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Siberia

Originaltitel
Siberia
Genre
Drama
 
Italien/Deutschland/Mexiko 2020
 
92 min, ab 12 Jahren (fsk)
Medium
Kinofilm
 
 
Kinostart
02.07.2020 ( D ) bei Port au Prince Pictures
 
 
Regie
Abel Ferrara
Darsteller
Willem Dafoe, Dounia Sichov, Simon McBurney, Cristina Chiriac, Daniel Giménez Cacho, Fabio Pagano
Homepage
https://vivofilm.it/production/siberia/
Links
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
Es gibt noch keine Userkritik!
Siberia (2018)Port au Prince Pictures
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenTrailerGalerieDVDsbewerten

Spirituelle Reise eines einsamen Wolfes

Clint (Willem Dafoe) machte das Leben zum gebrochenen Mann. In einer einsamen Hütte in den rauen Bergen will er den Neuanfang wagen. Er betreibt dort ein kleines Café, in das sich aber nur selten jemand verirrt. Doch selbst in dieser Einöde fällt es ihm schwer, Ruhe zu finden. An einem einsamen, dunklen Abend hält er es nicht mehr aus. Er setzt sich in seinen Hundeschlitten und macht sich auf eine Reise, um seine Dämonen zu bekämpfen und sich mit seinen Träumen, Erinnerungen und Visionen zu konfrontieren.

Realität und Halluzination verschmelzen in dem sechsten gemeinsamen Film von Willem Dafoe und Abel Ferrara zu einer spirituellen Reise und bruchstückhaften Suche nach dem eigenen Ich und einer Abrechnung mit der eigenen Vergangenheit und seine inneren Plagegeistern. Er trifft dabei auf seine Eltern, insbesondere die Mutter hat ihn geprägt. Weitere Begegnungen hat er mit einer schwangeren Russin (Ferraras Frau Cristina Chiriac), seinen kleinen Sohn (Anna Ferrara) - den er wohl im Stich ließ, einen seltsamen Mönch. Es folgen Erinnerungsfetzen an ein Todeslager, an Hinrichtungen und Folter.

Clint - unübersehbar nach "Tommaso" das zweite Mal ein alter ego des Regisseurs - stellt sich seiner Schuld, sucht Sühne und bittet verzweifelt um Vergebung seiner Sünden.


Abel Ferrara bleibt seinen Lieblingsthemen treu, die das Werk des agent provocateur des amerikanischen independent Kinos seit Jahrzehnten begleiten. Allen voran die Reibung mit der katholischen Kirche und die Abrechnung mit der eigenen Biografie. Einmal mehr setzt Ferrara bei der Besetzung auf die eigene Familie, spart dabei auch explizite Beischlafszenen nicht aus. Willem Dafoe vögelt sich seit Jahren durch ihre gemeinsamen Filme. Was vor 40 Jahren noch als Provokation galt, wirkt heute eher peinlich.

Der Film bleibt eine Ansammlung von Versatzstücken verschiedener Assoziationsebenen. Wirr die Montage, diffus die Andeutungen. Die erneute Zusammenarbeit der beiden nach Rom ausgewanderten Amerikaner endet in einem künstlerischen und inhaltlichen Irrgarten voller Reflexionen, Assoziationen und Erinnerungen, die sich nur bedingt zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Ferrara stellt sich offenbar nur seinen eigenen Dämonen, er offenbart das Innerste seiner Seele. Nicht weniger, nicht mehr.

Im gemeinsamen Oeuvre der beiden ist dieses Diagramm der Fehlentscheidungen eines alten Mannes der schwächste Film. Dass sich auch ein deutscher Koproduzent an der Finanzierung beteiligte, wirft Fragen auf, wieso dieses Konzept durchgewunken wurde.
Willem Dafoe in "Siberia" (2018)Port au Prince Pictures
Willem Dafoe in "Siberia" (2018)
Clint (Willem Dafoe) hat in seinem Leben schon viel erlebt, fast schon zu viel. Der gebrochene Mann will mit seinem Leben abschließen und zieht in eine einsame Hütte.  Clip starten
Abel Ferrara bleibt den Themen treu, die sein Werk seit Jahrzehnten prägen.
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