Wild Bunch Germany
Das Mädchen mit den goldenen Händen (2021)

Das Mädchen mit den goldenen Händen

Originaltitel
Das Mädchen mit den goldenen Händen
Genre
Drama
Land /Jahr
Deutschland 2021
Kinostart
2021
FSK
ab 12 Jahren
Länge
107 min.
Medium
Kinofilm
Kinostart Deutschland
am 17.02.2022 bei Wild Bunch
Regie
Katharina M. Schubert
Darsteller
Corinna Harfouch, Christian Koerner, Imogen Kogge, Gabriela Maria Schmeide, Peter-René Lüdicke, Ulrike Krumbiegel
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IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
6,0 (Filmreporter)
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Poetische Geschichte über blühende Landschaften
Gudrun (Corinna Harfouch) sitzt und schweigt in der ostdeutschen Provinz, ein kleiner Akt der Rebellion. Sie ist in dem Ort ihrer Kindheit, einem überaus tristen Kaff. Mit der Besetzung des früheren Kinderheimes will die 60-Jährige dieses vor dem Verkauf an westdeutsche Investoren retten. Sie hat vergeblich mit Worten gegen die Entscheidung von Bürgermeister Jens (Jörg Schüttauf) gekämpft, ein Hotel anzusiedeln. Im Dorf ist sie alleine mit ihrem Wunsch, in dem alten Gebäude ein Gemeindezentrum einzurichten. Sie fühlt sich von ihren alten Freundinnen (Ulrike Krumbiegel, Gabriela Maria Schmeide) verraten, die ebenfalls für die Renovierung mit dem Geld aus dem Westen plädieren.

Am Rande steht einmal mehr Tochter Lara (Birte Schnoeink), die längst aus der Kälte des Elternhauses und der übergriffigen Allmacht der Mutter nach Berlin geflohen ist. Zum runden Geburtstag der Mutter ist sie dennoch zurückgekehrt. Doch die packt weder das Geschenk aus noch lässt sie ihr die Hoheit über die Jubiläumsrede, mit der Lara ihre Mutter ehren will. Die erneute Demütigung kann Laras Liebe zur Mutter erstaunlicherweise nicht erschüttern. Das liegt auch daran, dass Gudruns Lebensgefährte Werner (Peter-René Lüdicke) ihr stets den fehlenden Halt gab. Er seinerseits erträgt Gudruns Egoismen mit stoischer Gelassenheit.
Die Handlung ihres Langfilmdebüts teilte Schauspielerin Katharina M. Schubert in drei Kapitel, die Gudrun, Lara und Werner gewidmet sind. Ihre poetische Geschichte führt ins Jahr 1999, als der große Traum von den blühenden Landschaften im Osten platzt und sich Depression und Enttäuschungen im Osten breit machen. Diese Stimmung macht der Film, auch dank brillant komponierter Bilder, die die Stimmung der Figuren spiegeln, nachvollziehbar.

Der Kampf um das Kinderheim, das die in einem Körbchen ausgesetzte Gudrun 1940 aufnahm, wird zum Symbol des Verlustes von Heimat, des Fremdseins im eigenen Land, das viele Ostdeutsche befällt. Gudrun fürchtet eine weitere Verlusterfahrung, die sie prägt und das Verhältnis zu ihrer Tochter von deren Geburt an beeinflusst. Der Tochter-Mutter-Konflikt wird herausragend ausgespielt. Eine warmherzige, innige Beziehung zu ihrer Tochter kann Gudrun nie aufbauen - auch dies ein gelungenes Gleichnis auf die Gefühle vieler Bürger, die die DDR nie geliebt haben aber die sie dann doch bis heute vermissen. Die enttäuscht sind, dass ihre Lebensleistung für wertlos erklärt wird, was bis heute nachwirkende Kränkungen verursacht.

Jörg Schüttauf spielt den Repräsentant der neuen Ordnung. Er wird in diesem Film quasi zum Boten des Teufels und dessen Vollstrecker. Diese Anspielung in der Figurenzeichnung führt Schubert durch Zitate aus dem wenig bekannten Grimm'schen Märchen "Das Mädchen ohne Hände" ein, in dem ein armer Bauer meint, nur seinen Apfelbaum an den Teufel zu verkaufen und zu spät merkt, dass es der Gegenspieler Gottes auf seine Tochter und seine Seele abgesehen hat.
Katharina Dockhorn/Filmreporter.de
Die poetische Geschichte führt ins Jahr 1999, als der große Traum von den blühenden Landschaften im Osten für viele platzt.
 
Langfilmdebüt von Schauspielerin Katharina M. Schubert.
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Corinna Harfouch in "Das Mädchen mit den goldenen Händen" (2021)
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2021