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Interview

Dennis Quaid - harter Knüppel und liebender Vater
20th Century Fox

Dennis Quaid wieder angesagt

Es gibt mich immer noch!
Seine Karriere ähnelt einer Achterbahnfahrt, aber auch in seinem Privatleben ging es zuletzt drunter und drüber: Nun spielt der US-Darsteller Dennis Quaid (50, "Alamo") in Roland Emmerichs Katastrophenfilm "The Day After Tomorrow" einen Klimaforscher, der seinen jugendlichen Sohn aus dem eingefrorenen New York zu retten versucht. Vor dem Interview im sonnigen Cannes gewinnt man allerdings den Eindruck, Quaid befände lieber in einem Schneesturm als vor den Mikrofonen der versammelten Presse - so missmutig sieht er aus. Im Gespräch dauert es dann allerdings nicht lange, bis sein berühmtes Grinsen zum Vorschein kommt. Fragen über seine Ex Meg Ryan sind allerdings Tabu.
Von  Karsten Kastelan/Filmreporter.de,  25. Mai 2004
Ricore: Mr. Quaid, in "The Day After Tomorrow" wird die Welt innerhalb kürzester Zeit von Superstürmen, Flutwellen und einer neuen Eiszeit heimgesucht. Wie nahe ist der Film an der Realität?

Dennis Quaid: Der Film basiert auf wissenschaftlichen Tatsachen. Es handelt sich hier zwar um Entertainment - schließlich ist es nur ein Leinwandspektakel - doch die globale Erwärmung gibt es wirklich. Ich habe ein Haus in Montana und weiß, dass sich das Wetter dort in den letzten Jahren stark verändert hat. Jeder über Dreißig kann wohl von ähnlichen Erfahrungen berichten. Das Ganze hat mich auch direkt betroffen, denn in den letzten zwanzig Jahren hat es in Montana nicht mehr so viel geregnet wie früher. Und vor drei Jahren hat ein Feuer, das Tausende von Hektar Land zerstörte, beinahe auch mein Haus erwischt.

Ricore: Kollege Bruce Willis meinte nach "Armageddon", er würde bei einem bevorstehenden Weltuntergang einen Joint rauchen und schlafen gehen. Und Sie?

Quaid: (lacht) Wenigstens kann jeder endlich mal ausschlafen, wenn die Welt untergeht. Ich würde mir einen Ort suchen, von dem aus man den Weltuntergang gut beobachten kann.

Ricore: Ein britischer Wissenschaftler hat im "Daily Telegraph" behauptet, es wäre überhaupt nicht möglich, eine neue Eiszeit herbeizuführen. Er bezeichnet den Film als gefährlich, weil er Politikern soviel Angst machen könne, dass sie viel Geld ausgeben, um etwas zu verhindern, was sowieso unmöglich ist.

Quaid: Ich behaupte nicht, dass ich allwissend bin. Ich bin kein Spezialist für "Global Warming", aber ich weiß, dass es vor 10.000 Jahren schon einmal eine Eiszeit gab. Da solche Phänomene saisonal auftreten, wird es auch garantiert wieder eine geben. Wenn die Menschheit dazu beiträgt, diese Entwicklung zu beschleunigen - und es gibt wissenschaftliche Belege dafür, dass wir das durch die Zerstörung der Amazonaswälder und die Luftverschmutzung wirklich tun - dann handelt es sich um ein Problem, mit dem sich diese und die nächste Generation beschäftigen muss. Es wird nicht morgen passieren und auch nicht übermorgen - aber es wird passieren.


Ricore: Wie würden Sie sich verhalten, wenn - wie im Film - Ihr Sohn bei einer solchen Katastrophe von Ihnen getrennt würde?

Quaid: Natürlich sind meine Kinder das wichtigste in meinem Leben. Ich bin in vieler Hinsicht ein Feigling, aber wenn es um meinen Sohn ginge, würde ich wirklich alles tun. Dieser emotionale Kern der Geschichte ist auch einer der Gründe, warum der Film so gut funktioniert.

Ricore: Was ist Ihre Lieblingsszene im Film?

Quaid: Wenn die Tornados Hollywood zerstören (lacht). Ich weiß noch, wie man bei den Feierlichkeiten zur Jahrtausendwende auf der ganzen Welt die tollsten Sehenswürdigkeiten sah, vor denen sich die Leute versammelten. Nur in Los Angeles versammelte sich niemand irgendwo: Ein paar Lichter zeigten auf das Hollywoodzeichen, und die Straßen waren leer.

Ricore: Haben Sie nach einem solchen Blockbuster, in dem sie ständig frieren mussten, nicht wieder Lust, kleinere Filme zu machen?

