Matrix Revolutions
Wachowskis beschließen ihre mythische Cyber-Trilogie
Feature: Ein Ende mit Schrecken
Andy und Andy, die Erfinder der Matrix, sind schlau. Lesen selbst am Set Bücher von Philosophen wie Schopenhauer, heißt es. Wissen, dass jede Trilogie einen Anfang und ein Ende hat. Was ja nichts anderes bedeutet, als dass der im Mai extrem erfolgreich angelaufene "Matrix Reloaded" sozusagen der Anfang vom Ende gewesen sein muss. Mit "Matrix Revolutions" wird nun das dicke Ende nachgeliefert.
Von  Frank Geissler, Filmreporter.de,  1. November 2003
Warner
Viele nasse Hugo Weavings in: (Matrix Revolutions)
Und das ist wahrlich ziemlich dick aufgetragen. "Matrix Revolutions" beginnt mit äußerst verwirrenden Dialogen zwischen Neo (Keanu Reeves) und einigen anderen Personen, die zwar menschliche Züge besitzen, aber in Wahrheit schlicht und einfach Computerprogramme sind. Eine Einleitung, die uns also dort abholen soll, wo "Matrix Reloaded" endete, die aber tatsächlich vor allem Verwirrung stiftet. Kein guter Anfang für einen Film, dessen hochtrabender Anspruch sich immer wieder an den bombastischen Bildern und den Anspielungen auf die menschliche Kulturgeschichte von der Bibel bis zu den alten Griechen zeigt - und der doch letztlich an diesen Ansprüchen scheitert.

Bald wendet sich "Matrix Revolutions" vom eigentlichen Helden Neo ab, widmet sich eine Weile dem wohltuend normalen, ja geradezu gemütlichen Orakel, oder dem exzentrisch-französischen Merowinger - und verfolgt dann lange Zeit nur noch Trinity (Carrie-Anne Moss), Morpheus (Laurence Fishburne), Niobe (Jada Pinkett Smith) sowie die bedrohliche Attacke der Maschinen auf Zion, die letzte Bastion der Menschheit. Erstaunlich, wie es sich die Wachowski-Brüder erlauben, von ihrem eigentlichen Helden Neo abzulassen und sich mit anderen Dingen und Figuren zu beschäftigen. Dass tut dem Spannungsaufbau gut, weil die Stadt Zion gegen die Truppen des allmächtigen Maschinenfeindes kaum eine Chance hat.
Warner
Keanu Reeves im Kampf mit Hugo Weaving (Matrix Revolutions)
Neo , der erst spät so richtig in das Geschehen eingreift, wirkt kaum noch angreifbar, seit er sich nicht nur in der Matrix, sondern immer und überall göttergleich fortbewegen kann. Zwar werden ihm in einem ersten Zweikampf mit dem von Smith besessenen Bane die Augen abgefackelt. Dafür steigt Neo zum blinden Messias auf, der auch ohne Augenlicht die Welt klarer und deutlicher sieht als alle anderen Kreaturen der Matrix inklusive seines bitterbösen computerprogrammierten Gegners Smith (Hugo Weaving), der sich in der Matrix verselbständigt hat und nun mit der Herrschaft in allen Welten liebäugelt.

Als Zuschauer kann man an dieser Stelle, wie auch eigentlich während des gesamten Films, nur noch staunen. Einerseits über die immer noch grandiosen Effekte und den am Computer komponierten Bildern, die uns präsentiert werden. Sie haben das Kino wahrhaftig ins neue Jahrtausend katapultiert. Doch aufgrund des multimedial-global inszenierten Matrix-Overkills rufen sie nach einer Weile nur noch ein mildes Gähnen hervor. Andererseits staunt man über die kryptischen und zugleich immer mehr ins Lächerliche abdriftenden Dialogzeilen, die die Wachowskis ihren Helden in den Mund legen. Ständig hören wir, dass Neo, das Orakel, oder eine andere beliebige Person noch nicht bereit für das sei, was da kommen möge. Da werden wir immer wieder daran erinnert, dass alles, was einen Anfang hat, auch ein Ende haben muss. Und da wird von Neo öfters die Frage aufgeworfen, was das alles zu bedeuten habe. Eine Frage, die man sich als Zuschauer auch stellen wird, wenn man das Ende der Trilogie gesehen hat - und auf die wohl nur die wenigsten eine vernünftige Antwort finden werden. Vielleicht hat es also durchaus sein Gutes, dass alles, was einen Anfang hat, irgendwann auch zu Ende geht. Jedenfalls hat es etwas Befreiendes, zu wissen, dass der ganz normale Matrix-Wahnsinn bald vorbei sein wird.
Von  Frank Geissler, Filmreporter.de,  1. November 2003
Zum Thema
Alles Matrix, oder was? Der zweite Teil der Saga, "Matrix Reloaded", lockte im Frühjahr zwar die Massen in die Kinos. Trotz spektakulärer Elemente hielt er aber doch nur für die Produzenten (Einnahmen ohne Ende) und hartgesottene Fans (Neo ohne Ende), was er versprach. Nun ruhen die Hoffnungen auf "Matrix Revolutions", der die Trilogie zu einem würdigen Ende führen soll.
Science-Fiction und Computerwelten waren sich nie so nah wie im Actioner der Brüder Wachowski. Nicht zuletzt die sensationellen Effekte haben "Matrix" zu Kult werden lassen. Computer-Spezialist Thomas "Neo" Anderson (Keanu Reeves) kämpft mit Morpheus (Laurence Fishburne) und dessen Anhängern gegen die Fremdbeherrschung der Menschen durch Maschinenwesen. Doch ihr Kampf scheint aussichtslos. Neo muss zunächst erkennen, dass vielleicht er der lang ersehnte Retter der Menschheit ist.
Thomas Anderson stellt sich den Maschinen im Matrix-Sequel gleich im Doppelpack. Mit seinen Mitstreitern Morpheus (Laurence Fishburne) und Trinity (Carrie-Anne Moss) versucht er erneut, die Matrix zu knacken und die Menschheit aus ihrer Scheinwelt zu befreien. Hacker Neo (Keanu Reeves) und die Leiter des Wiederstands kämpfen weiter für Freiheit und Wahrhaftigkeit des menschlichen Daseins.
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