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Underwater Love - A Pink Musical

Originaltitel
Onna no kappa
Genre
Musical, Fantasy
 
Japan/Deutschland 2011
 
87 min
Medium
Kinofilm
 
 
Kinostart
27.10.2011 ( D ) bei Rapid Eye Movies
 
 
Regie
Shinji Imaoka
Darsteller
Sawa Masaki, Yoshirô Umezawa, Ai Narita, Mutsuo Yoshioka, Fumio Moriya, Emi Nishimura
Homepage
http://www.uwl-kappa.com
Links
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
1 7,0(Filmreporter)
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Underwater Love - A Pink MusicalRapid Eye Movies
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenTrailerGalerieDVDsbewerten

Japanischer Pinkfilm mit großartigen Bildern

Als Pinkfilm bezeichnet man bestimmte japanische Softerotikfilme, die jenseits des Mainstreams von unabhängigen Produktionsfirmen realisiert werden. Obwohl oder gerade wegen seines geringen Budgets hat sich der Pinkfilm als formales Experimentierfeld für junge, ambitionierte Filmemacher erwiesen. Durch seine ungezwungene Machart, das in den Filmen häufig zum Ausdruck eines freien Lebensgefühls dient, aber auch mit seinem erotischen Element hat er seit Anfang der 1960er Jahre eine größere Zuschauerschaft gewonnen. Shinji Imaoka zählt zurzeit zu den prominentesten Vertretern des Pinkfilms. Sein skurriles "Underwater Love - A Punk Musical" ist von seinen billigen Entstehungsbedingungen über das Ungezügelte seiner Gestaltungsform bis hin zu seinen mehr oder weniger gewagten Sexszenen eigentlich ein typischer Vertreter des Genres. Die Fusion mit internationalen Beteiligten wie der deutschen Kinolabels Rapid Eye Movies, dem international renommierten Kameramann Christopher Doyle und der deutschen Elektropop-Gruppe Stereo Total machen das Musical dann doch zu einer Ausnahmeerscheinung.

"Underwater Love - A Pink Musical" handelt von Asuka (Sawa Masaki), die in einer Fischfabrik arbeitet. Die junge Frau steht kurz vor der Heirat mit ihrem Vorgesetzten. Als sie in einem nahegelegenen See einem Kappa - einem japanischen Fabelwesen - begegnet, wird ihre Weltsicht auf den Kopf gestellt. Sie erkennt in dem Wasserbewohner ihren ehemaligen Jugendschwarm Aoki (Yoshirô Umezawa) und nimmt ihn zu sich in die Wohnung. Die Anwesenheit Aokis mündet in einen Streit, als dieser mit dem Verlobten Asukas konfrontiert wird. Neben diesem Konflikt entfaltet Imaoka einen weiteren, welche die ohnehin schon skurrile Handlung noch verrückter werden lässt. Irgendwann taucht der Todesgott in Gestalt eines Frauenkleider tragenden Mannes auf, um nach dem Leben Asukas zu trachten. Und so entführt Aoki Asuka in einen entlegenen Wald, wo sie in den Besitz einer Analpille gelangen können, die Asuka vor dem Todesgott retten kann.


Der skurrile Inhalt von "Underwater Love - A Pink Musical" gibt vor, was Shinji Imaoka auf der formalen Ebene weiterführt. Der Trash-Charakter des Films ist nur vordergründig. Dahinter verbirgt sich ein eigenwilliges, doch grundsolides Werk, das auf überzeugende Weise das Genre des Melodrams, der Romanze und des Musical vermischt und das Ganze von der überragenden Arbeit von Kult-Kameramann Christopher Doyle zusammenhalten lässt. Sicher bedingt durch das niedrige Budget gibt sich "Underwater Love - A Pink Musical" in einem betont billigen Look. Das Erscheinungsbild des Kappa wird ganz bewusst als Maske herausgestellt, die zahlreichen Tanzchoreografien erscheinen wie unkontrolliertes spastisches Gehopse, während einige Lieder an Kitsch und inhaltlicher Belanglosigkeit kaum zu überbieten sind. Andererseits ist nicht zu übersehen, dass Imaoka den Trash-Faktor einzelner Elemente als stilistisches Merkmal begreift. Genüsslich zelebriert er das Skurrile und Verrückte und verdichtet damit in der Form eine Anschauung, die das Ekstatische und das Außer-Sich-Sein im Augenblick des emotionalen Ausbruchs huldigt. Nicht umsonst sind die Musical-Elemente integrale Bestandteile des Films, ist doch der unvermittelte Umschwung von der Prosa des Realen in die Poesie des Gesangs und des Tanzes als Ausdruck des emotionalen Befindens wesentliches Merkmal dieses Genres. Die Handlung sei für den Fan des Musical-Genres Imaoka sekundär. Sobald die Musik ansetze, "die Leute anfangen zu tanzen und diese Bewegung und diese ganze Dynamik reinkommen, dann packt es mich so, dass mir die Tränen aus den Augen schießen", so der Regisseur.

Das Skurrile und Ekstatische, das Spontane und Unmittelbare des Inhalts werden durch die wunderbare Kameraarbeit Doyles abgefangen und auf angenehme Weise kontrastiert. Seine kunstvollen Bilder geben dem Form- und Grenzenlosen Stabilität und verleihen "Underwater Love - A Pink Musical" insgesamt eine künstlerische Note. Selbst hektische Kamerabewegungen und Reißschwenks, welche die Dynamik der Tanznummern umsetzen sollen, gehorchen stets einem Gestaltungsplan. Großartige poetische Aufnahmen - etwa die von den Seerosen, die den Handlungsfluss immer wieder für kurze magische Momente unterbrechen, oder der Blick auf den mythisch aufgeladenen See - verstärken das künstlerische Element des Films. Auf der anderen Seite geht Doyles Kamera eine dramaturgische Verbindung mit den mythologischen Motiven des Films ein. Die harmonische Schönheit der Bilder weist auf eine mythische Welt hin, die neben dem irdischen Dasein existiert, wobei diese Koexistenz in den Mischwesen aus Mensch und Fisch ihren Ausdruck findet. In einer während der Dreharbeiten gehaltenen Presseerklärung bemerkt Doyle, dass "Underwater Love - A Pink Musical" entweder der schlechteste oder der beste aller Pinkfilme werde. Der schlechteste Pinkfilm ist "Underwater Love - A Punk Musical" beileibe nicht geworden, die Behauptung, er wäre der beste, wäre ebenfalls zu gewagt. In jedem Fall ist Imaoka, Doyle und Ko. mit dem skurrilen Musical ein bemerkenswertes kleines Werk der Filmkunst gelungen.
Underwater Love - A Pink MusicalRapid Eye Movies
Underwater Love - A Pink Musical
Fabrikarbeiterin Asuka (Sawa Masaki) steht kurz vor der Hochzeit mit ihrem Chef. Als sie in einem See einem Fabelwesen begegnet, wird ihre heile Welt auf den Kopf gestellt. Sie...  Clip starten
"Underwater Love - A Pink Musical" ist ein skurriler Mix aus Melodram, Romanze und Musical. Sein Trash-Charakter wird von den großartigen Bildern des Kameramannes Christopher...
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