Interview
Rufus F. Folkks/Ricore Text
Brad Pitt (Venedig 2008)
Pitt, Clooney und Co. unter Idioten
Gute Stimmung am Lido
Treten Brad Pitt und George Clooney gemeinsam auf, bleibt kein Auge trocken. Die beiden lassen auch auf dem Lido keinen Spaß aus. Wie ernst sie die Dreharbeiten zu "Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?" genommen haben, das erzählen sie freimütig den anwesenden Journalisten. Doch die wahren Antworten, so scheint es, muss man zwischen den Zeilen lesen. Tilda Swinton und Frances McDormand gehören ebenfalls zum Cast des neuen Streichs der Brüder Joel und Ethan Coen. Alle gemeinsam stellten sie sich auf dem Filmfestival in Venedig 2008 unseren Fragen.
Von  Barbara Mayr/Filmreporter.de,  28. August 2008
Ricore: Nachdem Sie den Anruf von Joel und Ethan Coen erhalten haben, haben Sie gleich für die Rolle zugesagt?

Brad Pitt: Ich war sehr glücklich über den Anruf, aber ich habe schon länger darüber nachgedacht, ob ich die Rolle annehmen soll oder nicht. Nachdem ich meinen Teil gelesen hatte, der extra für mich handgeschrieben war, war ich mir nicht sicher, ob ich mich geschmeichelt oder beleidigt fühlen sollte. Ich bin mir darüber noch immer nicht im Klaren. Aber es macht Spaß hier zu sein.

Ricore: Was ist so faszinierend daran, Filme über Idioten zu machen, die zwar lustig aber gleichermaßen auch sehr dramatisch sind?

Tilda Swinton: Ich muss sagen, es war schon etwas chaotisch das Ganze. Mein Part hat mir auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht. Die Idee dahinter war einfach sehr lustig und spannend.

Ricore: Brad Pitt, Sie haben nun sechs Kinder. Ich frage mich, ob Sie denn noch Zeit haben, Filme zu drehen? Und wie viele Kinder sind genug für Sie?

George Clooney: Ich bin wirklich sehr überrascht über diese Frage. Und was soll ich sagen? Es gibt nichts Schöneres heutzutage, als Kinder zu haben. Was sagst du dazu, Brad?

Brad Pitt: Mir fehlen die Worte.
TOBIS Film
Szene aus "Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?"
Ricore: Die Namen hören sich vor allem auch in der deutschen Sprache sehr seltsam an. Wie erging es den Schauspielern?

Ethan Coen: Die Namen sind im Laufe der Jahre einfach in entstanden. Sie sind aus der Luft gegriffen. Ich weiß es nicht, wir haben nicht darüber nachgedacht, was sie auf Deutsch heißen.

Ricore: Brad, wie geht es den Zwillingen?

Pitt: Den Zwillingen geht es gut. Danke.

Ricore: Herr Clooney, Sie haben mit Brad Pitt schon mehrere Male zusammengearbeitet. Wie war es dieses Mal?

Clooney: Brad sitzt am anderen Ende des Tisches, das heißt, es gibt eine strenge Ordnung zwischen uns. Wir haben tatsächlich nicht zusammengearbeitet. Es gab nur eine kritische Szene, über die wir jedoch hier nicht sprechen können.

Ricore: Joel und Ethan Coen, hatten Sie nicht Schuldgefühle, Clooney und Pitt Idiotenrollen anzubieten? Joel

Coen: Das ist interessant. Nachdem wir ihn angerufen hatten, meinte George "Okay, das war's, das war meine letzte Rolle als Idiot." Wir haben tatsächlich eine lange Geschichte, was das Schreiben von Idiotenrollen betrifft. Wir haben eine lange Übung darin.
Rufus F. Folkks/Ricore Text
Das gebrüder Ethan und Joel Coen in Venedig 2008
Ricore: Herr Clooney, diese Rolle hier unterscheidet sich von ihren sonstigen Charakteren wesentlich. Hier sind Sie nervös, unsicher und chaotisch. Und Sie haben viele Frauen. Was ist das Interessante und Lustige, bei so einem Film mitzumachen?

