Film Revue
Curd Jürgens als Dr. von Basil
Weltgewandter normannischer Schrank
Retro Feature: Curd Jürgens liebt den Luxus
Von der deutschen Leinwand schaffen nicht viele Schauspieler den Sprung in die große weite Welt. Einer der ersten, dem das Kunststück gelang, war Curd Jürgens. Im Nachkriegsdeutschland bekannt geworden, ist er bald in internationalen Produktionen an der Seite von Weltstars zu sehen. 193 cm hoch gewachsen, markante Gesichtszüge, blonde Haare und blaue Augen sind die Attribute, die seinem Erfolg beflügeln. Kaum ein anderer pflegte das Image des Lebemanns so ausschweifend wie "der normannische Schrank": fünf Ehefrauen, Häuser in aller Welt und eine Leidenschaft für Rolls-Royce.
erschienen am 28. Juni 2021
Film Revue
Curd Jürgens und Erika Balqué
Curd, der Schauspieler
Dabei hat er zunächst gar nicht vor, Schauspieler zu werden. Nach der Schule arbeitet Curd zunächst als Redakteur beim Berliner 8-Uhr-Abendblatt. Doch Theater und Film faszinieren ihn doch bald und so nimmt der Hühne Schauspielunterricht. Seine erste Ehefrau Lulu Basler bestärkt ihn in seinen Plänen. 1935 erhält er ein erstes Bühnenengagement in Dresden am Metropoltheater. Im gleichen Jahr gibt er sein Leinwanddebüt an der Seite von Paul Hörbiger in Herbert Maischs "Königswalzer". Die Grundsteine für eine große Karriere sind gelegt. In seiner über 40 Jahre dauernden Bühnenpräsenz hat er über 160 Filme gedreht und zahlreiche klassische Rollen gespielt. Unter anderem gehört er, der 1945 österreichischer Staatsbürger wird, über Jahre zum Ensemble des Wiener Burgtheaters. Sein ausschweifender Lebensstil zieht jedoch oft mehr Aufmerksamkeit auf sich, als seine Kunst.
Film Revue
Curd Jürgens
Curd, der Frauenheld
Im Laufe seines Lebens sammelt Curd fünf Ehefrauen. Die erste war Lulu, es folgen über die Jahre Judith Holzmeister, Eva Bartok und das Fotomodell Simone Bicheron. Zuletzt ist er bis zu seinem Tod mit Margie Schmitz vermählt. Zwischendurch berichteten die Boulevardblätter immer wieder von Affären mit allerleih Schauspielkolleginnen. Margie haben wir zu verdanken, dass wir fernab vom Image des Lebemanns auch etwas vom Privatmensch Curd Jürgens erfahren. Denn sie hat sich nicht an seinen letzten Willen gehalten, den gesamten schriftlichen Nachlass im Pool der Villa in Nizza mit einem Freudenfeuer zu verbrennen. 15 Jahre nach seinem Tod übergibt sie 40 Umzugskartons gefüllt mit Briefen, Tagebüchern und Zeitungsausschnitten dem Deutschen Filmmuseum in Frankfurt. Nun ist sich die Filmwissenschaft nicht ganz einig: War er einfach nur ein luxussüchtiger Dandy oder schlummert hinter der harten Fassade ein sensibler Kern? Oder widerspricht sich am Ende gar nicht?
Film und Frau
Curd Jürgens in "Auge um Auge"
Curd, der Lebemann
Das Image eines Lebemannes hat Curd Jürgens wie kaum ein anderer deutschsprachiger Schauspieler der Nachkriegszeit gepflegt. Fast möchte man seinen Lebensstil als dekadent bezeichnen. Er unterhält mehrere Häuser in Wien, Frankreich, der Schweiz und den Bahamas. Außerdem hat er eine Leidenschaft für die Luxuslimousinen der Marke Rolls Royce. Die Partys, die Curd in seiner Villa in Nizza feiert, kann man nur legendär nennen. Das gilt auch für die Gäste: Alain Delon, Romy Schneider, Gunter Sachs und Brigitte Bardot, Robert Mitchum und Orson Welles sind auf unzähligen Partyfotos zu sehen. Liz Taylor und Richard Burton bedanken sich nach einem Fest per Telegramm für die schöne Zeit in Nizza. Den Champagner soll Curd bei Partys nur in Magnumflaschen serviert haben. Er liebte das schnelle und exzessive Leben. Am 3. August 1970 ist in seinem Tagebuch zu lesen: "Verlasse Cesar's Hotel in Tijuana. Morgendlich schnelle Fahrt nach L.A. in die Sonne. Frühstück, Pool & Schlaf." Über Dreharbeiten mit Jacqueline Bisset schreibt der Frauenheld: "Jacqueline im Nachthemd: Der schönste Busen." Curd hat mit allen großen Namen seiner Zeit gedreht. In "James Bond 007: Der Spion, der mich liebte" war er schließlich der Gegenspieler von Roger Moore.
Filmrevue
Curd Jürgens mit Schauspielkollegin Dorothy Dandridge in Cannes 1958.
Curd, der Einsame?
Zu seinen Leinwandpartnerinnen zählen neben den bereits genannten Damen auch Ingrid Bergman, Nadja Tiller, Anita Ekberg und Catherine Deneuve. Brigitte Bardot hat ihm während der Dreharbeiten zu "Und immer lockt das Weib" seinen Spitznamen der normannische Schrank verpasst. Da fragt man sich doch gleich doppelt gespannt wer wohl auf das Originaldrehbuch von "Des Teufels General" die Worte "Ich liebe dich. Bitte glaub es mir" geschrieben hat? Auch Romy Schneider soll in jungen Jahren in ihn verliebt gewesen sein. Sieben Briefe von der jungen Romy wurden in seinem Nachlass gefunden. So waren ihm wohl bei allen erwiesenen und vielen vermuteten Affären die Gefühle der Damen nicht ganz egal, wenn er die Erinnerungsstücke aufbewahrt hat. Und auch Trennungen scheinen nicht spurlos an ihm vorüber gegangen zu sein. Nach der Scheidung von seiner vierten Ehefrau Simone schreibt er in sein Tagebuch: "Das Haus ist noch so erfüllt von S., dass ich es kaum ertrage. Nachts ohne Schlaf. Ich bete".

Curd Jürgens hat nach der Devise gelebt: "Es ist wichtiger, den Jahren mehr Leben zu geben, als dem Leben mehr Jahre. Und beim Sterben sollte einem geholfen werden, nachgeholfen." Das hat er. Trotz zahlreicher Herz-OPs verzichtet er bis zum Ende nicht auf seinen ausschweifenden Lebensstil, liebt sein morgendliches Glas Whiskey und seine Zigarette. Am 18. Juni 1982 stirbt er im Alter von nur 66 Jahren.
erschienen am 28. Juni 2021
Zum Thema
Curd Jürgens' Schauspielkarriere war beachtlich. Er war bei zahlreichen Theatern in ganz Europa Intendant und war selbst aktiver Theater- und Filmschauspieler. 1945 nahm er die österreichische Staatsbürgerschaft an und besaß fortan mehrere Grundstücke in Österreich. Genauso aufregend wie seine beruflichen Tätigkeiten waren seine fünf Ehen und sein ausschweifendes Privatleben. Beides erregte seit jeher das Interesse von Medien und Öffentlichkeit. So war er dem Alkohol, den Zigaretten und dem..
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