RETRO News
Film Revue
Hansjörg Felmy
Star wider Willen
Hansjörg Felmy betört Publikum
Innerhalb von zwei Jahren hat sich Hansjörg Felmy zum Star gemausert. Weil dem Schauspieler Falschmünzerei gegen den Strich geht, will er eigentlich gar keiner sein - zumindest nicht, wenn man mit diesem Begriff einen industriell hochgezüchteten, durch Geld und Werbung künstlich interessant gemachten Filmhelden verbindet. Der gebürtige Berliner ist vom typischen Charakter seiner Heimatstadt gezeichnet, in der man gemeinhin alles pompös Scheinheilige argwöhnisch betrachtet.
Von  Tobias Röhring/Filmreporter.de,  29. August 2016
Film Revue
Schuhputzer Hansjörg Felmy
Harte Schale, weicher Kern
Hansjörg Felmy gilt als phantasievoller Schauspieler, der seinen Beruf versteht, liebt und mit einer an Manie grenzenden Besessenheit ausübt, wie die Filmzeitschrift Film Revue am 17. März 1959 schreibt. Vielleicht lässt sich ja durch diese stets nach außen getragene Energie die Gunst erklären, die der Mime beim Kinopublikum genießt.

Bisweilen präsentiert er sich der Öffentlichkeit mit Freude als Rabauke. Dabei verbirgt sich hinter der harten Schale ein durchaus sensibler Mann, der seine Gefühle lieber für sich behält. Schließlich muss er sein Innerstes als Schauspieler oft genug nach außen kehren. Mit seinen ehrlichen Darstellungen vor der Kamera lässt Felmy so manchem Zuschauer eine Gänsehaut über den Rücken fahren. Er zählt eben zu den Könnern seines Fachs und muss sich als Star bezeichnen lassen - ob er nun will, oder nicht.
Film Revue
Guten Morgen, Herr Felmy!
Internationale Ehren
Hansjörg Felmy wurde am 31. Januar 1931 als Sohn des Fliegergenerals Hellmuth Felmy und dessen Frau Helene geboren. Aufgewachsen ist der gebürtige Berliner in Braunschweig. Nachdem er das Gymnasium aufgrund eines Streits mit einem Lehrer ohne Abschluss verlassen hatte, versuchte er sich zunächst als Schlosser und Buchdrucker, bevor er schließlich den Weg auf die Theaterbühne fand. Sein erstes Engagement erhielt er 1949 in Carl Zuckmayers "Des Teufels General" am Staatstheater Braunschweig.

Acht Jahre später folgte der erste Kinoauftritt in "Der Stern von Afrika" an der Seite von Joachim Hansen. Danach trat Felmy in erfolgreichen Produktionen wie "Haie und kleine Fische" (1957) und "Die Buddenbrooks" (1959) auf, die ihm auch internationale Aufmerksamkeit bescherten. So spielte er unter anderem 1966 in Alfred Hitchcocks "Der zerrissene Vorhang". Dem Fernsehpublikum wurde er zwischen 1974 und 1980 als Kommissar Haferkamp im Essener "Tatort" bekannt.

Nach der Scheidung von seiner ersten Frau, der Schauspielkollegin Elfriede Rückert, heiratete Felmy 1986 seine langjährige Lebensgefährtin Claudia Wedekind. Mit dieser lebte er bis zu seinem Tod am 24. August 2007 zusammen.
Von  Tobias Röhring/Filmreporter.de,  29. August 2016

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