farbfilm Verleih
Quo Vadis, Aida? (2020)

Quo Vadis, Aida?

Originaltitel
Quo Vadis, Aida?
Alternativ
Quo Vadis Aida
Genre
Drama
Land /Jahr
Bosnien & Herzegowina, Österreich, Rumänien, Niederlande, Deutschland, Polen, Frankreich, Norwegen 2020
Kinostart
05.08.2021 bei farbfilm verleih
FSK
ab 12 Jahren
Länge
101 min.
Medium
Kinofilm
Kinostart Deutschland
am 05.08.2021 bei farbfilm verleih
Kinostart Österreich
am 25.06.2021 bei Polyfilm
Kinostart Schweiz
am 05.08.2021 bei cineworx
Regie
Jasmila Zbanic
Darsteller
Jasna Djuricic, Izudin Bajrovic, Boris Ler, Dino Bajrović, Johan Heldenbergh, Raymond Thiry
Links
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
8,0 (Filmreporter)
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Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenTrailerGaleriebewerten
Extras: Originalfassung (Bosnisch, Englisch, Holländisch) mit deutschen Untertiteln • Deutsche Fassung (Deutsch, Englisch, Holländisch) mit teilweisen deutschen Untertiteln
Hervorragend durchkomponierter Thriller
Englisch-Lehrerin Aida (Jasna Đuričić) hat den furchtbaren Krieg der Serben und Kroaten gegen Bosnien als Übersetzerin der UN-Friedenstruppe bislang gut überstanden. Im Juli 1995 spitzt sich die Lage in ihrer Heimatstadt jedoch noch mehr zu. Serbische Truppen stehen vor den Toren Srebrenicas. Zehntausende verzweifelte Menschen suchen in der UN-Schutzzone Schutz, obwohl die hygienischen Verhältnisse in dem überfüllten Lager unhaltbar sind. Alle wissen um die Vertreibungen der Bosnier aus ihren Gemeinden und der systematischen Erschießung von Männern und Jungen durch die serbischen Aggressoren.

Aida hofft sich sowie ihren Mann Nihad (Izudin Bajrović) und ihre beiden Söhne Hamidja (Boris Ler) und Ejo (Dino Bajrović) mit den abziehenden Truppen in Sicherheit bringen zu können. Zunächst gelingt es, ihre Angehörigen ins bereits geschlossene Lager zu bringen. Doch die völlig überforderten verängstigten niederländischen Blauhelme, die sich auf die Worte der immer aggressiver auftretenden Serben vertrauen, befolgen stur ihre Befehle. Nur die Angestellten genießen Schutz, ihre Angehörigen sind auf sich selbst gestellt. Diese Haltung stürzt Aida, die bis zum Schluss ihre Pflicht erfüllt, und die drei Männer in ein Wechselbad der Gefühle, bei dem immer wieder ein Fünkchen Hoffnung aufkeimt. Auch weil unter den serbischen Truppen ehemalige Nachbarn und Schüler von Aida sind.
Künstlerisch knüpft die filmische Chronistin der jüngeren bosnischen Geschichte Jasmila Žbanić mit ihrem dramaturgisch hervorragend durch komponierten Thriller, der in den Wettbewerb des Filmfestivals von Venedig eingeladen war und für Bosnien ins Oscar-Rennen geht, an ihre früheren Werke an.

Es ist der überragenden Regiekunst der bosnischen Regisseurin geschuldet, den Spannungsfaden und die Hoffnung der Zuschauer auf ein Happy End hoch zu halten, obwohl der traurige Ausgang ja bekannt ist. Rund 8.000 Bosnier werden im Juli 1995 in und um Srebrenica erschossen, von vielen fehlt bis heute jede Spur. Wer über bosnische Friedhöfe fährt, sieht in fast allen Kleinstädten die Folgen des systematischen Genozids, der 1992 begonnen hatte. Die Weltöffentlichkeit tut die Berichte über die Hinrichtungen trotz der Einkesselung und des Beschusses von Sarajewo lange als Gräuel-Propaganda ab.

Für Jasmila Žbanić wird das Trauma des Krieges zum Antrieb ihres künstlerischen Schaffens. Als Kind durchleidet sie zwischen 1992 bis 1995 die Belagerung Sarajewos. Mit ihrem Langfilm-Debüt "Esmas Geheimnis - Grbavica" thematisiert brillant und einfühlsam die schwierige Lage der vergewaltigten Bosnierinnen, die Kinder von ihren Peiniger bekommen. Dafür gewinnt sie bei der Berlinale den Goldenen Bären. Die zweite Einladung nach Berlin erhielt sie vier Jahre später für die Liebesgeschichte "Zwischen uns das Paradies", in der sie weitsichtig die schleichende Islamisierung in ihrer Heimat aufzeigt, durch welche die Frauenrechte immer weiter einschränkt werden.

Das Drehbuch für "Quo Vadis, Aida?" beruht lose auf dem Buch "Unter der Flagge der Vereinten Nationen. Die Staatengemeinschaft und der Völkermord von Srebrenica" von Hasan Nuhanovic. Er arbeitet als Übersetzer in der Schutzzone und verliert seinen Vater und seinen Bruder bei dem Massaker. Er erstattet später Anzeige wegen "Völkermord und Kriegsverbrechen" gegen Oberstleutnant Thomas Karremans, dem feigen Befehlshaber der UN-Schutztruppe.

Im Film wird aus Hasan Nuhanovic die Übersetzerin Aida - großartig dargestellt von Jasna Đuričić. Mit dem Vorrücken der Serben beginnt für sie ein harter Kampf, um das Unheil für die Bosnier und vor allem die eigene Familie abzuwenden, das sich in den Verhandlungen von Karreman (Johan Heldenbergh) mit dem serbischen General Mládic (Boris Isaković) anbahnt. Sie sind nie auf Augenhöhe. Und durch Aidas Übersetzungen geraten ihre Männer zusätzlich in Gefahr.
Katharina Dockhorn/Filmreporter.de
Aida hat den Krieg der Serben bislang gut überstanden. Im Juli 1995 spitzt sich die Lage in ihrer bosnischen Heimat jedoch zu.
 
Jasmila Žbanić knüpft mit dem hervorragend durchkomponierten Thriller an frühere Werke an.
farbfilm Verleih, Christine A. Maier
Quo Vadis, Aida? (2020)
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2021