Sony Pictures
Regisseur Ron Howard am Set
Mord im Louvre
Feature: Zerstörter Mythos
Nach dem Sieg im Plagiatsprozess eröffnen Ron Howards Verfilmung des Weltbestsellers "The Da Vinci Code" die Filmfestspiele in Cannes. Doch was von Seiten der Macher seit Monaten als große Hoffnung im Kinosommer 2006 proklamiert wurde, erschüttert die Grundfesten der Bestseller-Lektüre.
Von  Johannes Bonke/Filmreporter.de,  18. Mai 2006
Sony Pictures
Audrey Tautou und Tom Hanks
Mord im Louvre
Der berühmte amerikanische Symbolologe Robert Langdon (Tom Hanks) wird eines Nachts in den Louvre beordert. Jacques Saunière, der Direktor des Museums wurde ermordet. Rund um den blutverschmierten Tatort befinden sich mysteriöser Symbole und Zeichen, mit denen die Polizei nichts anzufangen weiß. Langdon schon, doch er kann fortan niemandem mehr trauen, denn durch eine entschlüsselte Nummernfolge stößt er in den Werken Leonardo Da Vincis auf ein Geheimnis, das so alt ist wie das Christentum selbst. Mit Hilfe von Saunières Enkelin Sophie Neveau (Audrey Tautou) gelingt ihm die Flucht, und verfolgt von Geheimbünden und Polizei (allen voran: Jean Reno) beginnt eine spektakuläre Jagd nach dem Heiligen Gral von Frankreich nach England.
Ricore
Selbstkomik, Langeweile - und zwei wandelnde Lexika
Cannes, Dienstag, 20:32Uhr: Der Film, auf den Fans und Fachpublikum seit Monaten warten, wurde endlich der Weltpresse vorgestellt. Doch leider wird schnell klar, warum die fertige Fassung bis zwei Tage vor dem Kinostart zurückgehalten wurde. Denn dem Ränkespiel um die größte Vertuschungsaktion der Menscheitsgeschichte, das Dan Browns Buch "Da Vinci Code - Sakrileg" zum Harry Potter-Phänomen für Erwachsene werden ließ, war Regisseur Ron Howard offenbar nicht gewachsen. Er hat versagt, und zwar auf voller Linie. Schon das Intro, bei dem sich der Name des Filmverleihers unter voluminösen Klängen von Hans Zimmer ins Bild rollt, ist spannender als der eigentliche Film.

Der Film wird dominiert von Audrey Tautou und Tom Hanks, zwei rastlosen Seelen mit Hang zum Mythischen, er Professor, Sie Enkelin des Louvre-Direktors. Doch ihre minutenlangen Gespräche über die tiefsten Geheimnisse der kirchlichen Mythologie ziehen sich in die Länge, die Fachsimpelei verkommt zur Komik und zwei an sich grandiose Schauspieler zu wandelnden Lexika, die man in einem Unterhaltungsfilm nur schwer ertragen kann. Was im Buch funktioniert, weil ellenlangen Erklärungen durch die eigene Imaginationswelt angereichert werden, wird bei der filmischen Umsetzung auf zwei Personen reduziert, die durch verstaubte Gemäuer torkeln und mit ihrer Faselei ständig den Erzählfluss unterbrechen.
Sony Pictures
The Da Vinci Code - Sakrileg
Wo beim Zuschauer Spannung aufkommen sollte, beobachtet man lieber, wie die Sitznachbarn auf die unfreiwillige Komik reagieren: Wer bei der Pressevorführung in Cannes nach 149 Minuten nicht geschnarcht hat, hat entweder köstlich gelacht oder ordentlich gepfiffen. Nur wirklich gespannt war niemand.

Was hat Tom Hanks in den letzten Jahren nicht für interessante Rollen gespielt: Als "Forrest Gump" hat er die Herzen des Publikums erweicht, in "Verschollen" bewies er Mut zum Speckbauch und selbst in dem von der Kritik mit vergleichsweise verhaltener Kritik bedachte "Catch me if you can" lieferte er ein amüsantes Katz- und Mausspiel als Kripobeamter. Aber "Da Vinci Code"? Die schauspielerische Leistung sind bescheiden. Man wird das Gefühl nicht los, die zweistellige Millionengage wäre besser in eine Überarbeitung des Drehbuchs investiert worden.

Ein Jammer
Denn die Ansätze hätten eigentlich gestimmt: Paul Bettany glänzt als aschfahler, sich selbst geißelnder Meuchelmörder, Sir Ian McKellen gibt sich gewohnt souverän als fanatischer Fan des Heiligen Grals und Hans Zimmer vermag mit seiner Musik die Spannung verleihen, die dem Film letztlich leider nicht gelungen ist. Ron Howard hat wieder einmal bewiesen: Manche Bücher sollten einfach doch nicht verfilmt werden. Geheimnis verraten, Mythos zerstört. Es lebe Hollywood!
Von  Johannes Bonke/Filmreporter.de,  18. Mai 2006
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