Prokino Filmverleih
Die Kommune (Kollektivet, 2016)

Die Kommune

Originaltitel
Kollektivet
Alternativ
Kollektivet - The Commune (CH)
Regie
Thomas Vinterberg
Darsteller
Ulrich Thomsen, Ida Emilie Krarup, Jesper Hyllegaard, Sigga Eythorsdottir, Mikael Kærsgaard, Jacob Højlev Jørgensen
Kinostart:
Deutschland, am 21.04.2016 bei Prokino Filmverleih
Kinostart:
Österreich, am 22.04.2016 bei Polyfilm
Kinostart:
Schweiz, am 21.04.2016 bei Praesens-Film
Genre
Drama
Land
Dänemark
Jahr
2015
FSK
ab 12 Jahren
Länge
111 min.
IMDB
IMDB
Homepage
http://www.kommune-derfilm.de
|0  katastrophal
brilliant  10|
7,0 (Filmreporter)
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Tiefgründige Komödie von Thomas Vinterberg
Das Ehepaar Erik (Ulrich Thomsen) und Anna (Trine Dyrholm) lebt seit Jahren harmonisch zusammen. Er ist erfolgreicher Architekt und Universitätsprofessor, sie eine erfolgreiche, national bekannte Nachrichtensprecherin. Tochter Freja (Martha Sofie Wallstrøm Hansen) ist das Produkt ihrer Liebe. Nach dem Tod von Eriks Vater erbt dieser das große Anwesen des Verstorbenen. Für den knauserigen Erik ist die Villa viel zu groß, Anna jedoch möchte sie nicht verkaufen, sondern lieber selbst einziehen. Erik lässt sich überreden, er rechnet nach und kommt zu dem Schluss: Sie können sich die laufenden Kosten für das Gebäude nicht leisten. Die Lösung hat Anna schnell parat: Man kann doch daraus eine Kommune gründen, bestehend aus Freunden und Bekannten, die Kosten würden sich alle teilen.
'Zwischen meinem neunten und 19. Lebensjahr lebte ich in einer Kommune. Es war eine verrückte, warme und fantastische Zeit, in der ich von Genitalien, Bier, akademischen Diskussionen, Liebe und persönlichen Tragödien umgeben war', sagte Thomas Vinterberg über "Die Kommune". Ja, was der dänische Regisseur in seinem neuen Film erzählt, hat biographische Wurzeln. Das Drehbuch hat er erneut mit Tobias Lindholm geschrieben, es ist ihre dritte Zusammenarbeit nach "Submarino" und "Die Jagd". Vor der Kamera versammelte er nach "Zwei Helden" und "Das Fest" wieder Ulrich Thomsen und Trine Dyrholm, zwei Topstars des dänischen Kinos.

"Die Kommune" beginnt als leichtfüßige Komödie. 'Ich habe Ole, einen gemeinsamen Freund, wegen der Idee bereits verständigt', eröffnet Anna ihrem verdutzten Ehemann und erklärt, warum sie es ohne dessen Einverständnis getan hat. Sie langweile sich nach all den gemeinsamen Jahren und möchte endlich mal etwas Neues, Aufregendes erleben. Eriks Reaktion: Aufregend? Ole und aufregend? Es folgt ein Schnitt, im Bild taucht Ole auf, ein Linksliberaler mit Lederjacke, Schnauzer, Zigarette im Mundwinkel und zwei Tüten in der Hand, die seinen gesamten Besitz enthalten. Es ist die Einführung des genannten Gewinners.

Fast unmerklich ändert sich die Tonlage und "Die Kommune" wandelt sich von einer Komödie zur bitteren Farce. Während die Mitglieder der Kommune enger zusammenrücken, wagt Erik zunächst einen Alleingang. Eine Studentin macht ihm Avancen, er steigt drauf ein, die beiden beginnen eine Affäre. Es dauert nicht lange, bis das Verhältnis entdeckt wird, jedoch nicht von Ehefrau Anna, sondern von Tochter Freja. Erik entscheidet, in die Offensive zu gehen und die Affäre seiner Frau zu gestehen.

Spätestens hier spielt auch Vinterberg mit offenen Karten. Die Reaktion Annas auf Eriks Beichte pendelt nicht nur zwischen Komik und Tragik, sie hat auch entlarvenden Charakter. Und ist dabei wunderbar mehrdeutig. Meisterhaft seziert Vinterberg den linksliberalen Zeitgeist der 1970er Jahre, in denen die Tragikomödie angesiedelt ist. Die Parolen jener Zeit: Freiheit des Individuums jenseits bürgerlicher Zwänge, Antiautorität, Gleichheit, Toleranz und Verständnis stellen Vinterbergs Kommunen-Mitglieder über die Gefühle des Einzelnen. Oder sind die Maximen der Hippies nur Vorwand? Wollen sie die Wahrheit, das Leid des anderen, nicht sehen, weil sie sonst mit den Konsequenzen konfrontiert werden würden? Es ist Vinterbergs Thema, das er bereits in "Das Fest" und zuletzt in "Die Jagd" eindrucksvoll behandelt hat: Das Leugnen der Wahrheit um der Selbsterhaltung willen.
Willy Flemmer, Filmreporter.de
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2022