Die Fremde
Majestic Filmverleih
Die Fremde

Die Fremde

Originaltitel
Die Fremde
Alternativ
When We Leave
Genre
Drama
Land /Jahr
Deutschland 2009
 
119 min, ab 12 Jahren (fsk)
Medium
Kinofilm
Kinostart
11.03.2010 ( Kino Deutschland | Kino Österreich ) bei Majestic Filmverleih
Regie
Darsteller
Links
IMDB
Homepage
|0  katastrophal
brilliant  10|
8,0 (Filmreporter)
10,0 (1 User)
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenAwardsMeinungNewsTrailerGalerieInterviewsDVDs
Eindrückliche Geschichte einer türkischen Familie
Umay (Sibel Kekilli) hält es bei ihrem gewalttätigen Ehemann Kemal (Ufuk Bayraktar) nicht mehr aus. Die junge Türkin bricht mit ihrem kleinen Sohn Cem (Nizam Schiller) aus dem unglücklichen Eheleben in Istanbul aus und kehrt zu ihrer Familie nach Berlin zurück. Dort angekommen, wird sie zunächst mit offenen Armen empfangen. Als sie ihren Eltern erklärt, dass sie ihren Mann endgültig verlassen will, um bei ihnen in Deutschland zu bleiben, stößt sie jedoch auf Unverständnis. Umays Vater Kade (Settar Tanriogen) liebt seine Tochter, doch er kann nicht akzeptieren, dass sein Enkel getrennt von seinem Vater aufwachsen soll. Auch ihr älterer Bruder Mehmet (Tamer Yigit) übt mit seinem aggressiven Verhalten zunehmend Druck auf Umay aus. Als die Familie Cem zu seinem Vater in die Türkei zurückschicken will, flieht Umay aus ihrem Elternhaus, um fortan auf eigenen Beinen zu stehen. Sie findet einen Job in einer Großküche und verliebt sich in ihren Kollegen Stipe (Florian Lukas). Trotz allem möchte sie ihr neues Glück mit ihrer Familie teilen, doch alle Versöhnungsversuche scheitern. In den Augen ihres Vaters hat sie mit ihrem Verhalten Schande über die Familie gebracht. Um die Ehre wiederherzustellen, trifft er eine folgenschwere Entscheidung.
Ein Drama wie "Die Fremde" kann leicht missverstanden werden. Manche werden die konservative Familie Umays als klischeehaftes Bild für in Deutschland lebende Türken begreifen. Konservative Zuschauer fühlen sich durch die Geschichte in ihren Vorurteilen gegenüber der türkischen Gesellschaft und Kultur bestätigt. Solche undifferenzierte Verallgemeinerungen tun Feo Aladags eindrucksvollem Regiedebüt jedoch Unrecht. Der Regisseurin geht es nicht darum, ein allgemeingültiges Bild türkischer Einwanderer zu entwerfen. Sie erzählt vielmehr die konkrete, sehr persönliche Geschichte einer Frau, die verzweifelt versucht, aus gesellschaftlichen und familiären Strukturen auszubrechen.

Die Familienmitglieder werden trotz ihrer extremen Ansichten nicht zu Bösewichten stilisiert. Obwohl sie deren grausames Verhalten nicht beschönigt, verdeutlicht Aladag immer wieder, dass auch die Familie durch das Festhalten an althergebrachten Vorstellungen von Ehre und Männlichkeit zerbricht. Am Ende verlieren alle. Aladag will nicht urteilen, sondern Empathie schaffen, um die Problematik zu starrer Traditionen zu verdeutlichen. Auch trägt das intensive Spiel von Hauptdarstellerin Sibel Kekilli dazu bei, dass das Drama lange nach dem Abspann einen bleibenden Eindruck hinterlässt. "Die Fremde" ist vor allem eines: ein zutiefst menschliches Drama.
Carlos Corbelle/Filmreporter.de
Videoclip: Die Fremde
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Galerie: Die Fremde
Gängige Vorurteile vermeidet Feo Aladag in ihrem Regiedebüt. "Die Fremde" ist ein ebenso bitteres, wie menschlich anheimelndes Drama.
Feo Aladag
Feintuning der menschlichen Seele
Die in Wien geborene Feo Aladag arbeitete für die Kampagne "Gewalt gegen Frauen" von Amnesty International. Bei ihren vielen Recherchen blieb offenbar etwas hängen. So viel, dass sie sechs Jahre auf ihr Spielfilmdebüt "Die Fremde" hinarbeitete. Sechs Jahre, in denen sie kaum ein Privatleben hatte, bis zu 18 Stunden am Tag arbeitete und nichts verdiente. Mit uns sprach die sympathische Regisseurin über die Hürden des Filmemachens. Als wir über die Grenzen im Kopf sprechen, blüht sie so richtig auf.
Florian Lukas als Bergsteiger in "Nordwand"
Ehrenmord und Unterdrückung
Florian Lukas war schon immer der Mann im Hintergrund. Oft spielt er kleine, akzentuierte aber wichtige Nebenrollen. Auch in Feo Aladags Spielfilmdebüt "Die Fremde" übernimmt er eine Nebenrolle die es in sich hat. Wir trafen den 37-Jährigen zu einem Gespräch während der Berlinale 2010. In der Sektion Panorama lief der Film mit gutem Echo. Mit uns sprach er über Ehrenmorde in Deutschland und darüber, wie sich seine Sicht über türkische Mitmenschen im Laufe der Zeit verändert hat.
Florian Lukas - der Mann fürs Feine
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Die Fremde
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2021