Concorde Filmverleih
Claude Chabrol ("Kommissar Bellamy")
Claude Chabrol: Frauen an die Macht!
Starfeature: Der Buddha unter den Regisseuren
Claude Chabrol ist der ultimative Beweis dafür, dass Träume wahr werden können. Bereits seine erste Filmarbeit wird ein Kassenschlager. Damit ist der Weg geebnet. Ohne seine erste Ehefrau hätte er diesen nicht beschreiten können. Ob Chabrol ein Frauenversteher geworden ist? Der Franzose macht in jedem Interview deutlich, dass er sich als Feminist bezeichnet und dass er Frauen mehr gesellschaftlichen Einfluss wünscht.
erschienen am 23. Juli 2009
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Kommissar Bellamy
Könnte der französische Regisseur Claude Chabrol ohne Frauen leben, geschweige denn arbeiten? Nein, weder das eine, noch das andere! Er ist gemeinhin als Frauenregisseur bekannt. Er hat seine Favoritinnen, die er immer wieder für seine Werke engagiert. Eine ist Isabelle Huppert, über die er sagt, sie würde seine Anweisungen bis aufs Komma genau ausführen. Sie verstehen sich ohne viel Worte, was bei der Vielzahl gemeinsamer Projekte nicht verwunderlich ist. Und so darf sie ihm auch ins Gesicht sagen, dass sein Ego so gigantisch sei, dass man es schon gar nicht mehr sehen könne. Chabrol reagiert auf eine derartige Angriffe nicht beleidigt, er nutzt sie, um über sich nachzudenken. "Ich glaube, dass sie womöglich Recht hat. Wahrscheinlich ist mein Ego einfach so groß, dass ich längst jenseits des Narzissmus und der Egozentrik stehe", gibt er 2003 in einem Interview mit der Zeit zu.
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Marie Bunel und Gérard Depardieu in "Kommissar Bellamy"
Dreht man die Zeit zurück an die Anfänge wird klar, dass Chabrol ohne die Unterstützung seiner ersten Frau Agnès niemals Regisseur geworden wäre. Der am 24. Juni 1930 geborene Pariser bricht das Studium der Literaturwissenschaft, Recht und Pharmazie ab. Er stammt aus einer Apothekerfamilie und hat nur seinen Eltern zuliebe studiert. "Ich bin durch sämtliche Prüfungen gerasselt - schon die Fragen habe ich nicht kapiert", sagt er 2007 im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Da kommt ihm der Wohlstand seiner Gattin gerade recht. "Meine erste Frau stammte aus reichem Hause und wir haben im Grunde nichts anderes gemacht, als dekadente Partys zu veranstalten. Als sie dann auch noch ihre Oma beerbte, wussten wir gar nicht mehr, wohin mit dem Geld. Da beschloss ich, einen Film zu drehen, um wenigstens einen Teil der Kohle auszugeben", so Chabrol im Interview mit der FAZ. Obwohl er in seinen Werken beinahe ausnahmslos das Leben der französischen Bourgoisie kritisiert, gehört er selbst zu ihr. "Die Enttäuschten" wird ein großer Erfolg und Chabrol erhält beim "Internationalen Film Festival von Locarno" 1958 die Auszeichnung für die beste Regie.
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Claude Chabrol am Set mit Isabelle Huppert
Chabrol realisiert sein erstes Werk ohne das Handwerk zuvor gelernt zu haben. Seine Eltern verweigern ihm ein Studium an der Pariser Filmschule. Also wählt er einen anderen Weg. In den 1950er Jahren wird er Stammgast eines elitären Cineasten-Zirkels und trifft sich regelmäßig mit Gleichgesinnten im Pariser "Café de la Comédie". Daraus ergibt sich seine Arbeit als Kritiker bei dem angesehenen Cahiers de Cinéma. Im Anschluss an den ersten Erfolg muss er einige Flops wegstecken bis ihm in den späten 1960er Jahren weitere kommerzielle Erfolge wie "Eine untreue Frau" (1968) und "Das Biest muss sterben" (1969) gelingen.
