-Coiture und kommerziellen Verführung. Für die meisten Bewohner sind deren Angebote allerdings nicht zu finanzieren. Die Prostitution wird von Juliette, in der Zeit des Vietnamkrieges und der atomaren Bedrohung, als Geldbringende Option gesehen.
Regisseur Jean-Luc Godards kommentiert sein Werk im Flüsterton. Er entwickelt ein cineastisches Essay, in der kulturelle und gesellschaftliche Phänomene betrachtet werden. Er arbeitet dabei mit einer strengen Methodik, in der Denkversuche und Deutungen akzentuiert wiedergegeben werden. Godard formuliert seine soziophilosophischen Gedanken vor dem Hintergrund des Vietnamkonflikts. Seine Figuren kommen in Interviewsituationen zu Wort, in denen sich die Protagonistin als Opfer der kommerzialisierten Massenindustrie entlarvt. Lange Einstellungen mit ruhigen Bildern dokumentieren Juliettes Überlebenskampf, während sich dem Zuschauer mithilfe Collagenhafter Abbilder die Pariser Realität der 1960er Jahre erschließt. Im Dialog mit der Kamera wird die experimentelle Form der Darstellung betont. "2 oder 3 Dinge, die ich von dir weiß..." gilt als Hauptwerk aus Godards soziologischer Periode. Aus dem zeitlichen Kontext gerissen, wirkt das Werk etwas antiquiert und langatmig. Die gedankenschwere Lethargie legt sich wie ein dumpfer Nebel über die Inszenierung. Dies beweist, dass Godard ein Meister seiner Zeit war.
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2021