Al!ve
7 Tage in Havanna

7 Tage in Havanna

Originaltitel
7 días en La Habana
Alternativ
7 Days in Havana
Regie
Laurent Cantet, Benicio Del Toro, Julio Médem
Darsteller
Josh Hutcherson, Vladimir Cruz, Magali Wilson, Daisy Granados, Claudia Muniz, Luis Alberto Garcia
Kinostart:
Deutschland, am 11.07.2013 bei Alamode Filmdistribution
Kinostart:
Österreich, am 12.07.2013 bei ThimFilm
Kinostart:
Schweiz, am 30.05.2013 bei Frenetic Films
Genre
Episodenfilm
Land
Frankreich, Spanien
Jahr
2012
FSK
ab 6 Jahren
Länge
129 min.
IMDB
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
7,0 (Filmreporter)
5,0 (1 User)
Kreativer Episodenfilm über die Vielfalt Havannas
Sieben Kurzgeschichten liefern eine Momentaufnahme von Kubas Hauptstadt Havanna. Sie führen den Zuschauer in eine pulsierende Metropole, die von Melancholie, Sehnsüchten und Klischees geprägt ist. "7 Tage in Havanna" erzählt sieben Geschichten an sieben Tagen, von sieben Regisseuren in Szene gesetzt. Am Montag reist der junge Amerikaner Teddy Atkins (Josh Hutcherson) erstmals nach Kuba. Im Rausch der Nacht fällt der naive Schauspielstudent einem kubanischen Klischee zum Opfer.

Am Dienstag will ein bekannter Filmregisseur (Emir Kusturica) in Havanna einen Preis entgegennehmen, findet jedoch mehr Gefallen am musikalischen Talent seines Chauffeurs. Mittwoch muss sich die kubanische Sängerin Cecilia (Melvis Santa Estevez) zwischen ihrem in Havanna verwurzeltem Freund (Leonardo Benítez) und einem spanischen Geschäftsmann (Daniel Brühl) entscheiden, der ihr eine große Karriere verspricht.

Die Begegnung zwischen den Fremden und den Einheimischen ist der rote Faden der Geschichten. Die Einheimische ringen mit ihren Ängsten und Sehnsüchten, die Touristen fehlt der emotionale Zugang zum Geschehen, sie sind eher stille Beobachter. Dennoch gibt es zwischen beiden ein Zusammenspiel, eine Art Verständigung, welche die einzelnen Episoden durchzieht.
"7 Tage in Havanna", "Paris, je t'aime" (2006) und "New York, I Love You" (2008) haben viel gemein. In den Episodenfilmen fangen mehrere Regisseure das Gefühl der jeweils Titelgebenden Stadt ein. In "7 Tage in Havanna" versuchen unter anderem Regieneuling Benicio Del Toro ("Savages"), Julio Médem ("Habitación en Roma"), Elia Suleiman ("The Time That Remains") und Laurent Cantet ("In den Süden") die Atmosphäre der kubanischen Hauptstadt Havanna auf die Kinoleinwand zu bannen. Dies gelingt nicht jeder Episode und Szene. Zu oft wird der Zuschauer an die bekannten touristischen Plätze geführt und mit den bekannte Klischees gelangweilt.

Die Streifzüge durch ein gestyltes Havanna könnten glatt aus einem touristischen Werbefilm stammen. Nur selten wird auf die politische Situation Kubas angespielt, Havanna das paradiesische Gefängnis wird nur angedeutet. Die Qualität der Episoden schwankt sehr, so dass man sich als Zuschauer wünscht, länger in der einen Geschichte verharren zu dürfen und die nächste Anekdote auszulassen.

Heraus sticht das flotte Regiedebüt von Benicio del Toro, der seinen bewusst klischeebeladenen Amerikaner in eine ebenso klischeebeladene kubanische Familie schickt, um ihm dort im Rausch des Nachtlebens mit seinen eigenen Erwartungen zu konfrontieren. Den absoluten Lichtblick stellt jedoch die Episode "Tagebuch eines Neuankömmlings" des palästinensischen Filmregisseurs Elia Suleiman dar, der sich in seiner symbolträchtigen und wortkargen Geschichte selbst darstellt. Immer wieder lauscht er im Fernseher gebannt den Worten Fidel Castros. Mit stoischer Ruhe und einer gewissen Distanz verharrt er in symmetrischen und sich wiederholenden Aufnahmen Havannas. Er schafft es, dem Zuschauer durch die symbolträchtigen Bilder mehr über die polarisierende Metropole Havanna zu vermitteln als die übrigen Episoden. "7 Tage in Havanna" ist insgesamt ein geistreicher und kreativer Film, der es dem Zuschauer ermöglicht, entspannt in das Leben der florierenden Metropole Havanna einzutauchen.
Arno Eisner, Filmreporter.de
2022