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Claude Chabrol
Obwohl Chabrol in vielen Interviews betont, wie sehr er Frauen liebe, gibt es doch einige, an denen er sich die Zähne ausbeißt. Dazu zählt Romy Schneider, die die Hauptrolle in dem Werk "Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen" (1975) übernimmt. "Sie sagte mir schon vor den Dreharbeiten, dass sie keinen Humor besäße. Es stimmte!" so Chabrol 1995 in einem Interview mit dem Internetdienst comcast.net. Trotzdem: von den meisten Frauen kann er nicht genug bekommen, macht aber gleichzeitig deutlich, dass es ihm hierbei nie um fleischliche Gelüste geht: "Ich bin nicht wie Ingmar Bergmann. Ich schlafe nicht mit den Schauspielerinnen", macht er im gleichen Interview deutlich. Aus seiner Bewunderung des weiblichen Geschlechtes mach er kein Geheimnis, so bezeichnet er sich 2001 im Interview mit dem Internetdienst artechock.de als überzeugter Feminist. "Dass Frauen uns aushalten, ist mir ein Rätsel. Das von Männern errichtete Machtsystem entlarvt sich immer mehr als absurd. Frauen sind viel praktischer orientiert als Männer, ihnen gehört die Zukunft." Frauen sind die einzigen, für die Chabrol eine seiner größten Leidenschaften - neben der Arbeit des Regisseurs - wenigstens vorübergehend aufgeben würde. "In meiner unergründlichen Weisheit […] habe ich den Frauen immer sofort sämtliche Wünsche von den Augen abgelesen. Ich glaube, das härteste Liebesopfer, das man mir je abverlangt hat, war die Bitte: Mach deine Zigarre aus, sie stinkt!" verrät er der FAZ.
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Claude Chabrol
Eines ist sicher: Regisseur Claude Chabrol bewundert Frauen aus tiefster Überzeugung. Aber sie sind nicht die einzigen Dinge in seinem Leben, für die er alles geben würde. "Filmen ist für mich wie eine Droge, ohne die ich nicht leben kann", sagt er der FAZ. Er trotzt seinem hohen Alter, denkt nicht im Entferntesten daran, in den Ruhestand zu treten. Zu sehr will er seine Sichtweisen auf die düsteren Abgründe des Bürgertums in Bilder setzen. Aber er weiß, "mit 70 überlegt man sich genau, was man als nächstes macht, noch mal 50 Filme wird schwierig - nicht wahr? Mit anderen Worten: Ich arbeite nicht, sondern ich denke nach!" so Chabrol, der von seinen Kollegen als Workaholic bezeichnet wird. Und fügt selbstbewusst hinzu: "Ich reduziere nur das Tempo. Früher habe ich drei Filme in zwei Jahren gedreht, jetzt zwei Filme alle drei Jahre." Es muss ja auch einen Grund dafür geben, weshalb seine Muse Isabelle Huppert ihn als Buddha der französischen Filmkunst bezeichnet. Nach so einem Kompliment kann man sich ja gar nicht zur Ruhe setzen!
erschienen am 23. Juli 2009
Zum Thema
Aus einer alten Apothekerfamilie stammend, entwickelt sich der französische Regisseur zu einem der wichtigsten Vertreter der François Truffaut, Jean-Luc Godard und Eric Rohmer verleiht Claude Chabrol seinen Werken stets seine wiedererkennbare Handschrift. Dass nicht alle Filme aus dieser Zeit gut waren, weiß Chabrol selbst. Müde ist er mit seinen knapp 80 Jahren dennoch nicht und plant nach "Kommissar Bellamy" im Jahr 2009, der ihn erstmals mit Gérard Depardieu zusammenführte, unverdrossen..
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