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RETRO Feature

Ein leichtfertiger Hauswirt
Illustrierte Filmbühne

Glück ist, mit Jack Lemmon zu arbeiten

"Schauspielerei macht mich an"
Der zweifache Oscar Preisträger Jack Lemmon ist mit seinen vielen Komödien bekannt geworden. Aber gerade seine Ausflüge ins ernste Fach zeigen ihn als vielseitigen Charakterdarsteller. Seine einfühlsame Darstellung sowohl komischer als auch tragischer Figuren machte Lemmon zu einem der beliebtesten Schauspieler seiner Zeit. Allerdings wirkte er außerhalb des Filmsets immer ein bisschen traurig. Das meinte zumindest sein Biograph Don Widener. War der "Jedermann" nur glücklich, wenn er arbeiten konnte?
Tony Curtis und Jack Lemmon in "Manche mögen's heiß"
Film Revue
Tony Curtis und Jack Lemmon in "Manche mögen's heiß"

Das Leben als Theaterstück

"Es ist schwer genug ein gutes Drama zu schreiben, noch schwerer ist eine gute Komödie und das Schwerste von allen, ist ein Drama mit komischen Elementen. Das aber ist das Leben." Manche Menschen kommen unter einem glücklichen Stern zur Welt, die Umstände unter denen Jack Lemmon geboren wird, kann man wohl eher als Missgeschick bezeichnen. Lemmon erblickt zwar in einem Krankenhaus das Licht der Welt, genau genommen allerdings in dessen Aufzug! Diese Episode wird nicht das letzte Malheur bleiben, das dem späteren Komödianten widerfährt. Lemmon ist ein selbsternannter Tollpatsch. Sein Leben, gibt er oft zu, sei eine Reihe von Fauxpas. Diese Eigenart konnte Lemmon allerdings gut für seine Filmrollen benutzen. Seine Schauspielkarriere ist eng mit zwei Namen verknüpft, die an seinem Image nicht ganz unschuldig waren: Billy Wilder und Walter Matthau. Unter Wilders Regie und mit Matthau als Filmpartner wird Lemmon zu dem neurotischen Jedermann, der zwar immer das Beste will, aber ständig in Katastrophen schlittert. Im Film sind Matthau und er unvereinbare Gegenpole, im wahren Leben werden sie zu besten Freunden. Das seltsame Paar Lemmon und Matthau spielt in zehn Filmen zusammen, Wilder besetzt ihn in sieben Komödien. Um zu einem vielseitigen Charakterdarsteller zu werden, reichen diese Komödien noch nicht aus.


Jack Lemmon als Angestellter
Illustrierte Filmbühne
Jack Lemmon als Angestellter

Mut zum Risiko

Mit 50 Jahren, in einem Alter in dem andere Schauspieler auf Nummer sicher gehen, geht Lemmon mehr Risiken ein, als zu Beginn seiner Karriere. Zusätzlich zu seinen ernsten Rollen in "Das China Syndrom" (1979) und "Vermisst" (1982) spielt er am Broadway eine Hauptrolle in Eugene O'Neills Stück "Eines langen Tages Reise in die Nacht". Lemmon wird dafür von der Kritik gelobt. Seine Bemühungen im ernsthaften Fach werden anerkannt. Von den acht Oscar-Nominierungen, die Lemmon im Laufe seiner Karriere erhält, bekommt er fünf für dramatische Rollen. Dabei gilt er als beeinflussbarer Schauspieler. In Billy Wilders Biographie "NoBody's Perfect" wird er folgendermaßen zitiert: "Ich bin sehr empfindsam. Wenn meine Filmfigur einen Nervenzusammenbruch hat, habe ich auch einen." Lemmons erste tragische Rolle illustriert diese Vermischung von Film und Leben. In "Die Tage des Weines und der Rosen" (1962) verkörpert er einen Alkoholiker und prägt den Satz: " Mein Name ist... und ich bin Alkoholiker." 35 Jahre später gibt Lemmon in der amerikanischen Talkshow "Ungeschminkt" zu, dass er nicht gespielt habe, als er diesen Satz vor der Kamera formulierte. Lemmon ist bis zum Ende seines Lebens ein allerdings trockener Alkoholiker. Trotzdem oder gerade deshalb gehört die Figur des Alkoholikers Joe Clay zu seinen besten Rollen.


Der Glückspilz
20th Century Fox
Der Glückspilz

Tribut an eine Legende

Unter den Filmschaffenden Hollywoods zählt Lemmon zu den beliebtesten Schauspielern. Viele seiner Kollegen werden zu seinen Freunden. Und er inspiriert viele Nachwuchsdarsteller. Kevin Spacey erinnert sich an ein Treffen, als Lemmon schon eine Legende ist. Nach einem Broadwaystück gibt er ihm Tipps für seinen weiteren Karriereverlauf. Noch weiter mit seiner Ehrfurcht geht Schauspieler Ving Rhames. Bei der Verleihung der Golden Globes im Jahr 1998 holt Rhames, der gerade einen Preis als bester Hauptdarstellerin einem Fernsehfilm erhalten hat, den ebenfalls nominierten Lemmon auf die Bühne. Er umarmt den völlig überraschten Kollegen und überreicht ihm unter Tränen seine Auszeichnung. Als Antwort spricht Lemmon von einem der schönsten Momente in seinem Leben. Kurz vor dessen Tod spielt Lemmon noch einmal mit Walter Matthau zusammen. "Ein verrücktes Paar - Alt verkracht und frisch verliebt" (1993) gilt als eine der besten Neuauflagen aller Zeiten und wird wegen des Erfolgs fortgesetzt. Nur zweimal in seiner Laufbahn spielt Lemmon eine Todesszene. Eine davon in "Die Legende von Bagger Vance" (2000). Es ist sein letzter Auftritt in einem Film, bevor er am 27. Juni 2001 in Los Angeles stirbt. Lemmon wird auf dem Westwood Village Memorial Park Cemetery beerdigt. Auf dem Friedhof liegt auch das Grab seines Freundes Walter Matthau.

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