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Interview
Ruf der Berge - Schatten der Vergangenheit
ARD Degeto

Traumschiff-Kapitän Siegfried Rauch

Wert der Heimat

Siegfried Rauch ist ein vielseitiger Schauspieler. Mit Hauptrollen in zahlreichen Serien gewann er die Herzen des TV-Publikums. So kennen ihn viele als Kapitän Paulsen. Obwohl Rauch mit dem "Traumschiff" die Welt umsegelt, liebt er privat seine bayerische Heimat, Kultur und Traditionen. Gemeinsam machen wir in unserem Gespräch eine Reise zurück zu seinen schauspielerischen Anfängen. Vor allem wenn man eine Familie ernähren muss, kann sich das schöne Hobby Schauspielerei schnell von seiner harten Seite zeigen.
Von  Andrea Niederfriniger, Filmreporter.de,  4. Dezember 2007
Szene aus "Ruf der Berge 2"
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Szene aus "Ruf der Berge 2"
Ricore: Kennen Sie Südtirol?

Siegfried Rauch: Ja, da fahr ich sehr gerne hin. Wir haben dort einen netten Pfarrer namens Toni Tröger kennengelernt, der kam aus Durnholz. Er war Pfarrer und Wirt - ein wirklich lustiger Mensch. Altenburg, wo er zuletzt tätig war, ist wunderschön. Wir haben immer noch Freunde dort. Das sind tolle Leute. Die Südtiroler sind sehr herzlich, das merkt man auch als Prominenter. Franz Gschnell nimmt mich immer mit in seinen Keller und in Lokale, dann hört man von allen Seiten: "Franz, wenn hast denn du heute dabei? Das ist ja der Kapitän!"

Ricore: Sie sind sehr naturverbunden. Fühlen Sie sich mehr den Bergen oder dem Wasser verbunden?

Rauch: Ich kann auf beides nicht verzichten. Für mich gibt es nur zwei Landschaften: das Meer und die Berge. Das zwischendrin, Hügel, das ist nichts für mich. Das sind Naturelemente denen man Respekt zollt: Am Meer, wenn es stürmt oder wenn man in der Wand hängt und es kommt ein Gewitter, mein lieber Mann...

Ricore: Klettern Sie selbst?

Rauch: Jetzt nicht mehr. Ich habe das für diverse Filmrollen machen müssen. In der TV-Serie "Wildbach" habe ich den Bergwacht-Chef gespielt. Da hängt man dann schon mal im Seil.

Ricore: Haben Sie manchmal das Gefühl, dass die Leute Sie nur als Kapitän Paulsen aus dem Traumschiff wahrnehmen?

Rauch: Nein, ich muss sagen, da habe ich Glück. Ich darf mal einen Kapitän und mal einen Bauern aus dem Schwarzwald spielen. Das ist nicht immer so. Ich spiele den Kapitän noch nicht so lange, trotzdem werden es im kommenden Jahr schon zehn Jahre. Mein Vorgänger war 17 Jahre lang Kapitän des Traumschiffs. Man wird dann schon mal verwechselt, aber bei mir war das bisher nicht so, Gott sei Dank.

Ricore: Haben Sie bevorzugte Reiseziele?

Rauch: Südtirol. Zudem habe ich in der Toskana ein kleines Haus mit Olivenbäumen und einen kleinen Weinberg. Wenn ich über den Brenner fahre, bin ich glücklich, es wird immer wärmer. Dort scheint meist die Sonne. Man fährt nach Bozen, nach Verona, und es wird wärmer und man spürt das italienische Flair. Wir fahren oft in den Süden.


Ruf der Berge - Schatten der Vergangenheit
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Ruf der Berge - Schatten der Vergangenheit
Ricore: Gibt es in der Übersee Ziele, die Sie besonders faszinieren?

Rauch: Ich war einmal in Bora Bora, das war paradiesisch, schon fast beängstigend schön. Aber ich möchte nicht irgendwo anders wohnen, auch nicht in Amerika oder Kanada. Kanada ist sehr schön, aber ich brauche dieses Europa.

Ricore: Wenn Sie mit dem Traumschiff unterwegs sind, haben Sie Zeit, die Reiseziele anzuschauen?

