Neue Filmwelt
Monsieur Charlie Chaplin.
"Monsieur Verdoux" verpönt
Retro News: Charlie Chaplins Gesellschaftskritik
Charlie Chaplin hat Publikum und Kritiker mit der schwarzhumorigen Komödie "Monsieur Verdoux - Der Frauenmörder von Paris" verärgert. Die Amerikaner fanden die Geschichte des Frauenmörders von Paris gar nicht lustig. Vorstellungen wurden boykottiert und die Presse nahm sich das private Leben von Chaplin vor. Woran glaube denn der Filmemacher, wenn er sich an so einen grausigen Stoff wagt? Die Redaktion der Kinozeitschrift Neue Filmwelt (4. Heft/1948) hinterfragt die Ursachen der Empörung.
Von  Tzveta Bozadjieva, Filmreporter.de,  13. Juli 2015
Neue Filmwelt
Charlie Chaplin in "Der Frauenmörder von Paris"
Gesellschaftskritiker oder Clown?
Orson Welles hatte die Idee, die wahre Geschichte des Frauenmörders Henri Landru (1869-1922) zu verfilmen. Charlie Chaplin überarbeitete das Drehbuch und inszenierte das Werk. Im Mittelpunkt seiner Umsetzung steht der von Chaplin gespielte Bankkassierer Henri Verdoux. Dieser verliert in den wirtschaftlichen Turbulenzen des Ersten Weltkrieges seine Anstellung. Von der Not getrieben, seine kranke Frau und den Sohn zu ernähren, lässt er sich mehrfach auf Ehen mit einsamen, reichen Frauen ein. Kurz nach der Hochzeit bringt er sie um und beraubt sie.

Die makabre Geschichte wühlt die Geister auf. Mit seiner schonungslosen Gesellschaftskritik hält der als Clown abgestempelte Chaplin einen Zerrspiegel hoch, der das hässliche Antlitz seiner Zeitgenossen offenbart. Die Komödie ist das moralische Urteil einer Gesellschaftsordnung, die einen Menschen in Not auf die schiefe Bahn bringt.
Arthaus (Kinowelt Home Entertainment)
Charlie Chaplin - Monsieur Verdoux - Der Frauenmörder von Paris
Verkannte Qualität
Henri Landru ist als 'Frauenmörder von Paris' in die Geschichte eingegangen. Hans Otto Löwenstein brachte mit "Wenn man Frauen betört" erstmals einen Film über ihn auf die Leinwand. Die Filmprüfstelle in Berlin untersagte jedoch Vorführungen in Deutschland. Charlie Chaplins Drehbuch zu "Monsieur Verdoux - Der Frauenmörder von Paris" wurde 1948 für den Oscar nominiert. Im Großen und Ganzen wurde jedoch die Qualität der bitterbösen Komödie verkannt.

1963 traute sich auch der französischen Regisseur Claude Chabrol an die Geschichte. "Der Frauenmörder von Paris" stellt Landru als Möbelhändler dar, der seine Familie mit der Beute seiner Morde ernährt. Eine weitere Verfilmung fand im Jahr 2005 statt, als Pierre Boutron "Désiré Landru" drehte.
Von  Tzveta Bozadjieva, Filmreporter.de,  13. Juli 2015
Zum Thema
Für viele ist der in London geborene Sir Charles Chaplin der größte Komiker aller Zeiten. Seine von ihm kreierte Figur des Fred Karno, der ihn erstmals einem breiteren Publikum bekannt macht. Mit Karnos Truppe tourt Chaplin durch England, Frankreich und die USA. 1913 unterschreibt der Komiker bei der D. W. Griffith, Mary Pickford und Douglas Fairbanks gründet Chaplin am 5. Februar 1919 die Filmgesellschaft Der Vagabund und das Kind" ("The Kid") beginnt 1921 seine Spielfilmkarriere. In den..
Nach dem Tod seiner Eltern wurde der Arzt Dr. Maurice Bernstein Orson Welles' Vormund. Dieser erkannte früh das schauspielerische Talent seines Zöglings und setzte die Bemühungen der Mutter fort, ihn entsprechend auszubilden. Welles betätigte sich aber auch mit außerordentlichem Erfolg als Regisseur. Seine Vertonung des Science-Fiction-Klassikers "Krieg der Welten" von H.G.Wells wirkte dermaßen realistisch, dass im Oktober 1938 Zuhörer in Panik gerieten, die USA würden von Außerirdischen..
In "Monsieur Verdoux - Der Frauenmörder von Paris" spielt Charlie Chaplin den Bankkassierer Henri Verdoux, der in den wirtschaftlichen Turbulenzen des Ersten Weltkrieges seine Anstellung verliert. Um seine Familie weiterhin ernähren zu können, wird er zum Mörder. Mit seiner schwarzhumorigen Komödie übt Chaplin Kritik an einer Gesellschaftsordnung, die einen Menschen in Not auf die schiefe Bahn bringt.
Weitere Retronews
Mehr als 14 Jahre arbeitete der berühmte Flieger Charles A. Lindbergh an seinem Buch "Mein Flug über den Ozean", das in Deutschland ein Jahr später als in den USA erschien. Allerdings gingen dem Erscheinen der amerikanischen Originalausgabe "The Spirit of St. Louis" 1953 mehrere Diskussionen, um nicht zu sagen, Skandale voraus. Vor allem aufgrund seiner politisch umstrittenen Position.
Jeder kennt ihn, den Operettenkönig Franz Lehár und seine unsterblichen Melodien. Doch wer weiß schon, dass der große Komponist auch in einem selbst gedrehten Spielfilm mitwirkte? Und das schon in den 1910er Jahren, wo der Film noch kaum seinen Kinderschuhen entwachsen war.
In Berlin unter den Linden spielt das neue Melodram von Gerhard Lamprecht. Es trägt den Titel "Die Geliebte" und ist in den 1910er Jahren angesiedelt. Willy Fritsch spielt einen feschen Offizier, der sich Hals über Kopf verliebt und sogar den Dienst quittieren will. An seiner Seite sehen wir erstmals die junge Schauspielerin Viktoria von Ballasko.
2021