Quaid: Ich mache gerade einen kleinen Film. Er heisst "Synergy" und wird von Paul Weitz inszeniert, der auch "American Pie" gemacht hat. Es ist eine kleine Komödie über amerikanische Großunternehmen. Während "The Day After Tomorrow" habe ich übrigens nicht gefroren, sondern geschwitzt. Wir hatten im Studio um die 25 Grad und die ganze Crew trug T-Shirts - ich musste dagegen in arktischer Expeditionsausrüstung dastehen. Das kommt davon, wenn man in einem solchen Film die Charlton-Heston-Rolle hat.


Ricore: Wissen Sie, warum Roland Emmerich so gern Amerika zerstört?

Quaid: Wir zerstören ja nicht nur Amerika - jeder bekommt was ab. Der Film konzentriert sich deshalb auf Amerika, weil er für ein US-Studio produziert wurde. Roland ist großartig, wenn es um epische Katastrophenfilme geht - niemand kann das so gut wie er. Ich habe "Independence Day" geliebt und finde Katastrophenfilme schon seit jeher toll - besonders "Erdbeben". Diese Streifen lassen dich alles vergessen, was sich außerhalb des Kinos abspielt. Roland gelingt es außerdem, das Publikum zu erschrecken und ihm gleichzeitig zuzuzwinkern.

Ricore: Für Ihre 50 Jahre sehen erstaunlich jung aus. Wie halten Sie sich fit?

Quaid: Ich spiele viel Golf, das hilft. Ich werde auch noch Golf spielen, wenn ich 70 bin.

Ricore: Ihre Karriere verlief wie eine Achterbahn...

Quaid: Die Achterbahn ist dafür eine sehr gute Metapher - man hat eben Höhen und Tiefen. Das macht das Leben ja gerade interessant. Meine Karriere läuft in letzter Zeit wirklich sehr gut. Ich war in einem Baseball-Film namens "Die Entscheidung", von dem ich nicht weiß, wie und in welchem Maße er in Europa gezeigt wurde. Dieser Film und "Dem Himmel so fern" waren ein sehr guter Vitaminstoß für meine Karriere. Seitdem bekomme ich wieder bessere Drehbücher, wofür ich wirklich dankbar bin. Ich mache das schließlich seit 30 Jahren und kann einfach nur sagen: Es gibt mich immer noch.


Ricore: Was war das Mutigste, das Sie im Laufe Ihrer Karriere gemacht haben?

Quaid: Ich höre immer, wie mutig gewisse Schauspieler gewesen sind, eine Rolle anzunehmen. Ich kapier das nicht. Soldaten sind mutig, Feuerwehrleute sind mutig. Schauspielerei ist eigentlich noch nicht mal ein Beruf. Das ist eher ein Privileg und macht viel Spaß. Man hat mir gesagt, ich sei mutig gewesen, in "Dem Himmel so fern" einen homosexuellen Mann zu spielen. Für mich war das dagegen eine Selbstverständlichkeit: Schließlich hieß der Regisseur Todd Haynes - ein großartiger Filmemacher. Es war außerdem ein toller Part, und wenigstens musste ich keine Angst haben, nur noch in solchen Rollen besetzt zu werden.

Ricore: Hier in Cannes laufen einige äußerst Bush-kritische Filme. Wie stehen Sie als Texaner dazu?

Quaid: Ich lebte damals nicht in Texas und habe Bush demzufolge nicht zum Gouverneur gewählt. Viele werden versuchen, "The Day After Tomorrow" zu politisieren - und das ist wahrscheinlich auch gut für den Film. Ich glaube aber nicht, dass es die Leute interessieren sollte, welche Meinung ein Schauspieler über Politik hat.

Ricore: Vertrauen Sie darauf, dass die Politik das Problem des "Global Warming" in den Griff bekommt?

Quaid: Ich traue Politikern generell nicht. Ich glaube aber an die Menschheit - und "Global Warming" ist etwas, dem wir uns alle stellen müssen. Ich rede hier so hoch gestochen daher, dabei bin ich auch nicht besser als andere. Ich fahre ein großes Auto, obwohl das die Luft vergiftet. Auf Luxus wie Elektrizität und fließendes Wasser möchte ich ungern verzichten. Wenn Elektro- oder Wasserstoffautos auf den Markt kommen, die man auch wirklich kaufen möchte, lege ich mir eins zu. Unsere Umwelt ist größer und wichtiger als die Politik. Sie geht uns alle an.
Von  Karsten Kastelan/Filmreporter.de,  25. Mai 2004

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