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Eine zwiespältige Person: Erik Jan Hanussen (O.W. Fischer)
Film Revue

Die Faszination der Massen

O. W. Fischer spielt Magier Hanussen

Der umtriebige Regisseur und Schauspieler Otto Wilhelm Fischer hat laut der Zeitschrift Filmrevue 1955 seinen neuen Film fertiggestellt. In "Hanussen" übernimmt er persönlich die Rolle des zwiespältigen Magiers Erik Jan Hanussen. Dabei fragt man sich, wie sich zwei so unterschiedliche Charaktere in dieser Rolle vereinen können.
Von  Lize Alpaslan/Filmreporter.de,  1. September 2014
Grace Colligny (Marie Dominique) verfällt dem Magier Hanussen
Film Revue
Grace Colligny (Marie Dominique) verfällt dem Magier Hanussen

"Es ist wahr, wenn man es glaubt"

Eine Parallele mag es in Form der Faszination geben, die Fischer und Hanussen alias Steinschneider, so sein Geburtsname, auf die Massen ausüben. Akteur O.W. Fischer entfernt sich von den Vorwürfen, Hanussen sei ein reiner Gaukler gewesen, wenn er betont, dass "nach heutigem Stand menschlicher Erkenntnis sich jene, die an das Wunder glauben, nicht mehr lächerlich machen als jene, die es leugnen". Der Film widmet sich Hanussens Leben, seiner geheimnisumwobenen Persönlichkeit und seiner Kooperation mit NS-Machthabern. Schließlich macht er sich jegliche Erfolgschancen zunichte, als er den Reichstagsbrand und den Niedergang des Dritten Reiches voraussagt.


Hanussen (O.W. Fischer) mit seiner Geliebten Priscilla (Erni Mangold)
Film Revue
Hanussen (O.W. Fischer) mit seiner Geliebten Priscilla (Erni Mangold)

Der jüdische Nazi-Sympathisant

Der Österreicher Hermann Chajm Steinschneider alias Erik Jan Hanussen wurde in den 1920er und 1930er Jahren als Hellseher und Magier gefeiert. In seinem Buch "Meine Lebenslinie" entlarvte er sich allerdings selbst als Hochstapler. Mit Hilfe billiger Tricks und Täuschungen baute er sich ein Geschäftsimperium auf und genoss weltweites Ansehen. Hanussen war jüdischer Abstammung, dennoch sympathisierte er mit Parteifreunden Hitlers. Bis heute ist ungeklärt, aus welchen Kreisen der Künstler vom bevorstehenden Reichstagsbrand erfuhr, um ihn wenig später vorherzusehen. Als die Nazis von Steinschneiders jüdischen Wurzeln hörten, brachten sie ihn nach der Machtergreifung 1933 um.

Die Figur Erik Jan Hanussen wurde von Filmemachern aus aller Welt aufgegriffen. Nach O.W. Fischer 1955 versuchten sich unter anderem István Szabó 1988 mit "Hanussen" und Werner Herzog 2001 mit "Invincible - Unbesiegbar" an der filmischen Umsetzung des widersprüchlichen Menschen.
Von  Lize Alpaslan/Filmreporter.de,  1. September 2014

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