Rauch: Ja natürlich, ich drehe nicht täglich. Ich muss allerdings jeden Tag anwesend sein. Ich kann auch nicht wegen fünf Tagen von Rio de Janeiro nach Hause fliegen, das lohnt sich nicht. In der Zwischenzeit guckt man sich halt etwas an. Man hat ja auch genügend Zeit. Aber nach einer bestimmten Zeit reicht es dann aber wieder. Vor allem gibt es in der Nähe so vieles was man noch nicht gesehen hat. Ständig fährt man in der Welt herum und man sieht die Schönheiten der Heimat nicht. Und ich brauche unsere Tradition und Kultur. Manche Länder sind mir zu neu. Die Kirche in meinem Dorf ist aus dem 11. Jahrhundert, im Gegenteil dazu sind viele Städte nicht älter als hundert oder hundertfünfzig Jahre.

Ricore: Haben Sie sich auf die Arbeit mit den Hunden vorbereitet?

Rauch: Das ist ja schon der zweite Teil von "Der Ruf der Berge". In der Zwischenzeit habe ich Hans Schlegel kennengelernt, mit dem ich 2006 eine Hundeshow gemacht habe. Ich habe ihm zugesehen, wie mit den Tieren arbeitet. Er hat viele Tiere, auch Pferde, welche misshandelt wurden und sich dementsprechend verhalten haben. Nach seiner Pflege waren es jedoch allesamt angenehme Tiere. Ich habe ihn gefragt, wie er das gemacht hat. Er meinte, das sei Psychologie. Es sind die verkehrten Leute, die so ein Tier halten. Das Tier wird völlig verrückt gemacht. Mein jüngerer Sohn ist Hufschmied, der kann gut mit Tieren umgehen.

Ricore: Wie nützen Sie die wenige Freizeit, die Ihnen neben Ihrem Beruf bleibt?

Rauch: Das ist eine gute Frage. Die Freizeit ist tatsächlich etwas zu kurz gekommen. Nach der Arbeit gehe ich am liebsten in den Wald. Da kann ich mich abreagieren, von dem verrückten Beruf. Ich mache auch etwas Sport mit meiner Frau, im Sommer Radfahren, im Winter Langlaufen. Früher ging ich gerne Skifahren, aber das geht jetzt nicht mehr. In vielen Verträgen hat man Klauseln, dass eine Ausfallversicherung nicht bezahlt, wenn einem was passiert, wie beispielsweise beim Skifahren. Im Unglücksfall müsste ich den Ausfall selbst bezahlen und das kann teuer werden. Aber leichte Sachen mache ich auf jeden Fall.

Ricore: Sie haben vorhin verrückte Sachen bezüglich des Schauspielberufs genannt. Können Sie ein Beispiel nennen, was Ihnen im Laufe der Karriere so alles widerfahren ist?

Rauch: Naja, ich arbeite sehr gerne beim Film und es sind auch zauberhafte Teams. Aber es gibt dann auch eine Zeit, da kann ich keine Schauspieler mehr sehen. Viele haben keinen Boden auf dem sie stehen. Ich habe oft das Gefühl, sie laufen mit Antennen herum. Ich brauche dann ganz normale Menschen um mich herum.


Andrea L'Arronge und Siegfried Rauch in "Der Ruf der Berge 2"
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Andrea L'Arronge und Siegfried Rauch in "Der Ruf der Berge 2"
Ricore: Würden Sie sagen, dass es die ältere Generation einfacher hatte, gute Rollen zu ergattern?

Rauch: Für uns war der Beruf sicherlich interessanter. Ich weiß nicht, ob ich es heute noch einmal machen würde, da sich vieles ändert. Früher war es viel interessanter. Man hat Musicals und Theater gemacht. Das wird aber immer weniger.

Ricore: Sie wollten ursprünglich Architektur studieren?

Rauch: Ja, aber das ging nicht. Ich hatte kein Geld dazu. Früher hat das viel gekostet. Man hatte nicht die Möglichkeit, etwas nebenher zu verdienen. Zusätzlich hatte ich Angst vor der Statik, ich war kein so guter Mathematiker, sondern mehr der Künstler.

Ricore: Sie bereuen ihre Wahl also nicht?

Rauch: Nein, auf keinen Fall.

