© Lupa Film, Hanno Lentz, DCM
Tom Schilling & Saskia Rosendahl in "Fabian - Oder der Gang vor die Hunde" (2021)

Fabian - Oder der Gang vor die Hunde

Originaltitel
Fabian - Oder der Gang vor die Hunde
Alternativ
Fabian - Der Gang vor die Hunde; Fabian: Going to the Dogs
Genre
Drama
Land /Jahr
2021
 
176 min
Medium
Kinofilm
Kinostart
01.07.2021 ( Kino Deutschland ) bei DCM (Delphi Filmverleih)
Regie
Dominik Graf
Darsteller
Tom Schilling, Saskia Rosendahl, Albrecht Schuch, Meret Becker, Michael Wittenborn, Petra Kalkutschke
Homepage
https://www.lupa-film.com/en/our-prod...
Links
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
6,0 (Filmreporter)
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Dominik Graf adaptiert Werk von Erich Kästner
Dr. Jakob Fabian (Tom Schilling), gehört im Berlin der Weltwirtschaftskrise zu den Glücklichen, die ihre Arbeit nicht verloren haben. Der 32-jährige Germanist hat eine Anstellung in der Werbeabteilung einer Zigarettenfabrik. Nachts streift er mit seinem Studienfreund Labude (Albrecht Schuch) durch das wilde Berliner Nachleben. Tief in seinem Herzen fühlt er sich in dieser sexuell-freizügigen Szene unwohl. Trotzdem folgt er Irene Moll (Meret Becker) in deren Schlafzimmer, ergreift aber schlagartig die Flucht, als deren Mann auftaucht, um den Seitensprung abzusegnen. In den folgenden Wochen wird Fabian ihr immer wieder begegnen und ihre Avancen abwehren, in ihre Geschäfte verwickelt zu werden.

Privat erlebt Fabian das größte Glück, als er sich Hals über Kopf in Cornelia Battenberg (Saskia Rosendahl) verliebt, die seine Gefühle erwidert. Der Absturz folgt prompt. Er wird unter einem Vorwand gefeuert, Cornelia verlässt ihn, um ihre Karriere als Schauspielerin durch die Liaison mit einem Regisseur zu befeuern. Labude verschwindet und begeht Selbstmord. Die Fakultät hatte seine Dissertation abgelehnt, was sich als Irrtum herausstellt. Doch der betreuende Professor ist angesichts des sich an den Unis ausbreitenden rechten Drucks nicht bereit, Labude posthum zu habilitieren.

Mit seinem moralischen Kompass schafft es Fabian den Versuchungen der dekadenten Vergnügungsmetropole zu widerstehen, doch die Enttäuschung über Cornelias Entscheidung und den Tod Labudes setzen ihm zu. Er muss erst erkennen, dass sie nicht aus freien Stücken handeln, sondern jeder nur so viel wert ist, wie er verkaufen kann. Und sei es den eigenen Körper oder die Würde. Trotzdem hält Fabian an der Illusion fest, sein privates Glück zu machen.
Erich Kästners "Fabian. Die Geschichte eines Moralisten" erscheint 1931 und gilt heute auch auf Grund seines literarischen Stils als kritisch-moralischer Blick auf die glorifizierten goldenen Zwanziger Jahre. Auf Druck des Verlages verzichtet Kästner auf den von ihm gewünschten Titel "Der Gang vor die Hunde" und streicht ein Kapitel. Erst 2013 erscheint eine Gesamtausgabe, auf die Regisseur Dominik Graf in der zweiten Adaption des Stoffes zurückgreift. Kästner lehnt zu Lebzeiten alle Verfilmungen des Stoffes ab. Erst sechs Jahre nach seinem Tod kommt 1980 Wolf Gremms Verfilmung in die Kinos und wird mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

Graf macht aus der Vorlage das Porträt eines Menschen, der auf Grund seiner moralischen Maßstäbe und seiner Erlebnisse im 1. Weltkrieg versucht, sich die Welt vom Leib zu halte. Zunehmend verzweifelt er jedoch an der Welt und dem Sinn des Lebens. Sein Schicksal bettet Graf in eine große Liebesgeschichte, und versetzt es gar mit einem Schuss Romantik. Letztlich ist sein Film eine Hommage an das Berlin der 1920er Jahre und eine Verbeugung vor Erich Kästner. Mit kleinen Veränderungen der Handlung öffnet er Beziehungen zur Biografie des unvergessenen Autors.

Zunächst versetzt uns Graf wie Kästner in die Beobachterposition Kästners: Mit langen Kamerafahrten und schnellen Schnittfolgen, bei denen er verschiedene Kameraformate und Archivmaterial einsetzt, fängt er das Leben in der pulsierenden Metropole Berlin ein. Erst mit Beginn der Liebesgeschichte zwischen Cornelia und Fabian wird das Erzähltempo ruhiger. Ganz verzichten mag Graf aber nicht auf die schnelle Auflösung der Szenen in außergewöhnliche Blickwinkel und unterschiedliche Richtungen.

Immer wieder wirft er Zitate aus dem Roman ein, was oft wirkt, als traue er seinen eigenen Bildern nicht. Auch das Schlussbild der Bücherverbrennung, bei der der 'Sudel-Roman' wie alle Werke Kästners im Feuer landet und der Moralist daneben steht, braucht der Zuschauer nicht. Zu überdeutlich und manchmal etwas didaktisch weist Graf schon zuvor auf die braune Gefahr hin, die auch wachsen kann, weil sich zumindest in Berlin Tausende zu Tode amüsieren.
© Lupa Film, Hanno Lentz, DCM
Videoclip:
Filmischer Gang durch Berlin der 1920er Jahre. 
Galerie:
Erich Kästners "Fabian. Die Geschichte eines Moralisten" aus dem Jahr 1931 wirft einen kritisch-moralischen Blick auf die goldenen 1920er Jahre.
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenTrailerGalerieDVDsbewerten
2021