Clooney: Ich wünschte, ich hätte eine intelligentere Antwort, als Ihre Frage es ist. Die Wahrheit dahinter ist, die Coen-Brüder haben mir das Skript geschickt, und ich habe mich in die Rolle eingearbeitet. Ich habe es nicht in Betracht gezogen, dass es sich um einen Job in der Regierung oder eine Spion-Geschichte geht. Ich habe es genossen mit ihnen zu arbeiten und den Idioten zu spielen. Es gab keine politische Absicht hinter dem Film. Sie werden sehen, dass der Film in erster Linie lustig ist.

Ethan Coen: Sie vermitteln das Gefühl, als sei es falsch, ein Idiot zu sein. Das ist jedoch ein sensibles Thema.

Ricore: An alle Männer in dieser Runde: Ist es schöner, einen Oscar zu gewinnen oder sich hier in ein italienisches Mädchen zu verlieben?

Clooney: Brad, antworte nicht auf diese Frage!

Frances McDormand: Aber ich würde gerne auf diese Frage antworten. Ich kann mir das gut vorstellen.

Ricore: Frau Swinton, Sie hatten das Glück, mit Brad Pitt und George Clooney zu arbeiten. Was sagen Sie zu den Coen-Brüdern?

Swinton: Bei Brad und George geht es die ganze Zeit nur um Glamour und Fashion. Und die Coen-Brüder sind fantastisch.


Ricore: Eine Frage an George Clooney: Wie würden Sie den Charakter Ihrer Filmrolle beschreiben und wo würden Sie seinen IQ ansetzen?

Clooney: Ich glaube, er ist sehr smart. Das sagt Ihnen, wo mein IQ liegt. Der erste Film, den ich mit den Coen-Brüdern gemacht habe, war "O Brother, Where Art Thou?" und was sie mir zu diesem Film gesagt haben war: "Du bist der smarteste Typ in diesem Raum. Daran musst du immer denken." Ich glaube nicht, dass Idioten nicht gezwungenermaßen denken, dass sie Idioten sind - wie diese Gruppe bestätigen kann.

Pitt: Mein Charakter Chad Feldheimer ist noch immer Jungfrau. Er zieht es nicht mehr in Betracht, dass etwas geschehen könnte. Als jedoch etwas geschieht, ist er total geschockt.

Ricore: George und Brad, es gefällt Ihnen offensichtlich, miteinander zu arbeiten. Und das Publikum liebt es, Sie gemeinsam zu sehen. Sind Sie nicht enttäuscht, dass Sie in diesem Film nicht mehr gemeinsame Szenen haben?

Clooney: Nein. Überhaupt nicht. Diese eine Szene habe ich wirklich sehr genossen.

Ricore: Es gab Gerüchte, dass Sie wesentlich am Autorenstreik beteiligt waren. Ist das wahr?

Clooney: Nein. Ich hatte nicht mit dem Autorenstreik zu tun. Ich war bei Diskussionen und Verhandlungen dabei, aber das war's.
Ricore: Passen Filme wie "No Country for Old Men" und "Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?" zusammen?

Joel Coen: Ja, wir achten darauf, ob Filme Komödien sind oder nicht. Es passiert in zufälliger Reihenfolge, um ehrlich zu sein. Wenn ein Projekt zustande kommt, hat das keineswegs mit Produktionsgründen, sondern wie und wer wann verfügbar ist zu tun.

Ricore: Wie viel Spielraum für Improvisation haben Ihnen die Regisseure gelassen?

Pitt: Das Filmskript war lustig und wir hatten nicht das Bedürfnis die Sachen in Frage zu stellen. Aber ich bin mir sicher, die Coen-Brüder hätten uns jede Menge Platz für Improvisation gelassen.

Clooney: Es ist gab keine Improvisationen. Ich zumindest habe nichts dergleichen getan. Ich kann das auch nicht. Habt ihr was gemacht?

McDormand: Für gewöhnlich improvisiert man nicht in einem Film. Es ist eher wie ein Spiel. Das Skript ist fertig, und du passt dich ihm an. Und wenn du dich zu weit weg bewegst, dann funktioniert es nicht mehr. Sie ließen mich auch nicht improvisieren.
Von  Barbara Mayr/Filmreporter.de,  28. August 2008

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