Ricore: Sie haben bei Samuel Fullers "The Big Red One" mitgespielt. Der Film wurde 2004 restauriert und kam knapp 50 Minuten länger erneut in die Kinos.

Rauch: Einmal haben sie in Amerika aus dem gesamten Filmmaterial eine siebenstündige Fernsehserie daraus gemacht.

Ricore: Ist dies für einen Schauspieler eine Genugtuung, so viele Jahre später den ursprünglichen Film in restaurierter und längerer Fassung erneut zu sehen?

Rauch: Ich wurde zu verschiedenen Filmfestivals eingeladen, wie Edinburgh oder Cannes. Aber leider hatte ich nie Zeit. Die Arbeit mit Lee Marvin war schon ein schönes Erlebnis. Das war auch ein super Typ.

Ricore: Was war die größte Herausforderung im Laufe Ihrer Schauspielkarriere?

Rauch: Das war sicherlich "Le Mans". Das war nicht ungefährlich, man musste sehr viel selber machen. Was mir als junger Kerl natürlich gefiel. Auch "Es muss nicht immer Kaviar sein", die Agentenserie, das war eine sehr gute und vielseitige Rolle, eine Herausforderung.


Maximilian Krückl wird in die Kunst der Räucherstäbchen eingeführt
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Maximilian Krückl wird in die Kunst der Räucherstäbchen eingeführt
Ricore: Gibt es einen weiteren Teil von "Der Ruf der Berge"?

Rauch: Das kann man jetzt noch nicht sagen, das kommt auf die Einschaltquoten an. Es liegt zwar auf der Hand, dass Heimatfilme, speziell auch mit Tieren wie in unserem Fall, gut ankommen. Das sehen die Leute gerne, vor allem da es heute sehr viel Brutalität und Verrücktes im Fernsehen gibt. Man hat irgendwann das Verlangen nach etwas Schönem. Aber man weiß nie, wie sich das entwickeln wird.

Ricore: Waren Sie jemals in einer Situation, wo Sie einen Film machen mussten, aufgrund einer finanziellen Notlage?

Rauch: Ja, wenn man zwei Kinder hat, kann man nicht sagen, das spiele ich nicht. Man muss ja Geld verdienen. Der Schauspielberuf ist ein wunderschönes Hobby. Aber wenn man damit Geld verdienen muss, kann es auch manchmal hart sein.

Ricore: Sie spielen auch Theater. Was gefällt Ihnen besser?

Rauch: Ich habe beim Theater angefangen. So hat man früher angefangen, dort lernt man am meisten Rüstzeug. Heute ist das anders. Heute werden junge Leute gecastet, dann kriegen sie einen Coach. Das sind völlig andere Voraussetzungen. Jetzt habe ich eigentlich keine Zeit mehr fürs Theater, unter anderem auch durch das Traumschiff, vor allem da die Dreharbeiten im Winter sind. Was ich mache sind Lesungen. Das mache ich im Dezember, und danach bin ich wieder auf dem Schiff.

Ricore: Genießen die Dreharbeiten zu "Das Traumschiff" oder ist es nur Arbeit?

Rauch: Es ist Arbeit und Urlaub, beides. Es ist vor allem eine wunderbare Atmosphäre, dieses ewig eingespielte Team. Es ist so, dass man fast wie nach Hause kommt. Man kennt das Schiff, man hat seine Kabine, man kennt die Angestellten. Die Arbeit ist sehr angenehm, zumindest für uns Schauspieler. Für das Team ist es manchmal etwas schwierig.

Ricore: Sie haben es gerade erwähnt. Entwickeln sich über all die Jahre der Zusammenarbeit auch Freundschaften, Beziehungen?

Rauch: Ja, das ist klar, da spielt auch der Chef, Herr Rademann, eine große Rolle. Er macht seine Arbeit mit einer großen Freude und viel Humor. Und das Geld stimmt auch. Meist ist das, was er macht, von Erfolg gekrönt. Wenn wir uns freuen, freut er sich wie ein kleines Kind. Er geht richtig auf. Wenn einem etwas Spaß macht, kommt meist etwas Gutes dabei heraus. Man kann nichts mit einem Brechreiz machen.

Ricore: Vielen Dank Herr Rauch für das Gespräch.
Von  Andrea Niederfriniger, Filmreporter.de,  4. Dezember 2007

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